Der Spiegel und das Eigentor des Jahres. Das aktuelle Cover mit Ulrich Siegmund und der Schlagzeilen „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ sorgt für einen massiven Shitstorm gegen die Polit-Illustrierte. Die Lehre: Der AfD-Spitzenkandidat ist nicht aufzuhalten. Das bringt auch der einzigartige COMPACT-Comic „Uli rettet Deutschland“ zum Ausdruck. Hier mehr erfahren.
Am gestrigen Sonntag sah sich der Spiegel veranlasst, statt des sonst üblichen morgendlichen Briefings eine langatmige Erklärung des Chefredakteurs zu verbreiten, die wie ein Notruf daherkam. Keine Frage: Das Blatt ist mit einer massiven Empörungswelle konfrontiert. Tenor: Miese Propaganda, billige Wahlkampfmasche, durch nichts zu rechtfertigende Hetze. „Der gefährlichste Mann Deutschlands“: Wohl jeder Bürger hat einen Namen parat, der weitaus gefährlicher als AfD-Siegmund wäre: Drogenbosse, Clan-Kriminelle, Kinderschänder, Gruppenvergewaltiger usw.
COMPACT bleibt für Dich frei zugänglich. Damit das möglich ist, sind wir auch auf Werbeeinnahmen und direkte Unterstützung angewiesen.
Bitte deaktiviere Deinen Adblocker für compact-online.de oder unterstütze unsere Arbeit direkt.
COMPACT unterstützenQuerfront-Kritik
Auch die Aufmachung des Siegmund-Bildes auf dem Titelbild sozusagen als Fahndungsaufruf erhitzt die Gemüter. Es heißt, beim Spiegel sei eine absolute Rekordzahl an E-Mails, Briefen und Anrufen aufgebrachter AfD-Anhänger eingegangen. Aber die Kritik kommt nicht nur aus dem patriotischen Lager. In den Augen beispielsweise von Thomas Meyer, Gründervater der österreichischen Tageszeitung Der Standard erhebe hier das Blatt „einen Politiker der extremen Rechten“ zu einem „Titelhelden“ und fördere damit letztlich die AfD.
Sogar dem sonst so betont einseitigen TV-Moderator Micky Beisenherz platzt der Hut. Aus seiner Sicht agiere der Spiegel „schamlos, wenn sie so etwas zum Titel machen und gleichzeitig so tun, als würden sie sich für ‚den Erhalt der Demokratie‘ einsetzen“.
Dietmar Bartsch, Linkspartei-Aushängeschild, spracht bei Welt-TV von einem „Skandal“. Er könne nicht begreifen, „wie man in Hamburg, weit weg von Sachsen-Anhalt, ahnungslos was Sachsen-Anhalt betrifft, ein derartiges Cover entscheiden kann“. Der Spiegel möge „über journalistische Sorgfaltspflicht noch einmal nachdenken“. Und: „Ehrlich gesagt: Der gefährlichste Mann – das sind die Leute, die Autos in den CSD fahren lassen. Das sind gefährliche Menschen, weil sie Leben riskieren.“
Etablierte Medien in Sorge wegen AfD-Schub
Auch die Stuttgarter Zeitung hält den Superlativ „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ zumindest für erklärungsbedürftig. In einem Beitrag über die Reaktionen auf den Titel wird darauf hingewiesen, dass ein solcher Superlativ eigentlich einen Vergleichsmaßstab voraussetzt. Wer der „gefährlichste“ Mann Deutschlands sein soll, müsste sich mit anderen Kandidaten vergleichen lassen – doch einen solchen Maßstab liefere der Titel eben nicht.
Spöttisch reagiert die Süddeutsche Zeitung, allerdings aus einer anderen Perspektive. Willi Winkler stellt die Diskrepanz zwischen der dramatischen Titelzeile und dem tatsächlich freundlich lächelnden Porträt Siegmunds heraus und fragt ironisch, ob der Spiegel sich in seinen Protagonisten womöglich geradezu „verliebt“ habe. Die Pointe liegt darin, dass die martialische Inszenierung des angeblich „gefährlichsten Mannes Deutschlands“ mit dem vergleichsweise harmlosen Bild des Politikers kollidiert. Gerade diese Kombination könne die beabsichtigte Warnung unterlaufen. Man sorgt sich also, ob die ganze Story nicht am Ende der AfD nützen werde.
Grundsätzlicher fällt die Kritik der Publizistin Anna Lutz im Pro Medienmagazin aus. Unter der Überschrift „Blinde Klick-Jagd beim Spiegel“ argumentiert sie, das Magazin spiele mit seinem Titel ausgerechnet jenen in die Hände, die es eigentlich kritisieren wolle. Der Vorwurf lautet also, dass eine derart plakative Dämonisierung journalistisch kontraproduktiv sein könne.
Plumper Journalismus
Der langjährige CDU-Politiker Wolfgang Bosbach ätzte: „Ich habe keine Ahnung, was man in der Redaktion des Spiegel raucht.“ Und weiter: „Ich habe einen Vorschlag für die nächste Ausgabe: Die dümmste Redaktion Deutschlands.“ Auch der Publizist Rainer Zitelmann macht sich über die Konstruktion des Superlativs lustig und fragt provokant, warum ausgerechnet Siegmund und nicht etwa ein Clan-Chef oder islamistischer Gefährder zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ erklärt werde. Zusammengenommen ergibt sich daraus ein bemerkenswerter Befund: Selbst dort, wo die politische Ablehnung der AfD groß ist, wächst die Skepsis gegenüber einem Journalismus, der derart plump daherkommt.
Siegmund selbst ließ sich lachend abbilden, wie er Ausgaben mit seinem Spiegel-Cover signierte und an Anhänger verteilte. Er zog die Kampagne ins Lächerliche mit reagierte mit dem für ihn typischen Satz: „Lass se machen!“
Der AfD-Spitzenkandidat ist nicht aufzuhalten. Das bringt auch der einzigartige COMPACT-Comic „Uli rettet Deutschland“ zum Ausdruck. Hier bestellen.





