Sensation: Weitere Projektile in Münsteraner Killer-Van gefunden. Wer schoss?? Magic bullets, wie bei JFK…

43

Die kriminaltechnische Untersuchung bringt es an den Tag: Mit der Story von der Amokfahrt in Münster stimmt etwas nicht. Laut amtlicher Darstellung soll der Industriedesigner Jens R. am 7. April wegen seiner Depressionen in der Innenstadt von Münster in ein stark frequentiertes Straßencafé gefahren sein, zwei Menschen getötet und sich anschließend im Tatfahrzeug selbst erschossen haben.

Es gab von Anfang an Unstimmigkeiten in der Geschichte. Von Jens R. waren seitenlange Lebensbeichten sichergestellt worden, aus denen man eine Suizidabsicht herauslesen konnte – aber nirgends hatte er angekündigt, dass er andere töten wollte. Vor allem aber: Augenzeugen hatten von zwei anderen Personen gesprochen, die aus dem Killer-Van ausgestiegen waren und das Weite suchten. Die Polizei untersuchte diese Hinweise zunächst, erklärte aber später, sie hätten sich nicht bewahrheitet.

Viele Tage gingen ohne weitere Fakten ins Land. Gestern nun dies: „Im Tatfahrzeug des Amokfahrers von Münster hat die Polizei drei weitere Projektile gefunden“, so die Deutsche Presseagentur dpa.  Das gehe aus einem Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU) für den Innenausschuss des Landtags hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach habe die Spurensicherung in dem Fahrzeug drei Schusslöcher in der Lehne und Sitzfläche der Rückbank entdeckt. Polizeisprecher Andreas Bode teilte mit, dass die Untersuchung des Landeskriminalamtes aber noch nicht abgeschlossen sei. „Deshalb sei noch offen, ob die Projektile aus der Waffe des Amokfahrers Jens R. stammen“, zitiert ihn dpa. Am 9. April hatte die Süddeutsche Zeitung unter Super-Spürnase Hans Leyendecker geschrieben: „Nachdem Jens Alexander R., 48, am Samstag mit einem Campingbus in der Münsteraner Innenstadt in eine Menschenmenge gefahren war, zog er seine Pistole, Kaliber 7.65. Acht Schuss. Er richtete die schwarze Handwaffe gegen sich und war sofort tot. Sieben Patronen steckten noch im Magazin.“ Wurde demnach nur eine Kugel abgefeuert…

Wie kommen drei weitere Kugeln ins Tatfahrzeug? Hat der sogenannte Selbstmörder, bevor er sich endlich mit einer Kugel ins Jenseits beförderte, entgegen der zitierten Feststellung der Süddeutschen Zeitung vom 9.4. drei weitere Schüsse abgegeben, sozusagen probehalber? Hat er irgendwann vor dem Tattag in seinem eigenen Auto herumgeballert? Naheliegender ist es doch, davon auszugehen, dass es andere Personen waren, die auf Jens R. geschossen haben… Damit wird das Breitscheid-Platz-Szenario wieder wahrscheinlicher: Am 19. Dezember 2016 saß zwar ein polnischer LKW-Fahrer hinter dem Steuer. Zur Todesfahrt gezwungen wurde er aber durch einen Beifahrer, mutmaßlich Anis Amri. Der Pole wurde dann erschossen, bevor der LKW in den Weihnachtsmarkt bretterte. Erwiesen ist freilich auch dieses Szenario im Falle Münster nicht. Nicht gerade vertrauenswürdig ist aber, dass wir bisher  keine Schmauchspurenanalyse von der Polizei bekommen haben. Nur dann ließe sich feststellen, ob Jens R. überhaupt selbst mit der Tatwaffe geschossen hat.

Erinnerungen werden wach: Zum Beispiel an den Kennedy-Mord am 22. November 1963, als die These vom Alleintärer Lee Harvey Oswald durch die kriminaltechnische Untersuchung – Stichwort: Magic Bullet – erschüttert wurde. Und vor allem an den sogenannten Selbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011: Die Patronenhülsen am Tatort weisen darauf hin, dass ein dritter Mann die beiden hingerichtet hat.

Und nun Münster. Warten wir ab, was die weiteren Ermittlungen bringen. COMPACT wird nicht vorab wilde Theorien in die Welt setzen. Wir sagen nur: Die offizielle Story hat schreiende Widersprüche. Darüber haben wir auch ausführlich in unserer TV-Sendung „Die Woche COMPACT“ vom 8. April berichtet (auf Youtube). Wir bleiben weiter am Ball – „Mut zur Wahrheit“ ist unser Motto. Bitte unterstützen Sie unsere Recherchen durch ein Abonnement unseres Printmagazin.

Über den Autor

Jürgen Elsässer

Jürgen Elsässer, Jahrgang 1957, arbeitete seit Mitte der neunziger Jahre vorwiegend für linke Medien wie Junge Welt, Konkret, Freitag, Neues Deutschland. Nachdem dort das Meinungsklima immer restriktiver wurde, ging er unabhängige Wege. Heute ist er Chefredakteur von COMPACT-Magazin. Alle Onlineartikel des Autors

 

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

Empfehlen Sie diesen Artikel