Von der Wirtschaftsikone zur Zockerbude – Deutsche Bank taumelt weiter dem Abgrund entgegen

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Verstrickt in kostspieligen Prozessen, gefangen in einem dauerhaften Abwärtstrend: Die Deutsche Bank ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und notierte am Montag zwischenzeitlich bei Kursen von unter 6 Euro.

Wie viele Akte kann ein Trauerspiel eigentlich haben? Diese Frage stellt sich mit Blick auf die Deutsche Bank nun schon länger als ein Jahrzehnt, aber immer wieder geht es mit dem einstigen deutschen Renommierinstitut noch ein Stück tiefer in den Keller.

Gestern fiel der Aktienkurs der Deutschen Bank erstmals unter die Marke von 6 Euro. Kaum zu glauben, aber im Jahr 2007 notierte der Aktienkurs des Instituts schon einmal bei mehr als 108 Euro.

Weiter viele toxische Papiere in der Bilanz

Dabei konnte das Institut zu Jahresbeginn nach drei Verlustjahren in Folge erstmals wieder einen Jahresgewinn vermelden. Doch große Freude oder gar Euphorie kam bei den Anlegern, die ahnten, dass eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, gar nicht erst auf. Zu gigantisch sind die Strukturprobleme der Deutschen Bank, zu groß und vor allem zu unkalkulierbar sind die nach wie vor in ihrer Bilanz versteckten Risiken, die das Institut jederzeit in eine Schieflage kippen könnten.

Außerdem ist das Jahresergebnis der Deutschen Bank nur auf den ersten Blick gut. Es wurde zwar nach Jahren ‒ weil Kosten gesenkt und 6.000 Arbeitsplätze abgebaut wurden ‒ endlich wieder ein Gewinn erwirtschaftet, die Erträge der Bank sind aber weiterhin rückläufig. Die alten Grundprobleme sind geblieben.

Die Investmentbanker des Hauses erheben nach wie vor den Anspruch, Jahr für Jahr dicke Boni zu kassieren, häuften aber alleine im vierten Quartal 2018 einen Vorsteuerverlust von gut 300 Millionen Euro an, der nur durch Gewinne in anderen Bereichen notdürftig aufgefangen werden konnte.

Das Institut gilt wegen seiner geringen Marktkapitalisierung schon lange als Übernahmekandidat und hätte seine Selbstständigkeit wohl schon lange verloren, wenn potentielle Investoren – so die Schweizer Großbank UBS – nicht im letzten Moment immer wieder kalte Füße wegen der möglicherweise in der Bilanz versteckten Risiken bekommen hätten. Vor einem guten Monat platzte dann auch noch die angedachte Fusion mit der Commerzbank, die schon in Sack und Tüchern gewesen zu sein schien.

Größenwahn ersetzte Bodenständigkeit

Die Geschichte der Deutschen Bank ist fast schon ein Musterbeispiel dafür, welch tiefer Sturz auf eine jahrzehntelange Ära des Größenwahns folgen kann. Dabei galt das Kreditinstitut bis zu den achtziger Jahren weltweit als Inbegriff deutscher Solidität. Hermann Josef Abs, der langjährige Vorstandssprecher (1957 bis 1967) und Aufsichtsratsvorsitzende (1967 bis 1976) der Deutschen Bank, war für lange Jahre fast so etwas wie ein „Nebenkanzler“ Adenauers.

Kein anderer als David Rockefeller bezeichnete Abs in seinem Nachruf im Spiegel vom 14. Februar 1994 als „den führenden Bankier der Welt“. Abs gründete 1948 die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“, deren Vorstandsvorsitzender er für vier Jahre (von 1948 bis 1952) war, und galt als maßgeblicher Architekt des Londoner Schuldenabkommens des Jahres 1953.

Von Fugger über Rothschild und Rockefeller bis zu Goldman Sachs und Blackrock, von den Freimaurern zu den Bilderbergern – wer ist wer in der Riege der Hochfinanz? Lesen Sie alles zu dem Thema in COMPACT-Spezial 20 „Finanzmächte – Kriminalgeschichte des großen Geldes“.

Er war der Favorit des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke für den Posten des Bundesaußenministers, die Ernennung scheiterte am Ende nur am Widerstand Adenauers. Eine weitere, fast schon mythische Figur in der Geschichte der Bank war Alfred Herrhausen, der am 30. November 1989 unter bis heute ungeklärten Umständen als Opfer eines Anschlags der geheimnisumwitterten „Dritten Generation“ der RAF starb, die möglicherweise – so die These von Autoren wie Gerhard Wisnewski und Wolfgang Landgraeber – ein reines Geheimdienstphänomen war.

