Kaum eine Weltregion wurde nach 1945 so dauerhaft von US-Eingriffen geprägt wie der südamerikanische Kontinent. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gilt der Raum südlich des Rio Grande als Einflussgebiet, in dem politische Abweichler ausgeschaltet werden müssen. Die Mittel wechselten, von offenen Militärinterventionen bis zu verdeckten CIA-Operationen, von wirtschaftlichem Druck bis zur Stützung autoritärer Regime. Wir liefern die ganze Chronik. In einer Gegenwart, die allzu oft in einfachen Feindbildern denkt, lädt dieses Sammlerstück zu einem anderen Blick ein: Unsere COMPACT-Silbermedaille: Druschba. Für deutsch-russische Freundschaft. Für Frieden statt Krieg! Endlich wieder lieferbar!

    Nach der Niederlage Deutschlands traten die Vereinigten Staaten zunehmend als globale Führungsmacht auf. Mit dem Zerfall der alten Kolonialordnungen und dem Beginn des Kalten Krieges gewann der amerikanische Doppelkontinent strategische Bedeutung.

    Die bereits im 19. Jahrhundert formulierte Monroe-Doktrin, die fremde, vor allem koloniale Einmischung in der westlichen Hemisphäre untersagte, wurde nun neu interpretiert: Nicht mehr europäische Imperien, sondern politische und ökonomische Abweichungen galten als Bedrohung.

    Paraguay 1954: Stabilität durch autoritäre Verlässlichkeit

    Am 4. Mai 1954 putscht sich Alfredo Stroessner mit Unterstützung des Militärs an die Macht. Die Vereinigten Staaten erkennen das Regime rasch an und stufen es als stabilen antikommunistischen Partner ein. Paraguay erhält in den folgenden Jahren Militärhilfe, Ausbildung und Geheimdienstkooperation, obwohl Stroessners Regierung systematisch foltert, Oppositionelle verfolgt und politische Gegner ermordet.

    Druschba (Дружба) heißt Freundschaft. Wenn es zwischen Deutschen und Russen gestimmt hat, war das nicht nur für unsere beiden Völker gut, sondern für den gesamten Kontinent.

    In internen CIA-Berichten wird Stroessner damals als „autoritär aber verlässlich“ beschrieben. Der Fall Paraguay etabliert früh ein Grundmuster: Menschenrechte gelten als nachrangig, solange politische Loyalität gewährleistet ist.

    Guatemala 1954: Der Prototyp des CIA-Regimewechsels

    Im gleichen Jahr gilt der Sturz von Jacobo Arbenz als erste vollständig ausgearbeitete CIA-Operation zum Regimechange. Operation PBSUCCESS (frei gewählter Operationsname) wird mit rund 2,7 Millionen Dollar finanziert und kombiniert psychologische Kriegsführung und militärischen Druck: Ein von der CIA betriebener Radiosender mit dem Namen „Die Stimme der Befreiung“ (deutsche Übersetzung) verbreitete Falschmeldungen über angebliche Erfolge einer Rebellentruppe, die in Wirklichkeit nur wenige hundert Kämpfer umfasste.

    Entscheidend war, dass die guatemaltekische Armee dem Präsidenten daraufhin die Gefolgschaft entzog. Arbenz trat am 27. Juni 1954 zurück, um einen Bürgerkrieg und eine direkte US-Intervention zu verhindern. Arbenz plante eine umfassende Agrarreform, die brachliegendes Land enteignete und entschädigt an Kleinbauern verteilte, darunter große Flächen der United Fruit Company.

    Georges Bidsult (l.), Anthony Eden (mitte) und John Foster Dulles. Foto: CC-BY-SA 3.0, Wkimedia Commons

    Besonders brisant: Sowohl Außenminister John Foster Dulles als auch dessen Bruder und CIA-Chef Allen Dulles (auch bekannt für das MKUltra-Projekt) unterhielten enge berufliche und persönliche Verbindungen zu dem Unternehmen. Interne US-Dokumente zeigen, dass weniger eine sowjetische Einflussnahme als die Sorge vor einem „ansteckenden Beispiel“ ausschlaggebend war.

    Das Ergebnis ist kein stabiler Verbündeter, sondern ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, ein Muster, das sich später in anderen Ländern wiederholt.

    Kuba ab 1959: Der Schritt zur Dauerintervention

    Mitte April 1959 schien das Verhältnis zwischen Washington und dem nachrevolutionären Kuba noch offen. US-Vizepräsident Richard Nixon empfing Fidel Castro und mahnte investorenfreundliche Rahmenbedingungen an. Doch spätestens mit der Agrarreform und der Annäherung Havannas an Moskau kippte die Haltung der Eisenhower-Administration. Interne CIA-Dokumente belegen, dass bereits 1959 über die „Eliminierung Castros“ diskutiert wurde, der für verdeckte Operationen zuständige Richard Bissell legte entsprechende Vorschläge vor.

