US-Präsident Donald Trump legt ein 31-Seiten-Paukenschlag vor und entlarvt Brüssels Selbstzerstörungspfad. COMPACT gibt Ihnen den kompletten Europa-Abschnitt im O-Ton. Das sicherheitspolitische Grundsatzpapier der US-Regierung, die National Security Strategy 2025, liest sich wie ein Donnerschlag gegen das westliche Establishment: Europa, heißt es, steht vor der „Auslöschung seiner Zivilisation“, auf dem Weg in eine Epoche von Demografie-Kollaps, Migrationschaos und politischer Entmündigung durch die EU-Zentralmacht. Trump macht klar: Die transatlantische Schonzeit ist vorbei. Die Regierung treibt das Land tiefer in Krise, Kontrollstaat und Kriegsgefahr. Unser COMPACT 9/2025: Der Totengräber. Wie Merz Deutschland das Grab schaufelt zeigt: Friedrich Merz ist nicht der Retter, sondern der Beschleuniger des Niedergangs.

    Die National Security Strategy erscheint alle 3–4 Jahre, meist einmal pro Amtszeit eines Präsidenten. Sie wird von der US-Regierung veröffentlicht und legt fest, wie die Regierung ihre Außen-, Sicherheits-, Militär- und Wirtschaftspolitik strategisch ausrichten wollen.

    Europa, einst stolzer Partner im Westen, erscheint in Trumps Strategiepapier nur noch als gebeugter Koloss, ausgehöhlt von eigenen Illusionen. Der alte Kontinent, sagt das Dokument, verliere „Identität, Wehrkraft, Selbstbehauptungswillen“, während seine Eliten den Bürgern eine heile Welt vorgaukeln. Washington konstatiert: Die USA muss Patrioten fördern und den „Widerstand gegen den derzeitigen Kurs Europas innerhalb der europäischen Nationen fördern.“

    ,,Förderung der Größe Europas“

    Das Papier folgt einem klaren, fast lehrbuchhaften Aufbau. Nach dem präsidialen Vorwort, in dem Trump seine ersten Amtsmonate als spektakuläre „Rettung Amerikas“ betitelt, erklärt Trump, warum frühere Regierungen aus seiner Sicht versagt haben. Es skizziert im Anschluss die großen Ziele der USA: von nationaler Stärke über wirtschaftliche und technologische Dominanz bis zur kulturellen Erneuerung. Er beschreibt die Machtmittel, die diesen Anspruch tragen sollen: Militär, Energie, Industrie, Technologie und Soft Power.

    Der eigentliche Kern steht in Punkt 3, gegliedert in verschiedene Regionen. Dort erscheint Europa unter 3C als eigener Unterpunkt – neben der westlichen Hemisphäre (A), Asien (B), dem Nahen Osten (D) und Afrika (E). In „Förderung der Größe Europas“ zeichnet das Papier das Bild eines Kontinents im Niedergang. Die Junge Freiheit übersetze das Strategiepapier ins Deutsche:

    ,,US-Amerikanische Politiker sind es gewohnt, europäische Probleme unter dem Gesichtspunkt unzureichender Militärausgaben und wirtschaftlicher Stagnation zu betrachten. Das ist zwar richtig, aber die wirklichen Probleme Europas sind noch tiefgreifender. Kontinentaleuropa hat seinen Anteil am globalen BIP verloren – von 25 Prozent im Jahr 1990 auf heute 14 Prozent –, was zum Teil auf nationale und transnationale Vorschriften zurückzuführen ist, die Kreativität und Fleiß untergraben.“

    Trumps Hinweis ist ökonomisch gut belegbar: Die EU fällt im globalen Machtgefüge zurück, während Asien gewaltig zulegt. In der Öffentlichkeit ist zunehmend von einer Deglobalisierung die Rede. Der bekannte amerikanische Geoplitiker Peter Zeihan begründet oft den wirtschaftlichen Abstieg Deutschlands, mit einem Ende der Globalisierung. Allerdings macht Trump klar, dass das nur die eine Seite der Medaille ist. Seine Kritik an europäischer Überregulierung trifft realwirtschaftlich den Kern vieler Industrieklagen. Eine Erhebung des European Round Table for Industry (ERT) zeigt: 38 % der größten EU-Konzerne streichen oder verschieben Investitionen.

