Die Genderfraktion will Geschlechterrollen zwar dekonstruieren, aber fürchtet zugleich das männliche Begehren. Ein Berliner Asta will deshalb ein Gedicht zensieren, an der Uni-Bielfeld gibt es Masturbationsseminare nur für Frauen und die Universität von Austin (Texas) rät männlichen Studenten, sich aus traditionellen Rollenbildern zu “befreien”.

    Neulinke Studenten versuchen alle Bereiche der Universität mit die Gender-Diskursen zu infizieren: Die Genderung der Sprache wurde bei einem großen Teil der Dozenten schon durchgesetzt, auch das Genderklo oder die Unisex-Toilette hat in manchem Lehrgebäude bereits Einzug gehalten. Aber bei aller „Dekonstruktion“ angeblicher Geschlechterklischees bleibt die Ablehnung des Männlichen erhalten…

    Da ist die Alice Salomon-Hochschule in Berlin-Hellersdorf. Deren Asta will nach dem Vorbild der ’33er Bücherverbrennung ein Gedicht von der Hauswand des Gebäudes entfernen. Das stammt von Eugen Gomringer, einem Begründer der konkreten Poesie. Weil die letzte Zeile “Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer” aufzählt, unterstellt man ihm potentiellen Sexismus: Frauen würden von einem geilen Mann (mit Alleen und Blumen) auf die Objekt-Ebene gestellt, ergo reduziert. Fazit:  Weg mit diesem Spanner-Poem.

    Gesellschaft macht geschlecht

    Jetzt bietet der Asta an der Universität Bielefeld ein Masturbationsseminar nur für Frauen an. Eine Sprecherin vom Ring Christlich-Demokratischer StudentInnen fürchtet zwar, dass man die Universität wegen solcher Veranstaltungen nicht mehr ernst nehme, den Asta jedoch stören solche Einwände nicht.

    Aber selbst jene Studierenden, die solche „Therapieworkshops“ für Uni-Kompatibel halten, müssten sich doch fragen: Wieso dürfen nur Frauen daran teilnehmen? Wo bleibt da die Dekonstruktion der Geschlechterklischees? Plötzlich kommt es doch auf den Körper an! Wenn du einen Männer-Körper hast, musst du draußen bleiben, auch wenn du dich als Frau fühlst… Wie bei dem Gomringer-Gdicht gilt: Wenn die Angst vor der männlichen Sexualität hochkommt, werden Männer doch wieder ins traditionelle Rollenbild gesperrt. Auch von Gender-Freaks.

    MasculinUT-Plakat
    MasculinUT-Plakat

    Dennoch tut die Universität von Austin (Texas) so, als könne sich der Mann vom Männlichsein befreien. Das universitätsinterne Council of Mental Health Center rät deshalb den studentischen Phallusträgern, ihr tradiertes Selbstverständnis gegen ein „gesünderes“ einzutauschen. Und diese „gesündere“ Form ist ganz klar als Feminisierung verstanden. Die begleitende Plakat-Kampagne “Expanding MasculinUT” zeigt einen grinsenden Typen, der verkündet, sich nicht über “Männlichkeit” zu definieren. Stattdessen lebe er durch das Auftragen von Angellack und Make-up seine Weiblichkeit voll aus.

    Ein weiterer Plakat-Boy freut sich, endlich ein Kleid tragen zu können. Der nächste schwärmt, sich Blumen in den Bart zu flechten. Außerdem präsentiert die Council of Mental Health Center-Website eine “Men Box”. Die zeigt alle Zuschreibungen, in denen Männer gefangen sind:

    men are
    © Kivel

    Natürlich wird das nicht als Abschaffung des Mannes verkauft. Die Formulierung bezeichnet es stattdesen als Befreiung: Männlichkeit sei mehr als die vom raditionellen Rollenbild behauptete Form. Auch hier gebe es reichlich “Diversity” (Vielfalt).

    Dass jemand, der diese männliche Vielfalt in sich “zulässt”, bei Frauen kaum mehr landen dürfte, wird der „Therapierte“ erst (zu) spät erfahren. Die “Befreiung” von traditionellen Rollen ist in Wahrheit schlecht getarnte Kastration. Vor allem dürfte sie dem “Therapierten” nichts nutzen. Sobald er beispielsweise ein Gedicht über die Schönheit der Frauen schreibt, wird irgendein gegenderter Asta wieder Panik schieben und noch krassere Buß-, Umerziehungs- und Therpiemaßnahmen austüffteln. Und in den Masturbationsworkshop kommt “er” ohnehin nie.

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