US-Talk-Legende Tucker Carlson sagt in seinem aktuellen Video: Der Iran-Krieg ist nicht der Krieg der USA, sondern Netanjahus. Amerika sei hineingezogen worden und werde am Ende einer der drei großen Verlierer sein. Die beiden anderen: die Golfstaaten und Westeuropa! Lesen Sie exklusiv bei uns die deutsche Übersetzung – heute Teil 1. Mit COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ liefern wir die Hintergründe. Hier mehr erfahren.
_ O-Ton Tucker Carlson
Wann immer etwas Großes passiert, insbesondere etwas wirklich Großes wie ein Krieg, der die Weltgeschichte verändern wird, sind die ersten vier Fragen, die man stellen muss, diese: Erstens: Warum ist das passiert? Zweitens: Welchen Sinn hat es? Drittens: Wie geht es von hier aus weiter. Und viertens: Wie reagieren wir darauf?
Bewerten wir also den Krieg im Iran und versuchen wir, diese vier Fragen zu beantworten. Erstens: Warum ist das passiert? In diesem Fall gibt es eine wirklich einfache Antwort: Das ist passiert, weil Israel wollte, dass es passiert. Das ist Israels Krieg; es ist nicht der Krieg der Vereinigten Staaten. Dieser Krieg wird nicht im Namen amerikanischer nationaler Sicherheitsziele geführt, um die USA sicherer oder wohlhabender zu machen. Bei diesem Krieg geht es eigentlich nicht einmal um Massenvernichtungswaffen, Atomwaffen, chemische oder biologische Waffen. Nein, dieser Krieg wird allein deshalb geführt, weil Israel wollte, dass er geführt wird.
Warum sollte man das so früh in diesem Konflikt laut aussprechen? Ist das nicht entmutigend für, sagen wir, amerikanische Truppen, die diesen Krieg führen? Ja, das ist es, und wir haben viel darüber nachgedacht, ob es klug oder anständig ist, so etwas laut zu sagen. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es aus folgendem Grund richtig ist: Erstens, weil die Wahrheit immer die einzige Grundlage für kluge Entscheidungen ist. Wenn man sich selbst oder sein Volk belügt, ist das nicht nur eine Art moralisches Vergehen, sondern man schadet sich auch selbst.
Wahrheit und Lüge
Hybris ist das Produkt von Lügen. Wenn man nicht ehrlich zu sich selbst und zu den Menschen um einen herum ist mit Blick auf das, was geschieht und warum es geschieht, überschätzt man sich schnell gewaltig. Und langfristig gilt das ebenfalls. Mit anderen Worten: Es ist wichtig zu sagen, warum dieser Krieg stattfindet, weil es die Menschen in 50 Jahren vielleicht nicht mehr wissen. Ihre Enkelkinder lernen möglicherweise, dass dieser Krieg begann, weil der Ayatollah in Miami auftauchte und in einem Einkaufszentrum mit einem Maschinengewehr auf Menschen schoss und wir deshalb reagierten – es habe so etwas wie ein iranisches Pearl Harbor gegeben. Man weiß nicht, was in Zukunft über die Gegenwart geglaubt wird. Man weiß nicht, wie Geschichte geschrieben wird.
Und wenn Sie skeptisch sind, wenn Sie sich fragen, wie Historiker, wie die zukünftige Gesellschaft etwas so Großes so missverstehen könnte – wie Menschen über etwas so Offensichtliches, so Gewaltiges lügen könnten –, dann werfen Sie einen Blick zurück in die Geschichte. Viele der großen Ereignisse, von denen wir glauben, sie zu verstehen, einschließlich vergangener Kriege und auch solcher aus nicht allzu ferner Vergangenheit, sind in unserer Erinnerung völlig verzerrt. Mit anderen Worten: So ist es in Wirklichkeit gar nicht passiert.
