Seit Kriegsbeginn hat der Iran die amerikanischen Stützpunkte im Persischen Golf unter Feuer genommen und die USA teilweise aus der Region gedrängt. Nun koordinieren US-Offiziere Luftangriffe aus Hotelzimmern. Unsere druckfrische April-Ausgabe mit dem Titelthema ,,Gefahr für Deutschland“ zeichnet nach, was Trump und Netanjahu antreibt. Hier mehr erfahren.
In den Hotels von Manama, der Hauptstadt Bahrains, wo sonst Banker und Botschafter verkehren, haben amerikanische Soldaten Quartier bezogen. Militärplaner koordinieren Luftangriffe aus Bürogebäuden. Offiziere führen den Krieg aus provisorischen zivilen Unterkünften. Die New York Times fasst die Lage zusammen:
„Viele der 13 Militärbasen in der Region, die von amerikanischen Truppen genutzt werden, sind praktisch unbewohnbar, wobei die in Kuwait, das direkt neben dem Iran liegt, den vielleicht größten Schaden erlitten haben.“
Master Sergeant Wes J. Bryant, ehemaliger Spezialist für Zielerfassung bei den US-Luftstreitkräften, zog daraus eine nüchterne Schlussfolgerung: „Ja, wir haben die Fähigkeit, provisorische Operationszentren einzurichten. Aber man wird unweigerlich Kampfeffektivität verlieren.“ US-Verteidigungsbeamte räumten zudem ein, dass die weitläufigen Anlagen keine ausreichenden Abwehrmöglichkeiten gegen iranische Raketen und Drohnen bieten.

Doch was militärisch als Notlösung gedacht war, birgt auch eine andere Gefahr. Jahrelang warfen die USA und Israel ihren Feinden vor, sich hinter Zivilisten zu verschanzen. Aktuell befinden sich die US-Soldaten im Krieg selbst zwischen Zivilisten. Brian Castner, Krisenexperte von Amnesty International, warnt:
„Es ist gewissenlos, dass US-Streitkräfte wissentlich Zivilisten gefährden, indem sie ihre Stützpunkte verlassen und in Hotels in dicht besiedelten Stadtgebieten einziehen.“
Irans Außenminister Abbas Araghchi stellt klar: Die USA benutzen GCC-Bürger (Bürger der Golfstaaten) als menschliche Schutzschilde, und Hotels in der Region sollten keine amerikanischen Offiziere mehr aufnehmen, sonst würden sie legitimen Zielen. Die iranischen Revolutionsgarden riefen die Bevölkerung sogar auf, Verstecke amerikanischer Soldaten zu melden.
Der iranische Armeesprecher Abolfazl Shekarchi ergänzt: „Wenn alle Amerikaner in ein Hotel gehen, dann ist dieses Hotel aus unserer Sicht amerikanisch. Sollen wir einfach zusehen, während die Amerikaner uns angreifen? Wenn wir antworten, müssen wir sie dort treffen, wo sie sind.“
Vernichtende Schadensbilanz
Die US-Schadensbilanz der ersten Kriegswochen liest sich wie eine Liste des Scheiterns. An der al-Udeid Air Base in Katar, dem Vorwärtshauptquartier von CENTCOM (Regionalkommando der US-Streitkräfte) und größten amerikanischen Militärstützpunkt im Nahen Osten, zerstörte eine iranische Rakete ein Frühwarnradarsystem im Wert von 1,1 Milliarden Dollar.

Das Fünfte Flotten-Hauptquartier in Bahrain verlor nach einem Drohnenangriff seine Kommunikationsausrüstung; der Schaden belief sich auf rund 200 Millionen Dollar. Sechs US-Soldaten starben beim Raketenangriff auf Port Shuaiba in Kuwait, ein taktisches Operationszentrum der Armee wurde zerstört.