    Auch CEOs warnen mittlerweile offen davor, dass Europa sich kulturell und technologisch selbst blockiert. Bosch-Chef Stefan Hartung sagte im Juni: Europa sei drauf und dran, sich bei Zukunftstechnologien „zu Tode zu regulieren“.

    Auch im EU-Ausland wird die Meinung geteilt: „Regulierung tötet Innovation (…) Wir müssen verstehen, dass wir nicht wachsen werden, wenn wir Unternehmen nicht die Möglichkeit geben zu innovieren“, stellte Ana Botin, Vorstandsvorsitzende der spanischen Bank Santander, auf der International Banking Conference 2025, klar. Trump benennt hier nüchtern, was europäische Wirtschaftsverbände seit Jahren fordern: Weniger Bürokratie, mehr Wettbewerbsfähigkeit.

    ,,Dieser wirtschaftliche Niedergang wird jedoch von der realen und noch gravierenderen Aussicht auf den Untergang der Zivilisation überschattet. Zu den größeren Problemen, mit denen Europa konfrontiert ist, gehören die Aktivitäten der Europäischen Union und anderer transnationaler Gremien, die die politische Freiheit und Souveränität untergraben, die Migrationspolitik, die den Kontinent verändert und Konflikte schafft, die Zensur der freien Meinungsäußerung und die Unterdrückung der politischen Opposition, der Einbruch der Geburtenraten sowie der Verlust der nationalen Identität und des Selbstbewußtseins.“

    Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, wird der Kontinent in 20 Jahren oder weniger nicht mehr wiederzuerkennen sein. Daher ist es alles andere als sicher, daß bestimmte europäische Länder über eine ausreichend starke Wirtschaft und Streitkräfte verfügen werden, um weiterhin verläßliche Verbündete zu sein. Viele dieser Nationen verfolgen derzeit ihren bisherigen Kurs mit noch größerem Nachdruck. Wir möchten, daß Europa europäisch bleibt, sein zivilisatorisches Selbstbewußtsein zurückgewinnt und seine fehlgeleitete Fokussierung auf erstickende Regulierung aufgibt.“

     

    Trumps zentrale Forderung: Europa muss wieder Europa werden. Auch ökonomisch. Frankreichs Wirtschaftsführer, darunter Patrick Pouyanné (CEO des Öl- und Energiekonzerns TotalEnergies),  äußerten zuletzt bei Le Monde offen „Neid auf Trumps Deregulierung“, weil Europa „in Bürokratie erstickt“.

    Luc Rémont, Chef des französischen Energieversorgers EDF, sagte wörtlich, es sei „Hölle, in Frankreich aus Gründen der Regulierung zu investieren“. Selbst Mario Draghi (italienischer Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Ministerpräsident), international bekannter ehemaliger Zentralbanker, warnte 2024 vor einer „düsteren Zukunft der europäischen Produktivität“.

     Auch verlässt die Analyse die reine Ökonomie und wird geht in Kultur- und Identitätspolitik. Die Betonung der „Unterdrückung der Opposition“ macht klar: Washington sieht gigantische Probleme in der europäischen Debattenkultur, insbesondere beim Umgang mit konservativen und patriotischen Parteien.

    ,,Dieser Mangel an Selbstvertrauen zeigt sich am deutlichsten in den Beziehungen Europas zu Rußland. Die europäischen Verbündeten genießen gegenüber Rußland in fast jeder Hinsicht einen erheblichen Vorteil an Hard Power, mit Ausnahme von Atomwaffen. Infolge des Krieges Rußlands in der Ukraine sind die Beziehungen Europas zu Rußland nun stark beeinträchtigt, und viele Europäer betrachten Rußland als existentielle Bedrohung. Die Gestaltung der europäischen Beziehungen zu Rußland wird ein erhebliches diplomatisches Engagement der USA erfordern, sowohl um die Bedingungen für strategische Stabilität auf dem eurasischen Kontinent wiederherzustellen als auch um das Risiko eines Konflikts zwischen Rußland und europäischen Staaten zu mindern.“

    Es liegt im zentralen Interesse der Vereinigten Staaten, eine rasche Beendigung der Feindseligkeiten in der Ukraine auszuhandeln, um die europäischen Volkswirtschaften zu stabilisieren, eine unbeabsichtigte Eskalation oder Ausweitung des Krieges zu verhindern, die strategische Stabilität mit Rußland wiederherzustellen und den Wiederaufbau der Ukraine nach Beendigung der Feindseligkeiten zu ermöglichen, damit sie als lebensfähiger Staat überleben kann.