    WikiImages, pixabay

    In Zusammenarbeit mit Mafiabossen wie Sam Giancana und Santos Trafficante wurden Giftanschläge vorbereitet, andere Pläne zielten darauf ab, Castro öffentlich zu kompromittieren, unter anderem durch den Einsatz von LSD. Nach dem blamablen Scheitern der von der CIA organisierten Invasion in der Schweinebucht im April 1961 setzte Washington seinen Kurs fort.

    Unter CIA-Chef Allen Dulles  entstand mit Operation Northwoods ein Geheimplan, der vorsah, Terrorakte zu inszenieren und Kuba zuzuschreiben, um einen Kriegsgrund zu schaffen. Diese Vorschläge sind durch freigegebene Originaldokumente belegt und markieren einen der radikalsten Punkte der US-Interventionsgeschichte.

    Die Eskalation kulminierte im Oktober 1962 in der Kubakrise. Nach Jahren wirtschaftlicher Isolation,  und verdeckter Umsturzversuche suchte Havanna Schutz in der Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen. Washington reagierte mit einer Seeblockade und der konkreten Vorbereitung eines Angriffs auf die Insel, über dreizehn Tage stand die Welt am Rand eines nuklearen Krieges.

    Willy Brandt zu Besuch bei John F Kennedy. Brandt hegte, zumindest anfänglich, große Bewunderung für den US-Präsidenten. Foto: Public Domain

    Freigegebene Protokolle des Exekutivausschusses des Nationalen Sicherheitsrates (ExComm) zeigen, dass die Kennedy-Administration immerhin die sowjetische Raketenstationierung ehrlicherweise auch als Reaktion auf die eigene Politik verstand. Kennedy verwies intern auf die in der Türkei stationierten US-amerikanischen Jupiter-Mittelstreckenraketen und bemerkte, dies sei im Grunde so,

    „als hätten wir plötzlich eine große Zahl von Raketen vor der eigenen Haustür“.

    Die Krise endete erst, als Moskau die Raketen abzog und Washington im Gegenzug zusicherte, Kuba nicht zu anzugreifen, womit die Insel zwar militärisch gesichert, politisch jedoch dauerhaft zum Ziel amerikanischer Eindämmung blieb.

    Brasilien 1964: ,,Präventiver“ Umsturz

    Der Militärputsch in Brasilien erfolgt mit politischer und logistischer Unterstützung der USA. Präsident Joao Goulart verfolgte einen Kurs, der unter anderem Landreformen, eine stärkere staatliche Kontrolle über Schlüsselindustrien sowie eine unabhängigere Außenpolitik vorsah. Besonders seine Ankündigung, ausländischen Konzernen strengere Auflagen zu machen und Teile der Wirtschaft zu regulieren, alarmierte wirtschaftliche Eliten im In- und Ausland.

    Freigegebene Telegramme des US-Außenministeriums, Mitschnitte aus dem Weißen Haus sowie Einsatzpläne des Pentagons zeigen, dass Washington den Militärputsch gegen Goulart nicht nur kannte, sondern politisch billigte und logistisch absicherte.

    Washington bereitet mit Operation Brother Sam (Operation Bruder Sam) sogar einen möglichen Truppeneinsatz vor, inklusive Treibstoff- und Waffenlieferungen. US-Präsident Lyndon B. Johnson ordnet an, man müsse „alles Notwendige“ tun, um den Machtwechsel abzusichern. Die neue Führung unter Humberto Castelo Branco wird rasch anerkannt. Wie in Paraguay entsteht eine langfristige Militärdiktatur, diesmal in einem regionalen Schwergewicht.

    Dominikanische Republik 1965

    Der Bürgerkrieg in der Dominikanischen Republik brach im April 1965 aus, nachdem sich Teile des Militärs gegen die autoritäre Übergangsregierung stellten. Auslöser war der Versuch, den 1963 gestürzten, demokratisch gewählten Präsidenten Juan Bosch wieder ins Amt zu bringen. Bosch galt als moderater Reformer, der soziale Reformen und eine stärkere zivile Kontrolle des Militärs anstrebte.

    Für Washington war dies jedoch bereits ausreichend, um ein mögliches Abgleiten in Richtung eines linken Reformprojekts zu befürchten. Präsident Johnson erklärte öffentlich, man müsse verhindern, dass sich „ein zweites Kuba“ in der Karibik etabliere. Die USA griff offen militärisch ein und entsenden über 20.000 Soldaten nach Santo Domingo.

