Der Blick der US-Außenpolitik hat sich in der Vergangenheit schön häufiger auf Grönland ausgerichtet. Die russische Nachrichtenagentur Tass hat das beleuchtet. Wir dokumentieren diese Analyse. Sichern Sie sich jetzt die COMPACT-Druschba-Silbermedaille noch zum alten Preis. Hier mehr erfahren.
Die russische Nachrichtenagentur Tass hat in einem Artikel frühere Versuche der USA behandelt, Grönland unter Kontrolle zu bekommen und sie mit den heutigen Ambitionen von Trump verglichen. Da es immer interessant ist, die Vorgeschichte eines Konfliktes zu kennen, nachfolgend eine Übersetzung (Übersetzung: Thomas Röper).
Schon 1910…
Die USA verhandeln seit über einem Jahrhundert über den Erwerb Grönlands. Amerikanische Politiker haben wiederholt versucht, die Insel von Dänemark zu kaufen, was jedoch abgelehnt wurde. Nun wächst in der Region die Angst vor einer gewaltsamen Annexion. Wie Washington erfolglos versuchte, die Insel zu erwerben, und ob sie nun den USA gehören könnte, schaut sich die Tass an.
Die US-Ansprüche auf Grönland haben eine lange und reiche Geschichte. US-Präsident Donald Trump betont die Bedeutung der Annexion der Insel heute aus der Perspektive der nationalen Sicherheit, doch die Idee, diese Gebiete zu erwerben, ist für die USA nicht neu.
Washington begann, diese Pläne zu verfolgen, nachdem es 1867 Alaska von Russland erworben hatte. Das Thema wurde auch 1910 während der Gespräche über ein trilaterales Abkommen zum Austausch von Gebieten zwischen den USA, Dänemark und Deutschland angesprochen, doch die USA erzielten erst im August 1916 unter der Regierung von Woodrow Wilson konkrete Ergebnisse. Die USA schlossen damals ein Abkommen mit Dänemark über den Erwerb seiner amerikanischen Kolonie, der Dänischen Westindischen Inseln (heute amerikanische Jungferninseln).
Doch die Einigung gestaltete sich schwierig. Als Wilson darauf bestand, Grönland in das Abkommen einzubeziehen, lehnte die dänische Regierung ab und forderte die Anerkennung der dänischen Souveränität über die Insel. Das Abkommen wurde im März 1917 unterzeichnet.
Eine Ablehnung nach der anderen
1934 griffen die USA das Thema Grönland erneut auf. Wie die Tass damals unter Berufung auf dänische Presseberichte berichtete, führte Washington zu diesem Zeitpunkt entsprechende Verhandlungen mit Kopenhagen. Medien hoben den langen Besuch des amerikanischen Botschafters auf der Insel sowie die häufige Präsenz amerikanischer Flugzeuge im Luftraum über dem Gebiet hervor.
Wie schon 1916 dementierte die dänische Regierung jegliche Gespräche mit den USA. Als das Abkommen von 1917 öffentlich wurde, erklärte Kopenhagen, die Offenlegung dieser Informationen widerspreche den Staatsinteressen.
Jedoch kam der Kauf Grönlands im Jahr 1934 trotz der Gespräche nicht zustande. Nikita Lipunow, Arktisexperte und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Internationale Studien der Moskauer Staatlichen Universität, führt dies einerseits auf Dänemarks harte Haltung und andererseits auf die damalige Wirtschaftskrise in den USA sowie die zahlreichen innenpolitischen Probleme des Landes zurück.
„Schließlich war das die Zeit der Großen Depression. Grönland hatte keine hohe Priorität, es schien den USA damals offensichtlich nicht lebenswichtig zu sein“, erklärte der Experte gegenüber der Tass.

Wie der Experte weiter anmerkte, verfolgt Dänemark seit dem 19. Jahrhundert außerdem konsequent eine eher harte Linie und ist trotz der – bis vor Kurzem – guten Beziehungen zwischen Washington und Kopenhagen nicht bereit, Grönland an die USA abzutreten.
Die USA unternahmen dennoch weitere Versuche, das Land zu erwerben. Ihr nächstes Gebot von 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet 1,7 Milliarden US-Dollar nach heutigem Wechselkurs) im Jahr 1946 wurde jedoch abgelehnt. In einem 1991 freigegebenen Dokument hieß es, die Insel sei „praktisch nutzlos für Dänemark“, während ihre Kontrolle „für die Sicherheit der USA von entscheidender Bedeutung“ sei.
Ist jetzt alles anders?
Grönlands Bedeutung für die USA ist heute deutlich größer als im 20. Jahrhundert. Das liegt unter anderem an der stark gestiegenen Bedeutung des Nordens und der Arktis in der Weltpolitik. Während die Insel die USA früher vor allem aus geografischer Sicht interessierte, gewinnen nun weltwirtschaftliche Faktoren an Bedeutung.