Auf der Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien trafen iranische Raketen und Drohnen fünf Tankflugzeuge. Mindestens 17 amerikanische Militär- und Diplomatenstandorte wurden beschädigt, darunter elf Stützpunkte. Pentagon-Quellen brachten es gegenüber der New York Times auf den Punkt:
„Das Ergebnis [der Zerstörung] ist ein Krieg, der viel schwerer zu führen ist.“
Auf 1,4 bis 2,9 Milliarden Dollar schätzt das Wall Street Journal die Schäden und Ersatzkosten aus den ersten drei Kriegswochen, so eine ehemalige Pentagon-Budgetbeamtin, die den Krieg für das American Enterprise Institute verfolgt. Für den Wiederaufbau dieser Infrastruktur rechnen Experten mit Jahren. Ob er überhaupt an denselben Standorten stattfinden soll, ist inzwischen die eigentliche Frage.
Iran kontrolliert den Ausgang
Hinter dem militärischen Schaden steckt eine geopolitische Logik, die klarer kaum sein könnte. Iran hat Anfang März 2026 die Straße von Hormus effektiv geschlossen und damit den einzigen Seeweg aus dem Persischen Golf in die offenen Weltmeere blockiert.
Öl und Gas aus dem Golf können seither nur noch mit Irans Einwilligung exportiert werden. Es ist das Ende einer jahrzehntelangen Ausgleichspolitik, einem Grundpfeiler der Globalisierung. Die Blockade der Hormus-Meerenge hat den amerikanisch-saudischen Pakt „Öl gegen Sicherheit“ zerstört, der seit 1945 in verschiedenen Formen Bestand hatte.
Die Golfstaaten sind für ihre Energieexporte und Lebensmittelimporte auf die Straße von Hormus angewiesen, mit Ausnahme von Saudi-Arabien und den Emiraten, die über begrenzte alternative Routen verfügen.
Andere Optionen gibt es zwar, aber sie sind unzureichend: Die kombinierten Kapazitäten der verfügbaren Pipelines betragen nur rund neun Millionen Barrel pro Tag, gegenüber den üblichen 20 Millionen über die Meerenge. Zudem sind diese Pipelines als stationäre Infrastruktur ebenso verwundbar gegenüber iranischen Raketen und Drohnen wie Schiffe, die durch die Straße fahren. Der Iran hat Geografie in einen geopolitischen Hebel verwandelt.
Israels Glück im Unglück
Während amerikanische Soldaten Hotelzimmer beziehen, denkt Israels Sicherheitsestablishment bereits weiter. Laut der Times of Israel plant man, die USA einzuladen, einige ihrer regionalen Stützpunkte in den jüdischen Staat zu verlagern und neue Einrichtungen im Land aufzubauen, sobald der aktuelle Krieg endet. Ein israelischer Sicherheitsbeamter (Name unbekannt) stellt gegenüber der Zeitung klar:
„Wir haben unseren Wert als zentraler Verbündeter der Vereinigten Staaten bewiesen – als einer, der nicht nur Stabilität bietet, sondern auch bedeutende operative und geheimdienstliche Fähigkeiten. Amerikanische Präsenz in Israel würde einen strategischen Vorteil für beide Seiten schaffen.“
Der Vorschlag ist konkret. Zur Diskussion stehen Teile der Al Udeid Air Base in Katar, das Fünfte Flotten-Hauptquartier in Bahrain und die Al Dhafra Air Base in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Standorte sollen durch neue Einrichtungen in Israel ersetzt werden, die als Logistik-Hubs fungieren und engere Zusammenarbeit bei F-35 und F-16 Kampfjets ermöglichen. Israel bietet zudem Zugang zu seinen Raketenabwehrsystemen, darunter THAAD und Patriot.
Schon vor Kriegsbeginn wurden zwölf F-22-Kampfjets auf der israelischen Ovda Air Base stationiert, das erste Mal, dass die USA offensive Waffen in Israel stationierten. Der Trend war also absehbar, auch wenn Washington ihn nicht laut sagte.
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