COMPACT LIVE 16.04. Dresden: Video, Rezension, Materialien

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Rezension:

Pegida Redivivus forte – Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Neurechten oder Ihren Nationalbolschewiken

_von Sebastian Hennig

Die COMPACT-Live-Veranstaltung am 16. April in Dresden war nicht der erste gemeinsame Auftritt von Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer.  Schon ihr erstes Duett auf der Legida-Kundgebung am 21. Januar auf dem Augustusplatz in Leipzig war eine echte Sensation. Schon damals bemühten sich die beiden in ihren Reden, ein illusionsloses Bild der Lage zu zeichnen und zugleich die Hoffnung am Leben zu erhalten. Sie kamen überraschend gut damit an.

Kubitschek legte dann zur Wiederaufnahme der Pegida-Kundgebungen in Dresden am 9. Februar ein rhetorisches Meisterwerk hin, das die spontane Zustimmung der Versammelten fand. Die Presse schwieg sich weitgehend darüber aus, dass und vor allem was ein führender Kopf der „Neuen Rechten“ in Dresden redete. Die Nachrichten fabelten vom einem, dem als rechts eingeordneten Verlag Antaios nahe stehenden Redner. Jürgen Elsässer als Verschwörungstheoretiker abzutun ist ein geübter Reflex. (Der FAZ-Redakteur Lorenz Jäger schrieb übrigens: „,Verschwörungstheorie‘ ist ein Wort, vor dem nur noch kleine Kinder erschrecken sollten.“) Das aber ein Protagonist der Rechtsintellektuellen vor einigen Tausenden sprechen wird und von ihnen verstanden wird, darauf war man schlichtweg nicht vorbereitet. Die Isolationsmechanismen funktionierten bis dahin reibungslos.

Der Zustrom zu Pegida ist dann in den folgenden Wochen wieder stetig gewachsen. Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt gestand Mitte März vor dem Publikum der Veranstaltung der Technischen Universität Dresden („Volksaufstand in Elbflorenz“) ein, er sei den Nicht-Pegidaverstehern zu sehr auf den Leim gegangen, als er glaubte, der Vulkanausbruch sei vorbei, jetzt regne nur noch kalte Asche herab.

Zurück zur COMPACT-Veranstaltung am Donnerstag: Vor Monaten noch war es schwer vorstellbar, einen stilbewussten Denker wie Götz Kubitschek vor den indezenten Bannern des COMPACT-Magazins zum Publikum und in eine Kamera sprechen zu hören. Nun ließ sich der „Neurechte“ gar in ein öffentliches Gespräch mit dem „Nationalbolschewiken“ Elsässer ein, der doch noch Anfang der Neunziger ein prägender Kopf der antideutschen Ideologie war.

Mit Pegida entstand, wie Elsässer sagt, eine der letzte Hoffnungen auf die Wiederherstellung der Souveränität des Volkes. Rund hundertfünfzig Zuhörer hatten sich zu COMPACT-Live im Restaurant „Zum Steiger“ versammelt. Manierliche und gescheite Leute jeden Alters und beiderlei Geschlecht hatten sich eingefunden. Beide Redner gaben zunächst eine kurze Einschätzung der Lage, die im Inhalt fast deckungsgleich war und im Ausdruck naturgemäß differierte. Kubitschek bewirkte zustimmendes Nicken im Publikum, als er die Ausschlusssmechanismen der freien Gesellschaft aufzeigte, die den Widerstand nicht bricht, sondern einatmet. Der Gegner sei unsichtbar. Enttäuscht zeigte er sich vom Verhalten vieler Weggefährten, die nun im entscheidenden Augenblick nicht mehr zur Stelle seien, bedauert die politische Zähmung der „Jungen Freiheit“, die 25 Jahre durchgestanden hätte, um sich jetzt in den wichtigsten Fragen mit Hans-Olaf Henkel einig zu sein. Enttäuschend sei auch die AfD selbst, der Pegida einen veritablen innerparteilichen Ost-West-Konflikt beschert hat.

Jürgen Elsässer verweist auf den selbstverständlichen Nationalismus der alten Linken und kommt zu der Einsicht, dass die erstrebte Querfront sich nur von Rechts nach Links aufbauen ließe. Dem hält Götz Kubitschek entgegen, dass zunächst die Rehabilitierung der Rechten durch die Linke geleistet werden müsse. Auch betonte er seine anhaltende Distanz zu jedem gesellschaftlichen Experiment, für das die Linke immer noch steht. Kubitschek hält den Menschen für nicht optimierbar und wiederholte seine Prägung aus seiner zweiten Rede bei Legida: „Der Mensch ist ein Entwurf Gottes“. Damit trat zugleich der eigentliche Anlass des Treffens hervor: Beide Referenten hatten schon im Vorfeld klargestellt, dass sie dem Auftritt von Gert Wilders gelinde gesagt skeptisch gegenüberstehen. Sie sind sich darin einig, dass Pegida sich nicht in eine Frontstellung gegen den Islam ziehen lassen darf. Auch die Überzeugungen von Tatjana Festerling wurden in ihrer Ambivalenz für die Ziele von Pegida beleuchtet, ihr Antritt zur OB-Wahl aber von beiden befürwortet. Elsässer wies darauf hin, dass er den Ansatz von HoGeSa zutreffender fand, nämlich eine Position nicht gegen den Islam, sondern gegen die Salafisten einzunehmen, zu deren Opfern in den Bürgerkriegsländern an erster Stelle die einfachen Muslime gehören.

