Manchmal genügen wenige Sätze, um politische Nähe neu zu vermessen. Gestern wurde Partei-Mythos Trump öffentlich demontiert: weg vom US-Personenkult, hin zu deutscher Interessenpolitik. Die AfD-Spitze markiert endlich eine eigene Linie. Tino Chrupalla , derzeit in Höchstform, wird gewürdigt in der Titelgeschichte unserer Ausgabe „Der Friedensstifter“. Er hält die AfD auf Kurs! Hier mehr erfahren.

    Bei einem Medienauftritt im Deutschen Bundestag beantworteten Alice Weidel und Tino Chrupalla auch Fragen zur aktuellen US-Außenpolitik. Nach Kritik an der Bundesregierung und an Kanzler Friedrich Merz lag der Fokus vor allem auf Donald Trumps jüngsten außenpolitischen Vorstößen, von den Entwicklungen in Venezuela bis hin zu umstrittenen Äußerungen auf Grönland. Was als Nachfrage begann, entwickelte sich rasch zu einer Grundsatzabrechnung.

    Worte mit Wirkung

    Weidel setzt den ersten, bewusst scharfen Akzent. Sie rahmt ihre Kritik nicht als Meinungsverschiedenheit ein, sondern als Vertrauensbruch. Trump, so ihr Vorwurf, habe sich von den eigenen Grundsätzen entfernt:

    „Donald Trump hat gegen ein elementares Wahlversprechen verstoßen, nämlich, sich nicht in andere Staaten einzumischen.“

    COMPACT-Cover mit Chrupalla 12/2025

    Und sie legt nach: „Das muss er seinen eigenen Wählern erklären, das muss man ganz klar sagen.“ Es gehe um die Sicherung von Ressourcen: ,,Im Fall von Venezuela geht es darum, primär sich die Ölressourcen zu sichern (…) Wie Sie wissen, hat Venezuela die größten weltweiten Ölressourcen, größer als Saudi-Arabien.“

    Trump hatte sich wiederholt als der Beender von Kriegen inszeniert, davon gesprochen, acht militärische Konflikte eingefroren zu haben, und sogar den Anspruch auf einen Friedensnobelpreis formuliert. Vor diesem Hintergrund gewinnt Weidels Kritik an zusätzlicher Schärfe.

    Blick auf die Ukraine

    Die Konsequenzen dieser Strategie beschreibt die AfD-Chefin als selbstverschuldetes Dilemma. Jeder Schritt nach außen verenge die Optionen nach innen: „Donald Trump muss sehen, dass dadurch seine Handlungsspielräume immer weiter eingeschränkt werden.“

    Besonders sensibel wird der Ton, als der Ukraine-Krieg zur Sprache kommt. Hier verlässt Weidel die Analyse und formuliert eine Warnung. Trumps Vorgehen könne bestehende diplomatische Bemühungen gefährden:

    „Wir können nur hoffen, dass dadurch nicht die Friedensverhandlungen in der Ukraine gestört werden.“

    Weidel richtete sich dann direkt an Medien und politische Beobachter in Europa. Sie spricht von Doppelstandards, von selektiver Empörung, und greift zu einer bewusst drastischen Wortwahl:

    „Dieses Gejaule haben wir jahrelang gehört, wenn Wladimir Putin angeblich gegen das Völkerrecht verstößt.“

    Bemerkenswert ist dieser Ton nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Weidel erst vor Kurzem parteiintern andere Grenzen zu ziehen schien: Einer Reise einer AfD-Delegation nach Russland hatte sie öffentlich widersprochen und zugleich mögliche Konsequenzen in Aussicht gestellt.

    Umso überraschender wirkt nun der scharfe Verweis auf Wladimir Putin, als Spiegel westlicher Maßstäbe: ,,Aber was wir hier sehen, und das ist auch gerade teilweise sehr, sehr schön mit anzusehen: Die Doppelstandards und die Doppelmoral auch der deutschen Medien in Bezug auf das Völkerrecht (…) Jetzt sind Sie plötzlich ziemlich leise, wenn Trump dasselbe tut.“

    Deutsche Interessen zuerst!

    Die AfD-Chefin zieht auch auf Nachfrage zu Grönland eine klare abschließende Linie. Keine Identifikation mit ausländischen Führungsfiguren, kein Automatismus der Zustimmung. Ihre Maxime lautet nationale Nüchternheit:

    „Ich kümmere mich zuvorderst als deutsche Politikerin um die Belange unseres Landes.“

    Und sie ergänzt: „Wir werden sowieso alle Handlungen dahingehend bewerten, ob sie dem deutschen Interesse nutzen oder nicht.“

    Auch Chrupalla bleibt nicht im Ungefähren. Er verzichtet auf lange Ausführungen und verdichtet seine Kritik zu einem Satz, der hängen bleibt. Seine Bewertung der US-Außenpolitik kommt ohne Umschweife aus:

    „Klar ist, dass Wildwest-Methoden abzulehnen sind.“

    Der Begriff ist bewusst gewählt. Er steht für Unberechenbarkeit, für Machtpolitik ohne Ordnung, und für genau das, wovon sich die AfD-Spitze an diesem Tag lösen will.

    Mehr zu Tino Chrupalla und besonders seiner Rolle als ,,Der Friedensstifter“ lesen Sie in unserer Dezember-Ausgabe. Hier bestellen.

     

     

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