Tod, Feuer und Zorn: Im Krieg gegen den Iran wird auch mit immer schärferen Worten geschossen. Verbale Attacken treffen dabei Teheran ebenso wie die Kritiker des Krieges. Es drohen Anklagen wegen „Hochverrats“. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zum Thema blickt hinter die Kulissen dieser Eskalation. Hier mehr erfahren.
Seit Wochen verschärft sich der Ton in Washington. Donald Trump und seine Regierung sprechen über die Luftschläge gegen den Iran mit einer Unverblümtheit, die im Westen lange als Tabubruch galt. Bei einem Wahlkampfauftritt in Kentucky schilderte der Präsident eine Szene aus einem Gespräch mit Offizieren. Seine Frage: Warum kapert man feindliche Schiffe nicht einfach? Die Antwort eines Generals, so Trump, habe ihn beeindruckt:
„Sir, es macht mehr Spaß, sie zu versenken.“
Auch Verteidigungs- beziehungsweise Kriegsminister Pete Hegseth schlägt in dieselbe Kerbe. Den Abschuss eines iranischen Kriegsschiffs durch ein US-U-Boot kommentierte er kühl: „Ein Torpedo traf das Schiff, ein stiller Tod.“ Über den Umgang mit Gegnern ließ er keinen Zweifel: „Kein Pardon. Keine Gnade für unsere Feinde.“
Wer unter solchen Todesdrohungen noch als Verhandlungspartner infrage kommt, bleibt das Geheimnis des Weißen Hauses.
„Tod, Feuer, Zorn“
Schon zu Beginn des Krieges setzte Trump die Richtung. In einer Botschaft vom 28. Februar kündigte er an: „Die schweren und präzisen Bombenangriffe werden die ganze Woche über oder so lange wie nötig ununterbrochen fortgesetzt, um unser Ziel des Friedens im gesamten Nahen Osten und in der ganzen Welt zu erreichen.“ Im selben Atemzug, in dem der „Frieden im gesamten Nahen Osten“ als offizielles Kriegsziel ausgerufen wurde, beschrieb Trump beinahe genüsslich die Verwüstung. Der Iran sei „innerhalb eines einzigen Tages schwer zerstört und beinahe dem Erdboden gleichgemacht“ worden, so der Präsident.
Nach den westlichen Angriffen erklärte die iranische Revolutionsgarde die Straße von Hormus faktisch zur Gefahrenzone. Kriegsschiffe senden Warnungen, Drohnen und Raketen attackieren Tanker, Seeminen werden vermutet. Innerhalb weniger Tage bricht der Schiffsverkehr ein, mit spürbaren Folgen für Märkte in Europa und den USA. Trumps Drohungen richten sich nun offen gegen jede Blockade der Meerenge:
„Sollte der Iran den Ölfluss in der Straße von Hormus unterbrechen, werden die Vereinigten Staaten ihn zwanzigmal härter treffen als bisher. […] Tod, Feuer und Zorn werden über ihn hereinbrechen.“
Gleichzeitig kündigt er ein kompromissloses Vorgehen im Golf an: „Die Vereinigten Staaten werden die Küste massiv bombardieren und iranische Boote und Schiffe unaufhörlich versenken.“ Dass die Sperrung der Straße von Hormus eine direkte Reaktion auf die von den USA und Israel begonnenen Angriffe ist, scheint in Washington keine Rolle zu spielen.
Sieg verkündet, Krieg geht weiter
Am 11. März erklärt Trump den Krieg bei einem Auftritt in Kentucky praktisch für entschieden: „Man sagt nicht gerne zu früh, dass man gewonnen hat. Wir haben gewonnen.“ Der entscheidende Moment habe bereits am Anfang gelegen. Bereits in „der ersten Stunde“ sei es „vorbei“ gewesen. Dennoch sollen die Angriffe weitergehen:
„Wir wollen nicht alle zwei Jahre zurückkommen müssen.“
So zieht Trump den Schluss, dass nur eine vollständige Zerschlagung des Gegners den Krieg beenden könne: „Wir zerstören das iranische Terrorregime vollständig, militärisch, wirtschaftlich und in jeder anderen Hinsicht.“ Seine Darstellung geht noch weiter: „Die iranische Marine ist vernichtet, die Luftwaffe existiert nicht mehr, Raketen, Drohnen und alles andere werden zerstört.“ Am 13. März sagt Trump über die Führung in Teheran:
„Seit 47 Jahren töten sie unschuldige Menschen auf der ganzen Welt, und nun töte ich sie, als 47. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Welch eine Ehre!“
Trumps Siegesrhetorik steht in auffälligem Gegensatz zur Lage im Persischen Golf. Zwar wurden wichtige iranische Anlagen getroffen, doch von einer vollständigen Ausschaltung kann keine Rede sein. Kurz nachdem Washington das Ende der iranischen Marine verkündet hatte, meldete das Pentagon die Zerstörung von 16 Booten. Die Revolutionsgarden operieren weiterhin entlang der Küste, Drohnen und Schnellboote greifen Handelsschiffe an. Die Lage in der Straße von Hormus bleibt angespannt und für den Schiffsverkehr gefährlich.
Der Angriff auf den Tanker Safesea Vishnu zeigt die Verwundbarkeit selbst amerikanischer Schiffe. Gleichzeitig berichten westliche Geheimdienste, dass Iran weiterhin Raketenstellungen und Drohnenbasen nutzt, um den Schiffsverkehr unter Druck zu setzen. Auch nach Einschätzungen der CIA bleibt die Führung in Teheran stabil, Trumps Kriegsziele wirken fern.
Attacke auf Verbündete und Kritiker
Die verbalen Angriffe richten sich längst nicht mehr nur gegen den Iran. Auch NATO-Partner und Kriegsgegner geraten ins Visier. Im Zuge der Hormus-Krise fordert Trump militärische Unterstützung von Verbündeten, notfalls mit eigenen Kriegsschiffen und Minensuchern. Eine Weigerung könnte Folgen haben: „Wenn es keine Reaktion gibt oder die Antwort negativ ausfällt, wird das sehr schlecht für die Zukunft der NATO sein.“
Welche Hilfe er konkret erwartet, lässt er offen: „Was auch immer nötig ist.“ Besonders scharf reagiert er auf Spanien. Nachdem die Regierung von Pedro Sanchez die Nutzung gemeinsamer Militärbasen verweigert hatte, folgte eine offene Drohung:
„Wir könnten den Handel mit Spanien einstellen.“
Auch im eigenen Land verschärft sich der Ton. Journalisten beschuldigt Trump, „Falschmeldungen und Lügen“ zu verbreiten. Berichte des Wall Street Journal über angeblich abgeschossene US-Flugzeuge nennt er „frei erfunden“. Late-Night-Moderatoren verspottet er als „Idioten“, die trotz „miserabler Einschaltquoten riesige Gehälter kassieren“. Einige Medien, so der Präsident, könnten sogar wegen „Hochverrats“ angeklagt werden.
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