    Der Krieg in der Ukraine hat den perversen Effekt gehabt, die Abhängigkeit Europas, insbesondere Deutschlands, vom Ausland zu erhöhen. Heute bauen deutsche Chemieunternehmen einige der weltweit größten Verarbeitungsanlagen in China und verwenden dabei russisches Gas, das sie im eigenen Land nicht bekommen können. Die Trump-Regierung steht im Widerspruch zu europäischen Politikern, die unrealistische Erwartungen an den Krieg haben und in instabilen Minderheitsregierungen sitzen, von denen viele grundlegende Prinzipien der Demokratie mit Füßen treten, um die Opposition zu unterdrücken.“

    Auch hier zeigt sich pragmatische Wirtschaftslogik: Deutschlands Chemieindustrie (BASF, Covestro, Evonik), mit der BASF als größtem Chemiekonzern der Welt, verlagert laut Branchenverbänden bereits Schlüsselproduktionen nach Asien und USA – getrieben durch Energiepreise und Unsicherheit. Der Hauptstandort der Firma liegt ausgerechnet in Ludwigshafen, eben jener Stadt in der AfD-Bürgermeisterkandidat Joachim Paul von der Wahl ausgeschlossen wurde, obwohl er in den Umfragen klar vorn lag.

    Das BASF_Stammwerk in Ludwigshafen am Rhein bei Nacht. Gehen hier nach und nach die Lichter aus? Foto: Joerg Steber I Shutterstock.com.

    Ein endloser Krieg in der Ukraine ist für Europa ruinös. Trump formuliert das aus, was viele Wirtschaftslenker nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Ein weiterer Punkt, den selbst Welt und Handelsblatt betonen: Die deutsche Industrie bleibt trotz Embargos indirekt vom russischen Gas abhängig, über global verschachtelte Lieferketten. Der Ukrainekrieg hat Europas Abhängigkeiten verschärft statt reduziert. Laut Bundesbank leiden Deutschlands Schlüsselbranchen weiterhin unter hohen Energiepreisen, und eine Reuters-Analyse zeigt, dass EU-Staaten 2025 wieder Milliarden an russischen Treibstoffen importieren, indirekt über Drittstaaten.

    ,,Eine große Mehrheit der Europäer wünscht sich Frieden, doch dieser Wunsch schlägt sich nicht in der Politik nieder, was zum großen Teil auf die Untergrabung demokratischer Prozesse durch diese Regierungen zurückzuführen ist. Dies ist gerade deshalb für die Vereinigten Staaten von strategischer Bedeutung, weil die europäischen Staaten sich nicht reformieren können, wenn sie in einer politischen Krise gefangen sind.

    Dennoch bleibt Europa für die Vereinigten Staaten strategisch und kulturell von entscheidender Bedeutung. Der transatlantische Handel ist nach wie vor eine der Säulen der Weltwirtschaft und des amerikanischen Wohlstands. Europäische Sektoren wie das verarbeitende Gewerbe, die Technologiebranche und die Energiewirtschaft gehören weiterhin zu den robustesten der Welt.

    Europa ist die Heimat bahnbrechender wissenschaftlicher Forschung und weltweit führender Kulturinstitutionen. Wir können es uns nicht nur nicht leisten, Europa abzuschreiben – dies würde auch den Zielen dieser Strategie zuwiderlaufen.

    Die amerikanische Diplomatie sollte sich weiterhin für echte Demokratie, Meinungsfreiheit und die unverhohlene Würdigung des individuellen Charakters und der Geschichte der europäischen Nationen einsetzen. Amerika ermutigt seine politischen Verbündeten in Europa, diese Wiederbelebung des Geistes zu fördern, und der wachsende Einfluß patriotischer europäischer Parteien gibt in der Tat Anlaß zu großem Optimismus.