Herrhausen hatte sich nachdrücklich, beispielsweise auf einer Tagung der Weltbank im Jahr 1987, für einen Schuldenerlass für die Länder der Dritten Welt eingesetzt. Der Niedergang begann, als die Deutsche Bank im Jahr 1989 drei Tage vor der Ermordung Herrhausens die Londoner Investmentbank Morgan Grenfell übernahm. Hier führte ab dem Jahr 1995 der US-Banker Edson Mitchell das Kommando und etablierte eine neue Kultur des aggressiven Investmentbanking, die nichts mit den Wurzeln der Deutschen Bank zu tun hatte.

Bald galt nicht nur Morgan Grenfell, sondern die ganze Deutsche Bank als Zockerbude. Die Verluste, die fast ausschließlich von den Investmentbankern in London und New York sowie den Auslandstöchtern der Bank eingefahren wurden, haben das Institut heute an den Rand des Abgrunds geführt.

Rettung wird immer schwieriger

Der Journalist Dirk Laabs bezeichnete die Deutsche Bank einmal als Unternehmen, das „mehr als 15 Jahre von Teilen ihrer Belegschaft systematisch ausgeplündert“ wurde. Tatsächlich haben die britischen und US-amerikanischen Investmentbanker der Deutschen Bank die riesige Bilanzsumme des Instituts häufig nur genutzt, um damit riskante Finanzwetten an den internationalen Märkten abzusichern. Tragischerweise gab es in der Frankfurter Zentrale über einen Zeitraum von Jahrzehnten hinweg nie eine Führungspersönlichkeit, die dem Wahnsinn ein Ende gesetzt und endlich den überfälligen Strategiewechsel eingeleitet hätte.

Nun hat die Bank ihr Schicksal nur noch teilweise in den eigenen Händen, da sie jederzeit übernommen werden könnte. Der Abstieg des Instituts ist jedenfalls ein weiteres Zeichen für den Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschland überhaupt.

 

 

 

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20 Kommentare

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    Die Commerzbank ist ja der 2 Pleiteladen und eine Übernahme macht es auch nicht besser! VOR der Kanzlerschaft Schröders standen alle deutschen Geldinstitute besser, solider, da. Schließlich hat Schröder erst die angloamerikanischen "Bankgeschäfte" in D. zugelassen! Banken leben davon, daß es eine Zinswirtschaft gibt und daß Gebühren für den Währungsumtausch genommen werden, so fingen sie als "Geldwechsler" auch an! Einheitswährungen nehmen ihnen diese Einnahme – in Europa macht sie die Einheitswährung Euro überflüssig und international wird alles in US-Dollar verrechnet und mit denen, die das ablehnen "dürfen" wir nicht – sonst gibts Sanktionen vom großen Bruder.
    Zinswirtschaft gibts auch nicht mehr; denn die ist auf Wachstum basiert und Wachstum heißt zuerst einmal Bevölkerungswachstum und das hält der Planet nicht mehr aus! (1Mrd. um 1900, ca. 7Mrd 1999) Stattdessen ist zunehmende Verarmung durch Ressourchenschwund angesagt! Banken werden aber zunehmend von der Politik zur Überwachung und Realisierung von Zwangsmaßnahmen (Bargeldabschaffung!) gegen das eigene Volk gebraucht und deshalb von der Politik auf Teufel komm raus "gerettet" – auch wenn ihre Existenzberechtigung längst dahin ist!

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    Rechtsstaat-Radar am

    Ja, ja, die Deutsche Bank. Sie ist die Bank der Katholiken und (war?) Beraterin des Vatikan in allen Finanzfragen. Im Unterschied zur Dresdner Bank (später in der Commerzbank aufgegangen) nahm die katholische Deutsche Bank von Anfang an auch das Geld der evangelischen Mehrheit der Deutschen. In Ihr aufsteigen, also "etwas werden" durften aber ausnahmslos nur Katholiken. Hermann-Josef Abs wollte seinerzeit unbedingt Herrn Dr. Alfred Herrhausen als Vorsitzenden des Vorstands seiner (katholischen) Deutschen Bank haben. Dafür sollte Herrhausen von der evangelischen zur katholischen Kirche konvertieren. Herrhausen weigerte sich zunächst, konnte aber nur deshalb Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank werden, weil er Katholik geworden ist.