    Lyndon B. Johnson (1908–1973): Der Nachfolger Kennedys als US-Präsident ließ dem Finanzkapital zahlreiche Schlupflöcher. Foto: CC0, Wikimedia Commons

    Es kam 1966 zu Neuwahlen, allerdings unter Bedingungen, die die reformorientierten Kräfte stark benachteiligten. Gewinner dieser Wahlen war Joaquin Balaguer, ein konservativer Politiker und früherer Funktionsträger des Trujillo-Regimes. Der Name bezeichnet die fast drei Jahrzehnte währende Diktatur von Rafael Trujillo in der Dominikanischen Republik (1930–1961), die durch Personenkult und enge politische Beziehungen zu den Vereinigten Staaten geprägt war. Auch Balaguer regierte ab 1966 autoritär.

    Bolivien 1971: Rohstoffe und Ordnungspolitik

    Der Putsch von Hugo Banzer richtet sich gegen die sozialistische Politik von Präsident Juan Torres. Besonders die Verstaatlichung von Öl- und Bergbauindustrien alarmiert Washington. Auf einer Pressekonferenz am 6. August 1971, also nur zwei Wochen vor dem Putsch in Bolivien, stellte Präsident Richard Nixon klar:

    „Die Vereinigten Staaten können gegenüber Entwicklungen in dieser Hemisphäre nicht gleichgültig sein, wenn sie die Stabilität gefährden und extremistischen Einflüssen Tür und Tor öffnen.“

    Der Totengräber von Bretton Woods: Richard Nixon (1913–1994) hob 1971 die Golddeckung des US-Dollars auf, zwei Jahre später brach die internationale Währungsordnung zusammen. 1974 trat der Republikaner im Zuge der Watergate-Affäre als Präsident zurück. Foto: CC0, Wikimedia Commons

     

    Verhinderung von Extremismus also? Ein CIA-Analysepapier, das später über das National Security Archive freigegeben wurde, bringt die wirtschaftliche Logik der US-Politik unmissverständlich auf den Punkt. In der internen Lageeinschätzung heißt es wörtlich:

    „Eine Wiederherstellung politischer Ordnung, die privaten Investitionen günstig ist, würde das Umfeld für amerikanische Wirtschaftsinteressen deutlich verbessern.“

    Banzer erhält Militärhilfe und politische Rückendeckung. Wie in Guatemala zeigt sich hier die enge Verbindung von wirtschaftlichen Interessen und politischer Intervention.

    Chile 1970–1973: Destabilisierung und Putsch

    Nach der Wahl von Salvador Allende beschließt Washington eine Strategie der wirtschaftlichen und politischen Destabilisierung. Präsident Nixon ordnet an, die chilenische Wirtschaft müsse „scream“ (schreien). Die CIA investiert mindestens acht Millionen Dollar in Medien, Parteien und Sabotage.

    Außenminister Henry Kissinger erklärt, man könne nicht zulassen, dass ein Land „durch demokratische Entscheidungen kommunistisch wird“. 1973 wird Allende durch Augusto Pinochet und das chilenische Militär gestürzt.

    Argentinien 1976: Repression als akzeptierter Preis

    Die Militärjunta unter Jorge Videla erhält trotz des „Dirty War“ politische Rückendeckung aus Washington. Der Begriff bezeichnet die systematische Entführung, Folter und Ermordung politischer Gegner durch die argentinische Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983, bei der rund 30.000 Menschen verschwanden.

    Vordenker und Rockefeller-Kumpan: Henry Kissinger, damals Außenminister, legt den Finger auf den Sinai. Rechts neben ihm US-Präsident Gerald Ford. Aufgenommen wurde das Foto 1975 im Weißen Haus. Foto: Courtesy Gerald R. Ford Presidential Library

     

    Kissinger signalisiert argentinischen Militärs Verständnis für „harte Maßnahmen“. US-Kredite und Militärhilfe fließen weiter, obwohl CIA-Berichte und Journalisten früh Folter und Verschwindenlassen dokumentieren. Argentinien zeigt, dass selbst detailliertes Wissen über Menschenrechtsverbrechen Unterstützung nicht verhindert. Entscheidend bleibt die strategische Ausrichtung.

    Nicaragua 1980er: Intervention gegen internationales Recht

    In Nicaragua standen sich in den 1980er-Jahren eine linksrevolutionäre Regierung (Sandinisten) und von den USA unterstützte paramilitärische Aufstandsgruppen (Contras) gegenüber, also ein klassischer Stellvertreterkrieg des Kalten Krieges. Nach dem die Sandinisten die USA gestützte Somoza-Diktatur stürzte, finanziert die Reagan-Regierung die Contras mit über 400 Millionen Dollar.

