Seit kurzem steht in Hamburg ein Islamist aus Syrien vor Gericht, der in seiner Schweriner Wohnung Sprengstoff hergestellt hatte, mit dem er 200 „Ungläubige“ hatte töten wollen. Kein Einzelfall: Bei der Vorstellung des Landesverfassungsschutzberichts musste Innenminister Caffier nun einräumen, dass die Zahl der Salafisten im Land explodiert.

    _von Sven Reuth

    Dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern eilt der Ruf der Provinzialität voraus. Das berühmte angebliche Zitat von Reichskanzler Otto von Bismarck – „Wenn die Welt untergeht, gehe ich nach Mecklenburg, denn dort geht sie 50 Jahre später unter“ – ist allerdings wohl, wie ein Quellenforscher festgestellt hat, eine erfundene Zuschreibung, denn die Redewendung lässt sich erst in der frühen Weimarer Republik nachweisen.

    So oder so ist das zwischen Elbe und Stettiner Haff gelegene Bundesland aber bis heute eine ländlich geprägte Region mit nur wenigen größeren Städten und weiten, naturbelassenen Landschaften geblieben. Bislang hätte man nicht vermutet, dass auch hier die Angst vor dem islamistischen Terror zum täglichen Leben gehört – genau das ist aber leider mittlerweile der Fall.

    Bei seiner gestrigen Vorstellung des Landesverfassungsschutzberichtes für das Jahr 2017 musste CDU-Innenminister Lorenz Caffier einräumen, dass die Zahl der Salafisten im Nordosten im Vergleich zum Jahr 2016 von 85 auf 130 Personen explodiert ist und dass sich in dem Küstenland islamistische Gefährder aufhalten, denen jederzeit ein Anschlag zuzutrauen ist.

    Der Salafismus ist eine ultraorthodoxe Strömung innerhalb des Islams, die sich an einem im 7. Jahrhundert praktizierten Ur-Islam orientiert. Der Salafismus umfasst dabei auch militante Gruppierungen.

    Wirklich überraschen konnten die Aussagen von Lorenz Caffier nicht. So wurde im Oktober 2017 ein 20jähriger Syrer in Schwerin festgenommen, der in seiner Wohnung einen hochexplosiven Sprengsatz bauen wollte, um damit möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen.

    In einem Chat mit einem Sympathisanten äußerte er nach Angaben der Bundesanwaltschaft, er wolle 200 Menschen töten, um in Deutschland ein Klima der Angst und Verunsicherung zu schaffen. Yamen A., der mittlerweile in Hamburg vor Gericht steht, hatte sich im Internet Anleitungen zum Bau eines Zünders, eines Fernauslösers via Handy sowie zur Herstellung einer Splitterbombe angesehen.

    Über das Internet besorgte er sich unter anderem Wasserstoffperoxid, Batteriesäure und eine Oxydator-Lösung für den Bombenbau; das dafür ebenfalls notwendige Aceton hatte er aus handelsüblichem Nagellackentferner gewonnen.

    In Güstrow bei Rostock waren Ende Juli vergangenen Jahres in einer gemeinsamen großangelegten Aktion von Bundesanwaltschaft, Bundes- und Landeskriminalamt zwei Bosnier festgenommen worden, die ebenfalls einen schweren Terroranschlag geplant haben sollen.

    Die Männer mussten kurz nach ihrer Verhaftung allerdings wieder freigelassen werden, da das Landgericht Rostock keine „hinreichend konkreten und belastbaren Tatsachen für eine Gefahr der unmittelbar bevorstehenden Begehung oder Fortsetzung einer Straftat“ hatte erkennen wollen. Die Terrorverdächtigen wurden im August vergangenen Jahres nach Bosnien abgeschoben.

    Selbst in der mecklenburgischen Provinz ist die Welt also nicht mehr in Ordnung. Eigentlich könnte das Thema doch auch einmal vom „Polizeiruf 110“ aufgegriffen werden – aber hier muss der von Charly Hübner verkörperte rauhbeinige Rostocker Kriminalhauptkommissar Alexander Bukow ja immer Neonazis jagen.

     

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