    Die Dresdner Bank war die Bank der evangelischen Mehrheit der Deutschen. Nicht so clever wie die Deutsche Bank, nahm sie ausnahmslos evangelisches Geld und ließ dummer Weise auch Katholiken in sich aufsteigen. Deshalb blieb sie immer nur die Nr. 2 in Deutschland!

    Die evangelische Kirche war immer schon zu tolerant und schadete sich damit selbst sehr.

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    Jeder hasst die Antifa am

    Es geht rasant abwärts Deutschland inzwischen Dritter in der Wirtschaftentwicklung hinter England und Frankreich

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    DerGallier am

    Das geht den Bankern doch am Arsch vorbei.

    Letztendlich wird Mal wieder der Michel zur Kasse gebeten und wenn’s zu ’ner Steuererhöhung kommen muss.

    Wann haften endlich die Verursacher mit ihrem Privatvermögen?
    Aufgrund der politischen Nähe wahrscheinlich nie.

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      @ DERGALLIER

      Also Sie mit Ihren abartigen Phantasien.
      Von wegen Verursacherprinzip und
      Nähe zur herrschenden Politik usw.

      Politiker sind nur Marionetten der Verursacher.
      Also ist Ihre Vermutung wahrscheinlich richtig.
      Es läuft dem Denkenden die Galle über.

      Übrigens: Der Deutsche Michel zahlt gerne Steuern,
      wenn er denn glaubt, zuvor gut verdient zu haben.

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    Alfred Herrhausen wurde vom tiefen Staat ermordet damit die DB zur Zockerbude werden konnte.

    Geht die DB pleite muß Merkel alle Staats-Schulden auf einmal zurück zahlen.

    Wird nicht passieren.

    To big to fail, to big to jail.

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    Der Glass-Steagall Act (Banking Act of1933), zwang u.a. die Institute (Banken), sich entweder als Geschäftsbank für das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft sowie damit verbundene Dienstleistungen wie Kontoführung und Zahlungsverkehr (commercialbanking)
    oder
    als Investmentbank für das Wertpapiergeschäft zu entscheiden (investment banking).

    Hierdurch wurde im Gegensatz zum Universalbanksystem, das sowohl die
    Tätigkeitsbereiche von Geschäfts- als auch von Investmentbanken im selben Unternehmen
    umfasst, das Trennbanksystem für die USA verbindlich.
    Hauptziel des Glass-Steagall-Act war, insbesondere den sog. Eigenhandel der Geschäftsbanken zu unterbinden, also den Handel mit Finanzinstrumenten (Geld, Wertpapiere, Devisen, Sorten, Edelmetalle oder Derivate), der im eigenen Namen sowie für eigene Rechnung der Bank erfolgt und nicht unmittelbar durch ein
    Kundengeschäft ausgelöst wird.

    Hinter der Trennung in Investmenttätigkeit und traditionelle Banktätigkeit stand die Überzeugung, die durch die damaligen historischen Ereignisse der
    Finanzkrise bestätigt schien, dass Geschäftsbanken nicht den Risiken des Investmentgeschäfts ausgesetzt sein dürften, da sie für die Einlagen der breiten Öffentlichkeit verantwortlich seien und über sie ein wesentlicher Teil der Geldpolitik und –steuerung durchgesetzt werde.
    ==> gilt heute um so mehr
    Immer wieder wird diskutiert aber nicht gehandelt. Warum greift die AFD das Thema nicht auf??

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    Wie Walter Lübcke hatte auch Alfred Herrhausen sehr gute Kontakte zur CDU und wurde ebenfalls in Hessen ermordet. RAF 3.0 oder NSU 2.0, wer weiß das schon genau? Unter 3 Euro für die Bank scheinen Kaufkurse zu sein. Pecunia non olet. Das wusste auch Kurt Machens (CDU, Hessen). Doch Vorsicht: Es könnte der "Deutschen" auch bald so ergehen wie Google & Co.!
    [ Schneller als Android? Huawei meldet Marke «Ark OS» an ]

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      heidi heidegger am

      Feines Früchtchen, dieser Machens / Hildesheim:..Nach niedersächsischem Beamtenrecht konnte Machens im Amt bleiben, obwohl er als vorbestraft galt. Eine automatische Amtsenthebung droht einem Wahlbeamten in Niedersachsen erst ab einem Jahr Freiheitsstrafe. Einen Rücktritt schloss Machens bereits kurz nach der Urteilsbegründung aus: Die Bürger hätten vom Pecunia-Verfahren gewusst und ihn trotzdem gewählt.