„Grönlands strategische Position hat sich gestärkt, da der Klimawandel in der Arktis neue Transport- und Logistikrouten eröffnet, von denen einige an der Insel vorbeiführen. Die Bedeutung des Nordatlantiks hat zugenommen, vor allem durch die Gründung der NATO und die Stärkung der transatlantischen Beziehungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, bemerkte Nikita Lipunow.
Darüber hinaus spielt laut Lipunow der Rohstofffaktor eine besondere Rolle. Trump ist daran interessiert, uneingeschränkten Zugang zu den Ölreserven und Seltenen Erden der Insel zu erhalten. Das sei im letzten Jahrhundert weniger relevant gewesen, so der Experte.
Außerdem haben die USA und Dänemark heute völlig andere bilaterale Beziehungen als in den 1930er Jahren, da sie NATO-Verbündete sind.
Was das Volk denkt
Alle früheren Versuche der USA, Grönland zu erwerben, wurden – im Gegensatz zu jetzt – geheim gehalten. Früher bevorzugten die USA, solche Angelegenheiten über politische und diplomatische Kanäle zu besprechen, doch Trump möchte den Prozess so öffentlich wie möglich gestalten.
„Er neigt generell zu spektakulären Erklärungen, setzt unrealistische Verhandlungspositionen, um dann politische Verhandlungen zu führen“, sagte Nikita Lipunow.
Die Auswirkungen der Erklärungen des Republikaners auf sein politisches Ansehen sind jedoch durchaus fraglich.
„Sowohl damals als auch heute kamen Fragen nach der Sinnhaftigkeit von all dem auf. Sowohl die amerikanische Wählerschaft als auch ein bedeutender Teil der US-amerikanischen politischen Klasse betrachteten die Aussicht auf einen Kauf Grönlands mit erheblicher Skepsis. Sie hielten es für eine Verschwendung von Ressourcen und glaubten nicht, dass der Besitz Grönlands wirkliche Vorteile bringen würde“, sagte der Amerikanist Malek Dudakow gegenüber der Tass.
Der Experte merkte an, dass die überwiegende Mehrheit der Amerikaner laut Meinungsumfragen in den USA den Sinn eines Erwerbs von Grönland ebenfalls nicht versteht.
„Das heißt, es bringt ihm innenpolitisch keinerlei Vorteile, auch wenn er versucht, die Idee als Rückkehr zu einem goldenen Zeitalter und dem früheren Ruhm der USA zu verkaufen. Besonders im Jahr des 250-jährigen Jubiläums der USA. Und natürlich nutzt er es vor den Kongresswahlen, die in etwa zehn Monaten stattfinden werden, als Wahlkampfstrategie“, so Dudakow.
Außerdem ist die eher negative Haltung der grönländischen Bevölkerung wichtig: Rund 80 Prozent der Inselbewohner halten einen Beitritt zu den USA für unnötig.
Ist ein militärisches Szenario realistisch?
„Derzeit werden Optionen für den Einsatz von Waffengewalt zur Erlangung der Kontrolle über Grönland erarbeitet. Grönland verfügt über keine eigenen Streitkräfte und die dänische Militärpräsenz auf der Insel ist sehr begrenzt und eindeutig unzureichend, um den USA entgegenzutreten. Tatsächlich sind Washingtons Absichten derzeit recht ernst. Es ist schwer vorherzusagen, wie sich die Situation weiterentwickeln wird, aber Trump wird definitiv versuchen, sowohl die militärische als auch die wirtschaftliche Präsenz der USA zu stärken“, sagt Nikita Lipunow.
Die amerikanische Regierung könnte wirtschaftlichen Einfluss ausüben, indem sie Grönland umfangreiche amerikanische Investitionen verspricht, oder sie könnte den derzeit diskutierten Vorschlag umsetzen, jedem Grönländer 100.000 US-Dollar zu zahlen, um sie zu ermutigen, sich den Befürwortern eines Übergangs unter US-Kontrolle anzuschließen, sagt Malek Dudakow.
Was die militärische Präsenz der USA auf der Insel betrifft, so ist diese bereits recht stark. Wie Nikita Lipunow betonte, sind die USA laut dem amerikanisch-dänischen Abkommen seit 1951 de facto für die Verteidigung der Insel verantwortlich, auf der sie einen militärischen Militärstützpunkt unterhalten.
„Idealerweise wird Trump natürlich die Annexion Grönlands durch die USA anstreben. Die aktuelle Situation übertrifft frühere amerikanische Versuche in ihrer Intensität deutlich“, so der Experte.
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