Die US-Regierung hat Europa in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie scharf kritisiert. In dem Papier heißt es unter anderem, die EU untergrabe die politische Freiheit, unterdrücke die Opposition und verliere ihre nationalen Identitäten. Nachfolgend ein Überblick über aufgeregte Medien-Reaktionen aus dem In- und Ausland. Sichern Sie sich unser Spezialheft „Trump“ und erfahren Sie, wie der US-Präsident wirklich tickt. Hier mehr erfahren.
Wir erleben die bundesdeutscher Journaille in heller Aufregung. Die neue US-Sicherheitsstrategie schreckt die schreibende Meute auf. So blickt die Stuttgarter Zeitung ganz entsetzt auf ein „transatlantisches Scheidungsdokument“. Die 33 Seiten zeigten ein zerrüttetes Verhältnis, besonders deutlich werde das am Umgang mit der Ukraine, zittert das Blatt und schreibt:
„Den Amerikanern geht es nicht mehr darum, Freiheit und Demokratie gemeinsam gegen einen brutalen Aggressor zu verteidigen, sondern um ‚strategische Stabilität mit Russland‘.“
Noch deutlicher formuliert es die linke Taz: Für Trump und seine engsten Vertrauten – Elon Musk, J.D. Vance, Pete Hegseth – sei Europa inzwischen „Feind Nummer 1 – wirtschaftlich, militärisch, kulturell“. Diesen Feind gelte es „mit allen Mitteln der Macht“ zu zerstören; die neue Strategie lieferte dafür nun den schriftlichen Beweis. Wahrscheinlich ist den Schreiberlingen der amerikanische Kriegskurs nicht geifernd genug…
Gag des Tages: Führungsrolle Deutschland
Das Handelsblatt richtet den Blick nach vorn und fragt: Wer schützt Europa künftig? Frankreich und Großbritannien seien chronisch unterfinanziert, also falle Deutschland zwangsläufig die Führungsrolle zu, träumt man dort. Eine gut ausgestattete Bundeswehr könne perspektivisch die konventionellen Lücken schließen, die Washington hinterlasse.
Der Reutlinger General-Anzeiger jammert: Dass ausgerechnet Donald Trump Europa Verlust von Demokratie und Meinungsfreiheit vorwerfe und gleichzeitig ankündige, „patriotische Parteien“ stärken zu wollen, sei „eine feindselige Übergriffigkeit in die inneren Belange unseres Kontinents“. Dem müsse sich die EU entschieden entgegenstellen. Das hat es heute sogar als „Zitat es Tages“ auf unserer Online-Seite gebracht.
Einen ähnlichen Ton schlägt die Süddeutsche Zeitung an. Das Regierungsblatt warnt davor, dass das Weiße Haus Europas Zukunft offenbar in „rechtspopulistischen Kräften“ wie der AfD sehe. Europa dürfe weder Attacken auf seine Demokratien dulden noch sich von der EU abwenden – das würde nur Washington und Moskau in die Hände spielen, gibt man sich entschlossen.
Die Neue Osnabrücker Zeitung will sogar den Versuch erkennen, die EU zu zerstören: Trump wolle die Mitgliedstaaten gezielt gegeneinander ausspielen. Gelinge es Friedrich Merz, die Europäer vor dieser Falle zu bewahren, wäre das eine „unschätzbar wertvolle Leistung“, gibt sich die NOZ ganz und gar kanzerlverliebt.
Und das Ausland?
Aus dem Ausland kommen ähnliche Stimmen, wenn auch zuweilen deutlich gemäßigter. Die spanische Tageszeitung El Mundo spricht von einem „historischen Wendepunkt“: Washington habe klargemacht, dass Europa militärisch nicht länger von den USA abhängig sein könne – und werde künftig nationalistische „patriotische Parteien“ unterstützen, um den Kontinent auf den „richtigen Kurs“ zu bringen.
Die portugiesische Público sieht einen Abschied von demokratischen Werten insgesamt. Die slowakische christlich-konservative Tageszeitung Dennik Postoj kritisiert die „eklatante Einmischung in die Souveränität europäischer Staaten“ – eine Einmischung, wie sie sich bisher keine US-Regierung erlaubt habe. Europa habe jedoch derzeit kaum Möglichkeit zur Zurückweisung und müsse den Sicherheitsgaranten vorübergehend „beschwichtigen“.
Der Schweizer Tages-Anzeiger rät zu einer doppelten Strategie: Kurzfristig Provokationen erdulden, Schmeicheleien und höhere Verteidigungsausgaben anbieten – langfristig aber Werten treu bleiben und Einmischungen klar zurückweisen.
Kritik an Russland wird vermisst…
Die britische Sunday Times mahnt zur Unabhängigkeit: Je mehr Europa sich Trump unterwerfe, desto rücksichtsloser sei er in seiner Macht. Die einzig vernünftige Konsequenz sei, endlich auf eigenen Beinen zu stehen – sonst drohe gnadenlose Erpressung nicht nur durch Trump, sondern auch durch Putin und Xi.
Das schwedische Svenska Dagbladet schließlich wundert sich nicht: Schon seit der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar sei dieser Kurs absehbar gewesen. Auffällig sei vor allem, dass Russland im Papier weder kritisiert noch als Bedrohung dargestellt werde – was der Kreml mit einem zufriedenen Nicken quittiert habe.
Für die Ukraine zieht der Kiewer Politologe Wiktor Schlintschak auf Facebook bittere Schlüsse: Washington wolle „Vorhersehbarkeit“ an der europäischen Front, keinen endlosen Konflikt und schon gar keine Schwächung im Wettbewerb mit China. Der Fokus liege künftig auf Abschreckung Russlands, nicht auf einer Rückkehr zu den Grenzen von 1991.
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