Windräder fressen Jobs – Wie Siemens Arbeitsplätze vernichtet

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Deutschlands Kraftwerkbauer zahlen die Zeche der Energiewende: Trotz steigenden Strombedarfs sind die Auftragsbücher der Industrie leer. Opfer sind die Malocher von Siemens & Co. in Görlitz und anderswo: Ihre Existenzen stehen auf dem Spiel.

_ von Karel Meissner

Der Untergang begann am 16. November. «Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen», versprach Siemens-Personalvorstand Janina Kugel noch vollmundig – und verkündete im gleichen Atemzug die Streichung von fast 7.000 Stellen der Kraftwerks- und Antriebssparten im Konzern, darunter 3.500 in Deutschland. Die Werke für Prozessdampf-Turbinen in Görlitz mit 1.000 und Leipzig mit 270 Beschäftigten werden geschlossen.

Die Verlagerung dieser Arbeitsplätze nach Mühlheim soll den Standort im Ruhrgebiet stabilisieren, nachdem die dortige Produktion von Großturbinen praktisch zum Erliegen kam. Auch Berlin – der Geburtsort des Konzerns – erlebt einen Kahlschlag: Das Dynamowerk mit 700 Angestellten fällt weg, beim Gasturbinenwerk müssen 300 Mitarbeiter gehen.

Die Fertigung in Offenbach und Wien will Siemens mit der Filiale in Erlangen fusionieren – ob der hessische Standort überhaupt überlebt, ist bislang unklar – ebenso, wie viele Existenzen bei Zulieferern auf dem Spiel stehen. Es ist nicht das erste Streichkonzert im deutschen Weltkonzern. Bereits im Frühjahr 2015 hatte Siemens-Chef Joe Kaeser das Aus für 13.500 Arbeitsplätze in mehreren Schritten verkündet.

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Das 1847 gegründete Unternehmen steht dabei nicht alleine. Im Frühjahr 2017 beschloss General Electric den Abbau von 6.800 Stellen in Europa, viele davon in Baden-Württemberg. Betroffen ist die zuvor übernommene Energiesparte von Alstom. «Der Standort [Stuttgart], an dem GE Boiler für Dampfturbinen produziert, hat bereits in den vergangenen Jahren fast die Hälfte der Arbeitnehmer verloren…», berichteten die Stuttgarter Nachrichten. Der Energie- und Automatisierungskonzern ABB, der ebenfalls über Niederlassungen in Deutschland verfügt, hielt sich bislang bedeckt.

Allerdings läuft bei dem Schweizer Unternehmen seit Jahren eine sukzessive Stellenstreichung. «Wir haben jetzt 1.500 Mitarbeiter weniger an Bord als zu Jahresbeginn, und wir werden die natürliche Fluktuation weiter nutzen», so ABB-Chef Ulrich Spiesshofer Ende 2015 im Manager Magazin. Hinzu kommen Kürzungen, die es zumeist nicht in die überregionale Presse schaffen. So berichtete Radio Oberhausen im März von bis zu 150 Arbeitsplätzen, die bei Babcock Borsig und Bilfinger auf der Kippe stehen.

Mehr Strom, weniger Kraftwerke

Dabei ist auffällig: Vor allem beim Kraftwerkbau fallen gegenwärtig Tausende Industriearbeitsplätze weg, sterben traditionsreiche Werke und mit ihnen – wie in Görlitz – ganze Regionen. Die Flaute steht jedoch in auffälligem Widerspruch zum Energiebedarf. So stieg der globale Verbrauch zwischen 2005 und 2015 von etwa 15.700 auf rund 21.100 Terawattstunden. Dennoch können weltweit pro Jahr lediglich nur noch etwa 110 Großturbinen abgesetzt werden – obwohl es Produktionskapazitäten für etwa 400 gibt.

Bei Siemens seien in den vergangenen drei Jahren «ganze zwei» entsprechende Produkte bestellt worden, so Kaeser. «Defizitäre Geschäfte dauerhaft zu subventionieren, wäre verantwortungslos», begründete Kugel, weshalb das Unternehmen trotz eines erwarteten Netto-Gewinns von 6,2 Milliarden Euro im Jahr 2017 zum Rotstift greift.

Tatsächlich gibt es mehrere Gründe für diese Entwicklung. Zum einen erhält Siemens in der Turbinensparte zunehmend Konkurrenz von Billigherstellern aus Osteuropa und China. Zum anderen sanken in den vergangenen Jahren die Börsenstrompreise – Erzeuger verzichteten im Gegenzug auf die nun schwerer zu refinanzierenden Neubauten von Kraftwerken.

Vor allem jedoch stieg der Anteil des Ökostroms – allein in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit der Jahrtausendwende von 3,7 auf 14,6 Prozent, das Bundeswirtschaftsministerium nannte im März 2017 sogar einen Anteil von 31,7 Prozent. «Bis zum Jahr 2025 sollen 40 bis 45 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien stammen», heißt es aus dem SPD-geführten Ressort.

Weltweit lagen die Kapazitäten 2016 bei 19 Prozent der Gesamtproduktion. In Deutschland ragten 2016 insgesamt 27.220 Windräder in die Landschaft, vor allem in der flachen Nordhälfte.

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