In den eigenen Reihen sorgen Umfragen für Panik. Neue Erhebungen zeigen Donald Trump weiterhin klar im Minus, teils auf neuen Tiefständen. Die Zwischenwahlen werfen ihre Schatten voraus. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zeigt, warum jetzt viele mit dem US-Präsidenten hadern. Hier mehr erfahren. 

    Mehrere aktuelle Umfragen bestätigen den Trend: In zentralen Politikfeldern verlieren US-Präsident Donald Trump und seine Republikaner an Rückhalt, krachende Niederlagen bei den Midterms (Zwischenwahlen) im November werden immer wahrscheinlicher. Besonders der Irankrieg und steigende Verbraucherpreise drücken auf die Stimmung der Wähler.

    Die Zwischenwahlen in den USA gelten als politischer Stresstest für jede Regierung. Alle zwei Jahre wird das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt, dazu ein Drittel des Senats. Die Urnengänge, die immer zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl abgehalten werden, gelten daher als Midterms (Halbzeit). Sie entscheiden darüber, ob ein Präsident weiter durchregieren kann, oder ob ihm im Kongress eine Blockade droht.

    Wie angespannt die Lage im eigenen Lager ist, zeigt eine Warnung des konservativen Moderators Jesse Kelly (The Jesse Kelly Show). Mit Blick auf aktuelle Umfragen schrieb er auf X:

    „Wenn diese Zahlen Bestand haben, werden wir bei den Zwischenwahlen massakriert. Das ist die Realität.“

    Auch Wahlkampfberater aus der Partei erklärten gegenüber Axios, laut internen Umfragen (von den Republikanern selbst landesweit durchgeführt) im letzten Jahr, habe sich die Situation deutlich verschlechtert: „Vor einem Jahr hätte ich gesagt, ein Sieg im Senat ist nahezu sicher“, sagte einer der Strategen. „Heute würde ich sagen, es ist deutlich weniger sicher.“ Selbst traditionell rote, also republikanische Bundesstaaten wie Alaska, Iowa, Georgia oder Ohio gelten demnach als deutlich umkämpfter als erwartet.

    Irankrieg als Umfrage-Killer

    Doch wie sehen die Zahlen aus? Die jüngste Umfrage von YouGov im Auftrag von CBS News, durchgeführt zwischen dem 17. und 20. März unter 3.335 Erwachsenen, zeigt ein deutliches Ergebnis: Nur 40 Prozent bewerten die Arbeit von Donald Trump positiv, während 60 Prozent Kritik äußern. Daraus ergibt sich ein klar negativer Saldo.

    Neue Daten deuten auf eine weitere Verschiebung nach unten hin. In einer aktuellen Erhebung von Ipsos für Reuters fällt Trumps Zustimmungswert auf nur noch 36 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Stand seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus. Zugleich verschlechtern sich seine Werte in zentralen Politikfeldern weiter. In der Wirtschaft sinkt die Zustimmung auf 29 Prozent, nachdem sie zuvor noch bei rund 40 Prozent lag.

    Ein entscheidender Faktor hinter dieser Entwicklung ist der Irankrieg. Die Ablehnung militärischer Maßnahmen ist in der Bevölkerung deutlich. In aktuellen Umfragen spricht sich nur eine Minderheit für den Einsatz aus, während eine klare Mehrheit ihn ablehnt.

    Auch im historischen Vergleich fällt das auf: Zu Beginn des Irakkriegs 2003 unterstützten laut Gallup noch rund 72 Prozent der Amerikaner den Einsatz, beim Vietnamkrieg lag die Zustimmung in den frühen Jahren ebenfalls deutlich über 60 Prozent. Im Iran sieht das anders aus: Statt eines anfänglichen Rückhalts trifft er von Beginn an auf Ablehnung.

    Auch die Auswertungen des Datenanalysten Nate Silver bestätigen diese Entwicklung. Silver spricht auf X von einem „Nettotiefstand“. In mehreren Feldern verschlechtern sich die Werte weiter. Bei der Inflation weitet sich der negative Saldo zuletzt von minus 26 auf minus 32 Punkte aus, während auch die wirtschaftliche Bewertung weiter ins Minus rutscht.