Und die Wahrheit ist: Wenn genug Menschen lange genug und laut genug über etwas lügen und dabei jeden bedrohen, der sich weigert, mitzlügen, dann werden ihre Lügen mit der Zeit zur allgemeinen Lehrmeinung; alle glauben sie. Eine Lüge immer und immer wieder zu wiederholen – das ist fast wie ein Zauberspruch oder eine Beschwörung, beinahe eine Form von Hexerei. Es erschafft eine Realität oder eine Version der Realität, eine Ersatzrealität, eine falsche Realität, aber dennoch eine Realität. Und wenn man sich überhaupt für Geschichte interessiert, die tausende von Jahren zurückreicht oder auch nur jüngere Zeiträume umfasst, dann weiß man, dass das Verständnis bestimmter Ereignisse, mit dem man aufgewachsen ist, wahrscheinlich völlig verkehrt ist – dass in Wahrheit das Gegenteil zutrifft. Aber das wusste man erst, als man ein wenig – in manchen Fällen sehr viel – tiefer gegraben hat, weil diese Ereignisse im Nachhinein verzerrt wurden.
Und weil sie verzerrt wurden – weil viele unserer grundlegendsten Annahmen auf Unwahrheiten beruhen – geraten wir immer wieder in dieselben Schwierigkeiten. Deshalb ist es wichtig, jetzt in der Frühphase die Wahrheit darüber zu sagen. Übrigens ist das weithin bekannt; es ist keine Verschwörungstheorie; Jeder sagt es jetzt offen, weil es wahr ist: Die Vereinigten Staaten haben Truppen in diesen Konflikt entsandt, weil der israelische Ministerpräsident – nicht Israel als Nation, sondern der Mann, der sie führt –, Benjamin Netanjahu, Bibi, es verlangt hat. Sieben Besuche im Weißen Haus im vergangenen Jahr, und das Ziel dieser Besuche war immer das gleiche: Die USA müssten sich einem Regimewechsel im Iran bekennen; man bräuchte das US-Militär, um die Regierung des Iran zu stürzen.
Bibi selbst hat das im Grunde gesagt. Es war nicht so, dass wir tatsächlich glaubten, der Iran würde diese Woche zu Atomwaffen gelangen, weshalb wir handeln mussten – das behauptet kein Einziger. In Zukunft werden sie es sagen, wenn unsere Erinnerungen etwas verblassen und man uns leichter manipulieren kann, aber jetzt geben sie zu: Nein, tatsächlich standen sie nicht kurz davor, Atomwaffen zu bekommen. Bibi selbst sagte – man kann das Video aufrufen –: „Ich habe 40 Jahre lang davon geträumt. Jetzt haben wir es endlich geschafft.“
Netanjahu schadet Israel
Wir erleben also den Höhepunkt eines langjährigen Plans, einer Strategie. Und wenn man es rückblickend betrachtet und versucht, die jüngsten Ereignisse zu beurteilen, kann man erkennen, dass vieles von dem, was hier geschah, eine Vorbereitung auf den jetzigen Moment war. Mit anderen Worten: Diejenigen, die einen Krieg mit dem Iran wollten, bereiteten die Öffentlichkeit darauf vor, manipulierten die US-Regierung, um ihn herbeizuführen, und versuchten ihr Bestes, jeden zum Schweigen zu bringen, der die Klugheit einer solchen Entscheidung anzweifelte. Vieles von dem, was wir in jüngster Zeit gesehen haben – und jetzt ist es sehr offensichtlich –, war darauf ausgerichtet, uns genau dorthin zu bringen, wo wir jetzt sind: im Krieg mit dem Iran im Interesse Israels.

Zu Beginn gleich eine Anmerkung: Nur weil der israelische Ministerpräsident einen Regime-Change-Krieg mit dem Iran wollte, bedeutet das in keiner Weise, dass es eine kluge Idee für Israel war. Für die Vereinigten Staaten war es ganz sicher keine gute Idee; das bestreitet eigentlich niemand ernsthaft. Aber war es eine gute Idee für das Land oder für den Ministerpräsidenten, der dafür eintrat? Nein, wahrscheinlich nicht. Nur weil wir etwas wollen, heißt das nicht, dass es gut für uns ist.
