Wagenknecht: Wir brauchen französische Protestkultur

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Frankreich kann neidisch machen: Während ein Großteil deutscher Bürger soziale Ungerechtigkeiten still erduldet und die Mainstream-Medien dem Establishment applaudieren, gehen die Franzosen auf die Straße – und haben das Gros der Medien auf ihrer Seite. Dabei drehen sich die aktuellen Proteste nicht nur um Benzinpreise. Die waren bloß Auslöser. Es geht um die Korrektur eines Irrtums: die Wahl von Macron zum Präsidenten. Und der zeigt zunehmend seine Verachtung für die Bürger, verbal und durch brutale Einsätze der Polizei.

Es gibt aber auch Oppositionelle, die sich mit dem hiesigen Untertanentum nicht abfinden möchten. Unter ihnen: Sahra Wagenknecht, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag. Wie der Name ihrer Bewegung „aufstehenschon andeutet, wünscht sie auch in Deutschland mehr „Aufstand. In den französischen Gelbwesten sieht sie ein Vorbild.

Zwar bedauere sie die Gewalteskalationen bei den Demonstrationen, aber: „Ich würde mir natürlich wünschen, dass wir auch in Deutschland stärkere Proteste hätten gegen eine Regierung, der die Interessen der Wirtschaftslobbyisten wichtiger sind als die Interessen normaler Leute – sagte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gleichzeitig weiß sie jedoch: „Frankreich ist anders. Frankreich ist immer viel spontaner.

Die Protest-Motivation der Franzosen ist für Wagenknecht völlig nachvollziehbar: „Ich finde es richtig, wenn Menschen sich wehren und protestieren, wenn die Politik ihr Leben verschlechtert.“ Man dürfe diese Bewegung weder von links noch von rechts vereinnahmen. Sie sei vielmehr „ein Aufbegehren gegen eine Regierung der Reichen“, das Anliegen der Gelbwesten sei „absolut gerechtfertigt. Auch Deutsche müssten lernen, gegen die Regierung zu protestieren: „Wir lassen uns viel zu viel von schlechten Regierungen gefallen.“

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