    Der Durchschnitt der Umfragen von RealClearPolitics bewegt sich weiterhin im Bereich von etwa minus 14 bis minus 16 Punkten. Ein abrupter Absturz zeigt sich darin nicht, wohl aber eine anhaltende Schwäche mit punktuellen Verschärfungen.

    Erste Wahlklatsche

    Wie ernst die Entwicklung im konservativen Umfeld genommen wird, zeigen mehrere Stimmen. Der politische Kommentator Tucker Carlson warnte in einer aktuellen Sendung vor den Folgen des Kurses: Die Kombination aus Krieg und wirtschaftlichem Druck könne „für die Republikaner sehr schnell gefährlich werden“, wenn sich die Stimmung nicht drehe.

    Auch der republikanische Stratege und Wahlkampfhelfer Karl Rove sieht Risiken. Schwache wirtschaftliche Zustimmungswerte hätten traditionell direkte Auswirkungen auf Wahlergebnisse – ein Muster, das sich erneut abzeichnen könnte.

    Die Entwicklung spiegelt sich zunehmend auch in konkreten Wahlergebnissen wider. In Texas verloren die Republikaner zuletzt einen lange als sicher geltenden Wahlkreis im Raum Fort Worth, ein Gebiet, das sie über drei Jahrzehnte gehalten hatten. Der republikanische Abgeordnete Don Bacon wertete das Ergebnis als klares Signal: „Es sollte eine Warnung sein, und ich denke, wir müssen reagieren“, sagte er gegenüber CNN.

    Trump gibt den Lässigen

    Der Präsident selbst begegnet den Zahlen mit demonstrativer Gelassenheit. In einem Gespräch mit der New York Post erklärte Donald Trump Anfang März:

    „Ich denke, dass die Umfragen sehr gut sind, aber ich kümmere mich nicht um Umfragen. Ich muss das Richtige tun.“

    Es ist eine Haltung, die in Washington inzwischen vertraut wirkt. Während sich die Zahlen verschlechtern, bleibt der Ton unverändert. Entscheidungen sollen in dieser Lesart weniger als Reaktion auf Stimmungen, sondern als Ausdruck eines festen Kurses erscheinen.

    Sprecher Davis Ingle verweist auf den Wahlsieg von 2024 und betont die „anhaltende Stärke des Präsidenten“. Die Legitimation liege im Votum der Wähler, nicht in den täglichen Ausschlägen der Umfragen.

    2028: Vance gegen Rubio/Hegseth?

    Der Konflikt wirkt längst über die aktuellen Umfragen hinaus. Innerhalb der Republikanischen Partei zeichnet sich eine neue Frontlinie ab, und verläuft mitten durch die Führung. Vizepräsident J. D. Vance hält sich im Irankrieg auffallend zurück. Er probiert die ursprünglich interventionkritische Linie der MAGA-Bewegung zu bewahren und politischen Schaden zu begrenzen, sich selbst eine Chance auf das Oval Office 2028 zu wahren.

    Im Wahlkampf 2024 noch ein eingespieltes Team: Donald Trump und sein „Running Mate“ J.D. Vance in Atlanta, Georgia. Foto: Phil Mistry | Shutterstock.com

    Ganz anders treten Außenminister Marco Rubio und Kriegsminister Pete Hegseth auf. Rubio nutzt den Konflikt, um außenpolitische Führungsstärke zu demonstrieren, Hegseth setzt auf maximale Härte und prägt den Ton der militärischen Antwort. Beide dürften bei der kommenden Präsidentschaftswahl auch die Unterstützung größerer Lobbygruppen sicher haben.

    Der politische Kommentator Nick Fuentes beschrieb die Situation von Vance letzte Woche in seiner Sendung America First als äußerst schwierig:

    „Vance hat eine Problem. Ein großes Problem, Leute. Er merkt das der Krieg und Epstein und alles nicht gut ankommt. Vance weiß das sie verlieren werden, wenn es so weitergeht. Auf der anderen Seite braucht er die Unterstützung von Trump in der Partei und bei den Wählern um ihr Kandidat [für 2028] zu werden. Ohne den wird es nicht gehen.“

    Sein Fazit: „Die Unterstützung von Trump bringt aber auch nichts, wenn er die Wahl 2028 dann verliert.“

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