Steve Bannon prophezeit den Untergang der EU: „Macron und Merkel werden fallen wie die Kegel“

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Er war Trumps Chefberater, gilt als geistiger Vater von „America First“ und hielt bei Breitbart alle Zügel in der Hand. Nun gibt er den Patrioten Europas strategische Nachhilfe. In einem aktuellen Interview sagt er den baldigen Untergang der EU-Diktatur und der herrschenden Eliten voraus.

Steve Bannon ist das, was man als einen „Fundi“ bezeichnen könnte. Dass es ihm um mehr als um kosmetische Korrekturen am politischen System geht, hat er nie verschwiegen. Er strebe eine „Dekonstruktion des administrativen Staates“ an, erklärte er einmal – und er sagte frei von der Leber weg: „Ich bin Leninist. Lenin wollte den Staat zerstören, und das ist auch mein Ziel. Ich will das System krachend kollabieren lassen und das gesamte Establishment gleich mit.“

Natürlich ist Bannon kein ideologischer Leninist, sondern ein methodischer. Er will die Revolution, aber eine konservative. Gute Ansätze dafür sieht er inzwischen auch in Europa: Der Brexit, die Regierungen in Polen, Ungarn und anderen Staaten Mittel- und Osteuropa, die sich gegen das Migrationsdiktat Brüssels wehren, der Einzug der AfD in den Bundestag – und nun der Regierungswechsel in Italien. Für Bannon ist das erst der Anfang eines revolutionären Prozesses, einer echten Zeitenwende.

In einem aktuellen Interview, das die Tageszeitung Die Welt mit dem strategischen Kopf der US-Rechten führte, unterstreicht er das nochmal. Er sagt: „Es wird ein wahres Erdbeben geben, Sie werden es sehen: Man hat Angst vor Italien. Noch kann sich niemand vorstellen, was die Fünf-Sterne-Bewegung und Lega gemeinsam erreichen können.“ Wer Wind säe, werde Sturm ernten – und der fege bald sogar die EU in ihrer jetzigen Form und die herrschenden Eliten weg. „Macron und Merkel werden fallen wie die Kegel“, so Steve Bannon.

Bannon fährt fort:

Italien und Ungarn haben bei den letzten Wahlen eine klare Aussage getroffen, auch gegen die Migranten. Das ist vorbei, ebenso wie das Diktat aus Brüssel und der Faschismus der Spreads („Spread“ bezeichnet den Zinsaufschlag einer Staatsanleihe, die an den Märkten die Folge der schlechteren Bonität eines Landes ist; Anm. d. Red.). Bald wird es eine Konföderation von freien Staaten geben und nicht diese Europäische Union.

Auch folgende Passage, in der er den Aufstieg alternativer Kräfte in Europa erläutert und die der Mainstream-Presse unverhohlen den Spiegel vorhält, wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten:

WELT: Was war Ihrer Meinung nach der Auslöser für den weltweiten Aufstieg des Populismus?

Bannon: Die Finanzkrise von 2008: Die Mittelschicht und die einfachen Leute wurden durch die Steuern förmlich massakriert, und die Ungleichheit ist gewachsen.

WELT: Der Populismus könnte schlicht eine vergängliche Zeiterscheinung sein…

Bannon: Das ist nur der Anfang, das werden Sie bald sehen. Sogar George Soros hat es kürzlich gesagt: Wir leben in revolutionären Zeiten. Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte. Macron und Merkel werden fallen wie die Kegel.

WELT: Welche Rolle hat die Technologie beim Aufstieg der Populisten gespielt?

Bannon: Die Mehrheit hat für diese neuen Parteien gestimmt, trotz der schmutzigen Arbeit von Euch großen Mainstream-Medien.

WELT: Die Medien haben eine wichtige Kontrollfunktion in der Demokratie, Herr Bannon. Das sollten Sie wissen.

Bannon: Blödsinn. Die Faschisten sind nicht die, gegen die Sie kämpfen, die Faschisten sitzen in Brüssel. Dahin sollten Sie gehen.

BÄM! Das hat gesessen!

Doch wer ist Steve Bannon, was treibt ihn an – und was können Europas und Deutschlands Patrioten von ihm lernen? Aufschluss gibt unser Dossier „Der bessere Trump? – Die US-Rechte setzt auf Steve Bannon“, das wir in COMPACT 10/2017 veröffentlicht haben. Das Heft kann man in unserem Shop nachbestellen.