      Noch ein Wort zu Herrhausen (Napolaschüler wie soo viele BRD-Entscheider):

      "Was ich heute noch dieser Erziehung zugute halte: Wir wurden zur Wahrhaftigkeit erzogen, wir wurden zur Lauterkeit erzogen, zu Rechtschaffenheit – und wir hatten ein Ideal."
      Theo Sommer (verurteilter SteuerStraftäter)

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    Rumpelstielz am

    Wenn die VSA die Deutsche Bank um Milliarden abziehen konnten – ohne dass dieses Marionettensystem Sanktionen gg die VSA ergreift. dann muss man sich nicht wundern wenn die zur BAD Bank wird. Das die VSA uns und die Welt 2008 um 50 BILLIONEN sprich —- 50 000 Millarden abgezogen hatten spielt auch keine Geige.
    Wer Geschäfte mit Amerika first macht ist selber schuld. luaA

    VSA Geschäfte müssen mit 500% Strafsteuern belegt werden – dann läuft mit den Raubrittern der Welt NIX mehr – und das wäre auch besser so – für UNS.

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    Irgendwehr am

    Klar muss die Deutsche Bank weg. Allein der Name ist ja sowas von Nazi. Jogi Löw würde das schnell umändern, in "Die Bank". Überhaupt, worüber will Die Bank denn noch die Hand drauf halten? Da ist die europäische Zentralbank, basta. Und ohne Bargeld…

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      Jeder hasst die Antifa am

      An dieser Gangstervereinigung ist kaum noch etwas Deutsch also kann das Deutsch an dieser Bank ruhig wegfallen.

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    Symbolisch für das Ganze. Und verdient,Chef der Bank war schon mal ein Inder.Von wegen "Deutsche" Bank

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      DerGallier am

      Und die Bankenaufsicht, die BaFin, was macht die im Falle der Deutschen Bank?
      Zusehen?

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    Lila Luxemburg am

    "Der Abstieg des Instituts ist jedenfalls ein weiteres Zeichen für den Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschland überhaupt."

    Dieser Schlußsatz des Artikels ist ein ’schönes‘ Beispiel für ein vollständig ENTARTETES (!!!) kollektives Identitätsbewußtsein: WIRTSCHAFTSSTANDORT … Deutschland. Muß man noch mehr sagen?

    Die frühere Bloggerin Judith hatte auf ihrem Blog ‚Deutschland kontrovers‘ (in den Nuller Jahren) bezüglich des … Dings, in dem wir ‚leben‘ (für mich persönlich ziehe ich die Bezeichnung ‚vegetieren‘ – aber hauptsache ‚vegan‘) – vor) einmal von einem ‚Multikultiwirtschaftsstandort‘ geschrieben.

    Eine Formulierung, die das Wesen dieses Gebildes – und seiner glücklichen Sklaven (das sind hauptsächlich die ehemaligen ‚Deutschen‘) – sozusagen bis ins Mark trifft. Aber es MUSS wohl so sein: Es MUSS einfach alles zusammenbrechen … bis ‚StaatsangeHÖRIGkeit Deutsch‘ vielleicht eventuell unter Umständen möglicherweise einmal bereit sein könnte die Prämissen seiner Seeligkeit IN FRAGE ZU STELLEN.

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      DerSchnitter_Maxx am

      Der Niedergang began als Alfred Herrhausen (nicht von der RAF) beseitigt wurde … 😉

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        Lila Luxemburg am

        Natürlich nicht von der RAF. Höchstens von der RAFFgierigen Armee Fraktion … 😥

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        Lila Luxemburg am

        Na ja, ‚ohne Ende‘ würde ich jetzt nicht sagen. Spätestens wenn ALLES im Eimer ist – und ‚Staatsangehörigkeit Deutsch‘ zum Lohn seiner Dummheit, Feigheit und identitären Interesselosigkeit sämtliche Schulden der VSA noch freiwillig aufgebuckelt hat … wird es vielleicht ein paar Leutchen geben, die den Mut zusammenkratzen können den Absprung vom ‚Goldenen Westen‘ (Alles so schön bunt hier …) nicht nur zu wollen, sondern auch zu tun. Dann könnte es zumindest FÜR DIE ein Ende haben. ‚Staatsangehörigkeit Deutsch‘ kann dann gerne für die nächsten zehntausend – oder vermutlich auch wesentlich mehr – Jahre die Schulden der Welt abtragen, die die Auserwählten gemacht haben … und dabei auch gerne weiterhin sein gutes schlechtes Gewissen pfleg… äh, GENIESSEN!! Aber bitte … ALLEINE!!!

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