Der ehemalige Vize-Oberbefehlshaber der NATO in Europa steht seit Jahren für eine kompromisslose Haltung gegenüber Russland. Am Persischen Golf hingegen sieht er Washington vor der Wahl zwischen einer massiven Landinvasion und einem politisch demütigenden Rückzug. Unsere neue COMPACT-Ausgabe ,,Gefahr für Deutschland. Was jetzt auf uns zukommt“ zeigt, wie Deutschland in den Irankrieg hineingezogen wird. Hier mehr erfahren.
General Sir Richard Shirreff beschreibt die Lage in Nahost als strategische Zwangssituation. In einem Interview am 18. März mit dem US-Radiosender WBUR (On Point) stellt er klar: „Der Präsident begann einen Krieg, ohne eine klare Vorstellung davon, wie er endet.“ Trump hätte „eine Kette von Ereignissen in Gang gesetzt, die uns sehr lange begleiten werden“, warnt Shirreff. Und weiter:
„Man gewinnt keinen Krieg [allein] durch Bombardierungen.“
Wenn Washington einen militärischen Sieg anstrebt, führe dies zwangsläufig zu einem Einsatz von Bodentruppen. Zugleich würde ein Rückzug die eigene Machtprojektion offen infrage stellen.
Vom Irak in die NATO-Führung
Shirreff verbrachte mehr als drei Jahrzehnte in der britischen Armee und führte 2006/07 als Generalmajor die multinationale Division im Südosten des Irak, mit Schwerpunkt auf der Region um Basra. Dort verantwortete er eine Provinz mit über einer Million Einwohnern, geprägt von Milizen, Anschlägen und wachsender Instabilität.
Die Lage vor Ort beschrieb er später offen: Für eine Millionenstadt standen oft nur rund 200 Soldaten gleichzeitig auf Patrouille, während Milizen Einfluss gewannen. Bewegungen durch die Stadt entwickelten sich regelmäßig zu Gefechten.

Mit „Operation Sinbad“ versuchte er, gezielt gegen schiitische Milizen vorzugehen und staatliche Strukturen zu stabilisieren. Der Einsatz brachte nur kurzfristige Effekte. „Die Schwere der Lage wurde in London nicht erkannt“, erinnert er sich später.
Nach seinem Ausscheiden aus der NATO rückte Russland in den Mittelpunkt seiner Analysen. In seinem 2017 erschienenen Buch War with Russia (Krieg mit Russland) formulierte er seine Warnung klar: „Die Gefahr eines Krieges mit Russland ist real.“ Die NATO erscheine „gefährlich unvorbereitet“. Abschreckung folge einer einfachen Logik:
„Wenn wir nicht bereit sind zu kämpfen, verlieren wir.“
Zurückhaltung wirke als falsches Signal. „Putin wird nur gestoppt, wenn er überzeugt ist, dass der Westen entschlossen ist“, poltert er.
Mit dem Krieg in der Ukraine sah Shirreff diese Einschätzungen bestätigt. „Dieser Krieg wird nicht schnell enden“, sagt er. Russland führe einen bewusst langen Konflikt. „Das ist ein Krieg, der über Jahre gehen kann.“ Auch für politische Lösungen findet er klare Worte:
„Ein eingefrorener Konflikt ist keine Lösung – er ist nur eine Pause.“
Vor diesem militärischen und strategischen Hintergrund erhält seine Einschätzung besonderes Gewicht. In einem Konflikt auf US-Linie, im anderen unter den ranghöchsten Kritikern von Trumps Kurs.
Iran mit Erfolgen
Öffentlich tritt Donald Trump mit klarer Siegesrhetorik auf. In den Tagen nach Beginn der Angriffe erklärte er vor Journalisten in Washington, der Iran sei „so ziemlich am Ende der Fahnenstange“. Mitte März sagte er in einem Interview mit Axios, es gebe „praktisch nichts mehr, was man angreifen könnte“. Große Teile der Infrastruktur seien zerstört, zahlreiche militärische Ziele ausgeschaltet.
Die Lage vor Ort zeichnet ein anderes Bild. Trotz gezielter Schläge gegen die Führung und erheblicher Verluste sehen amerikanische Geheimdienste bislang weder einen Zusammenbruch des Staates noch Bewegung bei zentralen Fragen wie der Urananreicherung oder dem Raketenprogramm. Einschätzungen aus der Zeit vor Beginn der Angriffe bestätigen diese Linie: Selbst massive Militärschläge würden die Machtstrukturen der Islamischen Republik kaum erschüttern.
Gleichzeitig wächst der Druck an anderer Stelle. In Washington mehren sich die Sorgen über schwindende Bestände an Luftverteidigungsraketen, während mehrere US-Stützpunkte im Nahen Osten unter Beschuss geraten sind. Für die Sicherung der Handelsroute durch die Straße von Hormus sucht Washington internationale Unterstützung, während China parallel eigene Absprachen mit Teheran prüft.
Auch wirtschaftlich geraten die Folgen zunehmend außer Kontrolle. Energiepreise steigen, Lieferketten geraten unter Druck, die Unsicherheit auf den Märkten nimmt zu. In den Golfstaaten wächst zugleich die Skepsis. Dort, wo ein erheblicher Teil des Wohlstands in westlichen Finanzsystemen, Immobilien und Beteiligungen gebunden ist, treffen die Verwerfungen direkt auf politische Interessen. Die Region, lange Stabilitätsanker der globalen Energieversorgung, wird selbst zum Risikofaktor.
Ein am 22. März gesetztes 48-Stunden-Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus relativierte Trump wenig später selbst.
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