    Unser Ziel sollte es sein, Europa dabei zu helfen, seinen derzeitigen Kurs zu korrigieren. Wir brauchen ein starkes Europa, das uns dabei hilft, erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen, und das mit uns zusammenarbeitet, um zu verhindern, daß ein Gegner Europa dominiert.

    Amerika ist verständlicherweise emotional mit dem europäischen Kontinent verbunden – und natürlich auch mit Großbritannien und Irland. Der Charakter dieser Länder ist auch strategisch wichtig, da wir auf kreative, fähige, selbstbewußte und demokratische Verbündete zählen, um Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Wir wollen mit gleichgesinnten Ländern zusammenarbeiten, die ihre frühere Größe wiederherstellen wollen.“

    Hier fallen die größten Bomben und die kühnsten Sätze des Dokuments. Washington erklärt offen, patriotische Parteien als Partner zu sehen. Es ist das, was europäische Regierungen stets fürchteten: eine US-Regierung, die inner-europäische Kräfteverhältnisse bewusst beeinflusst – allerdings zugunsten eines Modernisierungs- und Souveränitätsprojekts.

    Auf Tuchfühlung mit der Truppe: US-Präsident Donald bei einem Besuch der Nationalgarde am 21. August 2025 in Washington D.C. Foto: The White House

    Die Neue Zürcher Zeitung titelte zum Strategiepapier: ,,Die USA von Donald Trump brechen mit Europa.“ Die Stuttgarter Zeitung sprach gar von einem ,,transatlantischen Scheidungspapier“. Wer sich aber das ganze Dokument zu Gemüte zieht, erkennt das Gegenteil: Trump versteht ,,America First“ nicht als „America Alone“, sondern „America + ein erneuertes Europa“. Es lässt offen pro-europäische Tendenzen erkennen. Selbst Analysten der Carnegie Foundation (eher liberal ausgerichteter Think-Tank) beschreiben einen „strategischer Atlantizismus 2.0“ – ein Westbündnis der starken Nationen, nicht der Brüsseler Zentralstrukturen.

    ,,Langfristig ist es mehr als plausibel, daß spätestens in einigen Jahrzehnten bestimmte Nato-Mitglieder mehrheitlich nicht-europäisch sein werden. Daher ist es eine offene Frage, ob sie ihre Stellung in der Welt oder ihr Bündnis mit den Vereinigten Staaten genauso sehen werden wie diejenigen, die die Nato-Charta unterzeichnet haben.

    Unsere allgemeine Politik für Europa sollte folgende Prioritäten setzen:

    – Wiederherstellung der Stabilität innerhalb Europas und der strategischen Stabilität mit Rußland;

    -Europa in die Lage zu versetzen, auf eigenen Beinen zu stehen und als Gruppe gleichgesinnter souveräner Nationen zu agieren, unter anderem indem es die Hauptverantwortung für seine eigene Verteidigung übernimmt, ohne von einer gegnerischen Macht dominiert zu werden;

    -Förderung des Widerstands gegen den derzeitigen Kurs Europas innerhalb der europäischen Nationen;

    -Öffnung der europäischen Märkte für US-amerikanische Waren und Dienstleistungen und Gewährleistung einer fairen Behandlung von US-amerikanischen Arbeitnehmern und Unternehmen;

    -Aufbau gesunder Nationen in Mittel-, Ost- und Südeuropa durch Handelsbeziehungen, Waffenverkäufe, politische Zusammenarbeit sowie kulturellen und bildungspolitischen Austausch;

    -Die Wahrnehmung der Nato als sich ständig ausweitendes Bündnis beenden und ein solches Szenario verhindern;

    -Europa dazu ermutigen, Maßnahmen zur Bekämpfung von merkantilistischer Überkapazität, Technologiediebstahl, Cyberspionage und anderen feindseligen Wirtschaftspraktiken zu ergreifen.“

    COMPACT 9/2025: Der Totengräber. Wie Merz Deutschland das Grab schaufelt, zeigt wie Merz das Land in den Ruin treibt. 

     

     

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