Es folgen Auszüge:

(…) 1953 als Spross einer irischstämmigen Arbeiterfamilie in Norfolk, Virginia, geboren, war ihm das Konservative nicht in die Wiege gelegt. Seine Eltern waren überzeugte Demokraten, engagierten sich gewerkschaftlich und unterstützen, auch herkunftsbedingt, John F. Kennedy. Prägend war für Bannon vor allem der Katholizismus. Jeden Sonntag ging es mit den Eltern in die Kirche. Als Bannon im Juli 2014 bei einer Vatikan-Konferenz aus Washington zugeschaltet wurde, forderte er die versammelten Kleriker mit scharfer Rhetorik zur Reconquista auf: „Ich denke, die Aufrechten, die Militanten in der Kirche, dürfen ihren Glauben nicht nur verkünden. Sie müssen für ihren Glauben auch kämpfen, in die Schlacht ziehen gegen die Barbarei, die alles ausrotten wird, was wir in den letzten 2000 Jahren erlebt haben.“ Das christliche Abendland befinde sich „im Krieg gegen den Islam und gegen die Muslime in Europa“. Neben Muslimen stehen Gender- und Multikulti-Liberale – die sogenannten Social Justice Warrios – ganz oben auf seiner Feindesliste. Und das große Geld! Im Gegensatz zu vielen US-Rechten erkennt der Arbeitersohn aus Virginia den Zusammenhang zwischen Kapitalinteressen und Einwanderung. „Die Plutokraten im Silicon Valley wollen ohne Hindernisse Leute aus der ganzen Welt in die USA bringen“, so Bannon. (…)

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Joshua Green [Bannon-Biograf] schreibt, der Büchernarr Bannon habe die Bedeutung audiovisueller und digitaler Medien für politische Umwälzungen erkannt und setze diese erfolgreich ein. Er ist politischer Aktivist, Stratege und Intellektueller in einer Person. Vor allem europäische Denker haben es ihm angetan: Zu seinen Lieblingswerken zählt das zwölfbändige Werk Der Gang der Weltgeschichte des britischen Historikers Arnold J. Toynbee, das, ähnlich wie Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes, die Entstehung, den Aufstieg und den Niedergang der Weltkulturen beschreibt. Anders als Spengler ging Toynbee jedoch nicht von einer Zwangsläufigkeit des Verfalls aus, sondern sah mögliche Revitalisierungskräfte. Die will Bannon in Amerika erwecken – und beruft sich dabei auch auf den katholischen Traditionalisten und Protofaschisten Charles Maurras, der im Frankreich der dreißiger Jahre die Action française anführte und die Idee eines „integralen Nationalismus“ vertrat. Im vergangenen Jahr überrumpelte Bannon einen Korrespondenten der französischen Zeitung Le Figaro mit der Bemerkung: „Das Zeitalter der Aufklärung ist vorbei. Haben Sie Charles Maurras gelesen?“ Donald Trump sei, so Bannon in der Terminologie Maurras‘, ein Verteidiger des pays réel, des einfachen Volkes, gegen das pays légal, die verkommene politische Klasse. Mit der Action française liebäugelt auch Marion Maréchal-Le Pen, die Nichte der Front-National-Chefin. Kein Wunder also, dass Breitbart News die bildhübsche Nachwuchspolitikern seinen Lesern als „Popstar der europäischen Rechten“ präsentierte. (…)

Bannon, der sich gegenüber dem Wall Street Journal als „Economical Nationalist“, als Wirtschaftsnationalist, bezeichnete, vertritt konsequent isolationistische und antiglobalistische Positionen. Sein politischer Kampf gilt den Millionen von hart arbeitenden Amerikanern, die in die Mühlsteine des Kapitalismus geraten sind und von Arbeitslosigkeit, Verschuldung und gnadenloser Auspressung durch die Finanzindustrie bedroht werden. Sein eigener Vater verlor während der Finanzkrise 2008 sein Erspartes – auch deshalb sinnt der frühere Goldman-Manager auf Rache. (…)

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in COMPACT 10/2017.

Über den Autor

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Daniell Pföhringer, Jahrgang 1973, stammt aus Bayern, wuchs in Hamburg auf und studierte dort Politikwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften. Seit einigen Jahren lebt er als Unternehmer und freier Publizist in Dresden. Seit Juni 2017 arbeitet er für COMPACT.

 

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