    Nachdem der Kongress diese Hilfe untersagt, wird sie illegal fortgesetzt. Präsident Ronald Reagan bezeichnet die Contras als „moralisches Äquivalent der Gründerväter“. Der Internationale Gerichtshof verurteilt die USA wegen Völkerrechtsverletzungen. Washington ignoriert das Urteil, ein Wendepunkt im Verhältnis von Macht und Recht.

    El Salvador: Milliarden für einen Stellvertreterkrieg

    Zwischen 1980 und 1992 fließen über sechs Milliarden Dollar US-Militärhilfe nach El Salvador. Die USA unterstützten in El Salvador das Militärregime gegen die linke FMLN-Guerilla und nahmen dabei systematische Menschenrechtsverletzungen in Kauf. Trotz dokumentierter Massaker an der Zivilbevölkerung bleibt die Unterstützung bestehen.

    Panama 1989: Zugriff auf den ehemaligen Verbündeten

    Präsident Manuel Noriega war über Jahre hinweg ein enger Partner der USA und zugleich CIA-Informant. Er lieferte Geheimdienstinformationen, unterstützte US-Operationen in Mittelamerika und tolerierte amerikanische Militärbasen in Panama. Seine Beteiligung am Drogenhandel war Washington dabei lange bekannt und wurde bewusst ignoriert.

    Das Verhältnis kippte erst, als Noriega begann, eigenständige Machtpolitik zu betreiben: Er kooperierte mit Kuba und Nicaragua und tolerierte antiamerikanische Rhetorik Als Noriega sich US-Forderungen entzog und innenpolitisch repressiver wurde, verlor er seinen Nutzen als Verbündeter und wurde besonders mit Bezug auf den Panamakanal zum geopolitischen Risiko für Washington.

    George W. Bush, 2008. Foto: ChameleonsEye | Shutterstock.com

    1988 wird Noriega in den USA wegen Drogenhandels angeklagt. Zwei Jahre später rechtfertigt Präsident Bush die Invasion Panamas mit der „Durchsetzung des Rechts“.

    Die Invasion zur Festnahme von Noriega kostet rund 163 Millionen Dollar. Ein Staatschef wird wie ein gewöhnlicher Krimineller abgeführt, ein Motiv, das jüngst dieses Jahr erneut auftaucht.

    Kolumbien ab 2000: Dauerhafte Sicherheitsarchitektur

    Der Plan Colombia (Plan Kolumbien) umfasst über zehn Milliarden Dollar US-Hilfe. Offiziell dient er der Drogenbekämpfung. Faktisch etabliert er eine dauerhafte militärische Präsenz. Bergbau- und Ölanteile werden gesichert. Das Kokaingeschäft in Kolumbien nimmt sogar zwischenzeitlich an Fahrt auf. Präsident Bill Clinton nennt den Plan eine „strategische Investition“.

    Venezuela 2026: Strafrecht als Vorwand

    Mit der Festnahme von Nicolas Maduro erreicht die Interventionspraxis eine neue Stufe. Militär, Geheimdienste und Justiz greifen ineinander. Präsident Donald Trump erklärt rückblickend, Maduro sei „bereit gewesen alles zu tun, um einen offenen Konflikt zu vermeiden“.

    Nicolás Maduro und Donald Trump – der venezolanische Präsident bereitet sich auf eine US-Attacke vor. Bild: Grok KI-Generator

    Ihm wird vorgeworfen regelrechten ,,Narco-Terrorismus“ betrieben zu haben und ein ganzes Staatskartell zu leiten. Der Begriff ,,Narco-Terrorismus“ wird zum ersten Mal auf einen staatlichen Akteur bezogen, für das angebliche Staatskartell gibt es bislang keine Beweise. Auch spielt Venezuela bei Kokainrouten in die USA nur eine kleine Rolle. Trump erklärte nach der Entführung, er würde die Ölindustrie des Landes ,,neu gestalten“. Venezuela solle zwischen ,,30-50 Millionen Barrel“ an die USA liefern – kostenlos.

    Geopolitische Spannungen hinterlassen auch wirtschaftliche Spuren. In Zeiten wachsender Unsicherheit suchen Investoren und Sparer traditionell Zuflucht in Sachwerten. Mit unserer COMPACT-Silbermedaille: Druschba (Дружба), für deutsch-russische Freundschaft, bekommen sie einen handfesten Wert. Das Silber steigt und steigt. Endlich wieder lieferbar!

     

     

     

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