Kubitschek schätzte die Einladung von Pegida an Wilders richtig als einen taktischen Zug ein. Die Popularität von Wilders sollte als „Presslufthammer gegen die Schweigemauer“ wirken. Doch das Dresdner Publikum ließ kein Zweifel daran, dass diese Maxime für Pegida nicht gelten kann. Der große William Shakespeare konnte einem in den Sinn kommen, die Rede des Marc Anton, der nach dem Tyrannenmord wirkungsvoll den Bürgerkrieg anheizte: Er weckte das Andenken an Cäsars Mut und Güte und verkündete nach jedem zweiten Satz: „But Brutus is a honorable man.“ (Aber Brutus ist ein ehrenwerter Mann) So tönte auch Wilders: „Ihr seid Helden!“, um diese Helden dann zum Kanonenfutter in einem Stellvertreterkrieg hinzulenken. Lorenz Jäger meint in seinem Buch weiter, die Position Geert Wilders´ „islamfeindlich“ zu nennen „wäre fast schon eine Untertreibung“.

Eine unzulässige Übertreibung dagegen ist es, die sehr heterogene Mischung der Pegida als Umstürzler darzustellen. Es handelt sich vielmehr um einen Querschnitt der Gesellschaft, der tatsächlich am treffendsten als Volk beschrieben ist. Statt zur Revolution aufzurufen, stemmt er sich gegen einen von der politischen Kaste verordneten Umsturz. Das Volk ist störrisch geworden. Der treue lastbare Esel wittert, dass die Brücke längst durchgefault ist, über die er getrieben werden soll.

Dokumente: Ankündigung der Veranstaltung

Wohin geht PEGIDA nach der gestrigen Rede von Geert Wilders? Kann die PEGIDA-Oberbürgermeisterkandidatin Tatjana Festerling Dresden verändern? Die Debatte bei COMPACT-Live unter dem Titel “PEGIDA – Wie weiter?” zwischen Götz Kubitschek und Jürgen Elsässer am kommenden Donnerstag in Dresden verspricht Hochspannung.

Das Interesse ist bereits riesig. Bitte Tickets vorbestellen, damit wir für ausreichend Platz sorgen können.

Es gibt zwar auch eine Abendkasse – aber wenn die Karten vorher weg sind, sind sie weg…

Am Donnerstag, 16.04. 2015 um 19 Uhr
Im Restaurant Steiger am Landhaus Dresden
Wilsdruffer Straße 4-6
01067 Dresden

Die Paarung an diesem Abend verspricht einen ebenso offenen wie fairen Schlagabtausch: Mit COMPACT-Chefredakteur Jürgen Elsässer, dem alten Nationalbolschewiken, diskutiert der “neue Rechte” Götz Kubitschek, Chef des Magazins “Sezession”. Natürlich trennen beide, ideologisch gesehen, Welten – aber immer, wenn sie gemeinsam auftraten (zum Beispiel am 21.1. bei Legida in Leipzig), war das Publikum ganz angetan und tat sich schwer, die Unterschiede zwischen beiden Rednern herauszuhören.

Info-Material, zur Einstimmung auf die Veranstaltung

– PEGIDA – Wie weiter? Einige knappe Thesen beider Referenten. (Hier weiterlesen)

– Elsässers aktueller Blogbeitrag vom 13.2.: Pegida heute: Kubitschek sticht Wilders aus .

– Videomitschnitt des erfolgreichen Vortrags vom marxistischen Philosophen Peter Feist: “PEGIDA – Antwort auf die Krise der Nation?”, COMPACT-Live in Dresden, Januar 2015 .

– Jürgen Elsässers Reden bei Legida (Leipzig):

1. Rede vom 21. 01. 2015

2. Rede vom 23.02.2015

– Elsässers Blogbeitrag “PEGIDA: Zwei kluge Einwände, die trotzdem falsch sind”

– Jürgen Elsässer im Gespräch: COMPACT 1/2015 – Merkel Multikulti contra PEGIDA

– RTdeutsch-Video: Elsässer verteidigt Pegida bei Russia Today

– Elsässers Blogbeitrag: Tatjana Festerling rockt Pegida. Wird sie Dresdens neue OB?

– Elsässers Blogbeitrag: Türkischer Komponist unterstützt Pegida

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