Manchmal werden wir gerade durch das, was wir am meisten wollen, zerstört. Hoffentlich geschieht das nicht mit Israel oder sonst jemandem, aber es könnte passieren. Wenn man also zur Wahrheit vordringt und sieht, wer etwas vorantreibt, heißt das nicht, dass diese Person versteht, was ihr eigenes Interesse oder das Beste für ihr Land ist. Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir an diesem Punkt angelangt sind, weil Israel dafür Lobbyarbeit betrieben hat, und praktisch jeder in der US-Regierung, insbesondere im Pentagon, weiß um die Risiken.
Die USA haben keinen Plan
Die Risiken waren vom ersten Tag an offensichtlich. Erstens: Wenn man eine Regierung stürzt – und wir haben darin eine lange Geschichte –, ist das nicht besonders schwer. Der persönliche Mut der Angehörigen des US-Militärs, der Soldaten, die das tun, ist lobenswert, beeindruckend, manchmal erstaunlich, aber das ist, wie wir gelernt haben, der leichte Teil. Saddam zu töten: beeindruckend – aber was kommt danach? All das ist bekannt, und es war auch vor dem Angriff auf den Iran sehr wohl bekannt, dass es keinen wirklichen Plan gibt, um die Regierung zu ersetzen, die wir zu stürzen hoffen.
Und dann? Nun, dann hat man ein Land, den Iran, so groß wie Westeuropa mit 92 Millionen Menschen, ein Land, das nur etwas mehr als zur Hälfte persisch ist und eigene innere Spaltungen, Dynamiken und Rivalitäten hat. Man riskiert, dass dieses Land auseinanderbricht – und was bedeutet das? Schwer vorstellbar, dass das für den Rest der Welt auf so vielen Ebenen eine gute Sache wäre, von denen wir beten, dass sie nicht noch deutlicher zu Tage treten werden, aber sie tun es schon jetzt: Es könnte eine echte Katastrophe werden.
Warum sollten wir das also wollen? Natürlich wollen wir das nicht. Das einzige Land, das das zu wollen scheint – oder der einzige Führer, um fair zu bleiben, denn ich spreche nicht für jeden Israeli, genauso wenig wie Joe Biden oder Donald Trump oder sonst jemand, der dieses Land führt, für jeden Amerikaner spricht –, aber Benjamin Netanjahu wollte es. Er hielt das für seine Mission, vielleicht mehr noch: für sein Schicksal.

Das deutete er in seinen Äußerungen an. Das ist der Grund. Aber niemand in der US-Regierung, mit dem ich je gesprochen habe oder den ich im Fernsehen zitiert hörte, schien zu glauben, dass dies in erster Linie im Interesse Amerikas lag. Es mag Nebenwirkungen geben – man hört Analysen darüber, wie sich die Welt verändert hat, von einer unipolaren zu einer multipolaren Ordnung – alles zutreffend.
Die Vereinigten Staaten dominierten die Welt unangefochten vom Sommer 1991 bis, nun ja, etwa bis zum Aufstieg Chinas. Und plötzlich gibt es mehrere Pole; mehr als eine Großmacht konkurriert um die Kontrolle über die Welt und ihre Handelsrouten und Ressourcen und so weiter. Und dass es in diesem komplexen Schachspiel gut für uns wäre, die Regierung des Iran zu stürzen – das soll wohl ein Argument sein, nehme ich an. Diese Dinge sind allerdings ziemlich schwer zu durchschauen.
Lesen Sie morgen den zweiten Teil dieses Beitrags.
Die nächsten Lügen, der nächste Krieg: Mit COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ liefern wir die Hintergründe. Hier bestellen.




