Rapide Zunahme psychischer Erkrankungen: AOK fragt nach Ursachen

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Laut einer AOK-Studie ist die Zahl psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren rapide angestiegen. Auch verschiedenen Gründe sind angeführt. Die allerdings verweisen auf einen größeren Zusammenhang.

Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt rapide an. Schon seit Jahren bezeichnet die WHO (Word Health Organisation) die Depression als Volkskrankheit Nummer eins und prophezeit ihr eine große Zukunft. Kürzlich fragte ich eine vielbeschäftigte Psychiaterin nach ihrer Einschätzung, ob psychische Erkrankungen in den letzten Jahren zugenommen hätten.

Sie antwortete, dass endogene, erblich hervorgerufenen Erkrankungen der Psyche prozentual weder sinken noch steigen würden. Aber die durch das soziale Umfeld ausgelösten Burn-Outs, Depressionen, Phobien und andere Angsterkrankungen schnellten rapide hoch. Das soziale bzw. ökonomische Klima der Gegenwart scheint sich auf die menschliche Psyche nicht gerade positiv auszuwirken.

Am Donnerstag legte der AOK-Bundesverband in Berlin noch einmal nach: Unter den Arbeitnehmern, die in dieser Kasse versichert sind, stieg die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Leiden um ganze 79,3 Prozent. Und die Fehlzeiten sind keineswegs kurz, sondern liegen bei 25,7 Tagen pro Fall.

Da wollte das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) doch Genaueres wissen und befragte 2000 Beschäftigte. Die Hälfte davon war in den vergangenen fünf Jahren von einem „kritischen Lebensereignis“ betroffen, das psychische Leiden (mit-) verursachen kann.

Führend sind dabei Probleme im privaten Umfeld (16 Prozent), schwere Erkrankung von Angehörigen (12 Prozent) und finanzielle Sorgen (11 Prozent). Bei den jüngeren Befragten dominierten die sozialen und finanziellen Probleme.

Solche kritischen Lebensereignisse führen laut AOK bei 58,7 Prozent zu physischen und bei 79 Prozent zu psychischen Problemen. Dadurch glaubten sich 53,4 Prozent auch beruflich eingeschränkt. Allerdings gehen 48,8 Prozent trotz der Belastung weiterhin zur Arbeit.

Natürlich darf man von solchen Studien keine Fundamentalkritik erwarten. Aber der Anstieg seelischer Erkrankungen in den letzten Jahren läuft auffallen parallel zur Liberalisierung des Marktes. Die aber hatte zur Folge: Einen hohen Billiglohnsektor (11 Prozent der psychisch Belasteten haben finanzielle Probleme, s.o.). Außerdem verkürzte Kündigungsfristen und Zunahme an Kurzzeitverträgen, was zu dauerhafter Unsicherheit führt.

Hinzu kommt die Angst vor Kündigungen, die den Betroffenen finanziell noch tiefer fallen lassen. Vor allem, wenn er bei Hartz-IV landet, wo ihn noch zusätzlicher Psycho-Druck erwartet. All diese Faktoren fließen auch ins soziale Umfeld, in die Beziehungen mit ein. Deshalb sind Probleme im privaten Umfeld (16 Prozent) teilweise auch marktbedingt. Dessen Liberalisierung und der damit einhergehende Sozialabbau sind aber noch lange nicht abgeschlossen…

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