Der Krieg im Nahen Osten setzt auch die Finanzwelt in Flammen. Selbst als Steuerparadies verliert die Wüstenmetropole ihre Aura der Unantastbarkeit. Vermögen wandert ab, Zürich und Genf werden zum Ziel. In unsere Ausgabe mit dem Titelthema „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ decken wir Israels Taten schonungslos auf. Hier mehr erfahren.
Angriffe und abgefangene Drohnen über den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) erschüttern das Vertrauen in Dubai als sicheren Hafen. Schweizer Banken melden einen spürbaren Zustrom. Vermögensverwalter berichten von wachsender Nachfrage aus der Golfregion, wohlhabende Kunden verlagern ihr Kapital. Institute wie UBS und andere Privatbanken verzeichnen steigendes Interesse an neuen Konten und Vermögensbuchungen.
Kapital sucht Sicherheit
Über Jahre zog Dubai Vermögen aus aller Welt an. Die glitzernde Handelsmetropole am Golf galt als logistisches Herz westlicher Firmen in der Region. Die Ölmonarchien in der Region sitzen auf einem Netz globaler Investitionen im Wert von mehreren Billionen Dollar. In den Vereinigten Arabischen Emiraten lebten zuletzt mehr als 60.000 Millionäre (Dollar), viele davon in Dubai. Steuerfreiheit, schnelle Unternehmensgründungen und ein Finanzplatz ohne große Hürden machten das Emirat zu einem Magneten für Kapital. Vermögen konnte dort flexibel investiert und verschoben werden, oft innerhalb weniger Tage.
Vermögensverwalter Bernhard Bauhofer erklärt, Dubai stehe für Tempo und Zugang zu globalen Märkten. Kapital könne dort schnell wachsen und sich bewegen. Auch die zentral gelegene geopolitische Lage spielte eine große Rolle. Das zog Investoren aus Europa, Russland und Asien an.
Jetzt bricht das Bild. Raketen und Drohnen über dem Golf verändern die Risikobewertung schlagartig. Anonyme Quellen aus diplomatischen Kreisen in der Golfregion erklärten gegenüber internationalen Medien, viele Regierungen seien überzeugt, dass die USA „die Region in einen Krieg gezogen haben, der stark von israelischen Interessen geprägt ist“. Washington habe ohne klaren Plan gehandelt und die politischen sowie wirtschaftlichen Folgen für seine Verbündeten „kaum berücksichtigt“.
Gleichzeitig beginnen mehrere Länder der Region, ihre außenpolitischen Optionen zu erweitern. Obwohl die Sicherheitsallianz mit den USA weiterhin besteht, suchen Golfstaaten verstärkt nach zusätzlichen Partnern, etwa in Europa oder Asien. Man strebe eine Strategie der außenpolitischen „Diversifizierung“ an. Vermögen sucht nicht mehr nur Rendite, sondern Schutz vor politischen und militärischen Risiken.
Neutralität gewinnt
Die Schweiz bietet genau das. Rund 2,17 Billionen US-Dollar aus dem Ausland werden dort verwaltet, ein erheblicher Teil davon aus Krisenregionen. 450 Milliarden kommen aus Nahost oder Afrika. Der Chefökonom der Economiesuisse (Dachverband der Schweizer Wirtschaft), Rudolf Minsch sagt: In unsicheren Zeiten zähle vor allem Verlässlichkeit. Genau darin liege die Stärke des Finanzplatzes.
Beratungsfirmen wie Deloitte berichten von intensiven Gesprächen zwischen Banken und großen Privatkunden. Auch die Schweizerische Bankiervereinigung betont, die Schweiz werde in unsicheren Zeiten gezielt als sicherer Hafen angesteuert und das macht sich auch strukturell bemerkbar im heimischen Arbeitsmarkt. Minsch betont: Kapitalzuflüsse „stärken Investitionen und Beschäftigung im Inland“.
Gleichzeitig entstehen aber auch Nebenwirkungen. Die Nachfrage treibt Immobilienpreise weiter nach oben. Ökonom Mathias Binswanger (Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, Privatdozent an der Universität St. Gallen) warnt, dass steigende Preise „den Zugang zu Wohneigentum für viele Haushalte weiter erschweren“.

Für Dubai zeigt sich eine andere Entwicklung. Kapital, das wegen Tempo und steuerlicher Vorteile kam, reagiert empfindlich auf Unsicherheit. Ein Finanzplatz, der auf Bewegung gebaut ist, verliert an Zugkraft, sobald Sicherheit zum entscheidenden Faktor wird.
Bauhofer fasst zusammen: Dubai lebe von Dynamik und Wachstum, die Schweiz von Vertrauen. In Krisen setzte sich Vertrauen durch. Mit Blick auf die zunehmende Deglobalisierung wohl die wichtigste Währung.
Eine ganze Region steht in Flammen und trotz internationalem Haftbefehl wird der gesuchte Kriegsverbrecher vielfach hofiert: In unserer Ausgabe mit dem Titelthema „Der Brandstifter – Wie Netanjahu die Welt anzündet“ finden Sie wichtige Hintergründe zu Israels desaströser Nahost-Politik, die der Mainstream bewusst verschweigt. Hier mehr erfahren.




