Mit der Entführung von Nicolas Maduro beginnt die stille Einnistung amerikanischer Machtstrukturen in Venezuela. Während das Außenministerium offiziell die Rückkehr diplomatischer Normalität vorbereitet, nimmt im Hintergrund eine andere Architektur Gestalt an: eine geheimdienstliche Infrastruktur der CIA. Ein echter Augenöffner: Anti-Spiegel-Macher Thomas Röper deckt in „Gesteuerte Wahrheit“ auf, wie Geheimdienste, NGOs, globale Oligarchen und transatlantische Thinktanks die westlichen Medien lenken. Hier mehr erfahren.

    Die Planungen gelten als diskret, aber weit fortgeschritten. Die Central Intelligence Agency (CIA) und das State Department stimmen derzeit ab, wie die amerikanische Rückkehr nach Venezuela dauerhaft organisiert werden soll. Offiziell ist vorgesehen, dass das Außenministerium die Führung übernimmt, sobald sich die Sicherheitslage stabilisiert.

    Doch Caracas gilt als zu fragil für klassische Diplomatie. In dieser Phase, so heißt es aus Regierungskreisen, müsse ein Akteur übernehmen, der auch ohne öffentliche Hoheitszeichen operieren kann.

    Einfluss ohne Flagge

    In Washington gilt seit Jahrzehnten eine informelle Arbeitsteilung, die in Übergangssituationen immer wieder zum Tragen kommt. Offizielle Diplomatie schafft Sichtbarkeit, während die eigentliche Steuerung im Hintergrund erfolgt. Ein ehemaliger US-Beamter (anonym) beschrieb diese Arbeitsteilung auch in Bezug auf Venezuela ungewöhnlich offen:

    „Das State Department pflanzt die Flagge – den eigentlichen Einfluss organisiert die CIA.“

    Geplant ist zunächst kein regulärer Botschaftsbetrieb, sondern ein sogenanntes „Annex“, also eine vorgeschobene CIA-Einrichtung, von der aus Kontakte geknüpft, Allianzen geprüft und potenzielle Störfaktoren identifiziert werden.

    Noch bevor Diplomaten offiziell tätig werden, sollen Geheimdienstoffiziere Gespräche führen, die politisch zu heikel, juristisch zu unsauber oder strategisch zu sensibel wären, um sie dem Protokoll zu überlassen.

    Der Vergleich mit der Ukraine fällt in internen Kreisen nicht zufällig. Auch dort ging der amerikanische Einfluss einer geheimdienstlichen Vorhut voraus: Ab 2014 unterhielt die CIA ein Netzwerk von rund zwölf geheimen Stützpunkten entlang der russischen Grenze, von denen aus militärische- und wirtschaftliche Daten erhoben und enge Kontakte zu ukrainischen Diensten gepflegt wurden. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow reagierte auf entsprechende Berichte mit der Bemerkung, es handle sich „sicherlich nicht nur um zwölf“ Einrichtungen.

    Entführungs-Vorarbeit im Verborgenen

    Dass der amerikanische Auslandsgeheimdienst nun eine zentrale Rolle übernimmt, ist daher kein Bruch, sondern die konsequente Fortsetzung einer bereits laufenden Operation. Schon Monate vor dem Zugriff auf Maduro waren CIA-Offiziere verdeckt im Land aktiv. Ein kleines Team erstellte Bewegungsprofile, analysierte Sicherheitsroutinen und identifizierte interne Bruchlinien im Machtapparat.

    Der Weltsheriff in Aktion. Das erste Bild nach der Festnahme von Staatschef Maduro. Foto: Screenshot TV

    Entscheidend war offenbar eine Quelle innerhalb des venezolanischen Staatsgefüges selbst, die den USA detaillierte Hinweise zu Maduros Aufenthaltsorten und Gewohnheiten lieferte. Ohne diese Vorarbeit wäre die Operation kaum denkbar gewesen.

    In der internen Terminologie der Dienste handelt es sich bei solchen Informanten um ein sogenanntes „Asset“, eine menschliche Quelle mit direktem Zugang zum Machtzentrum, deren Informationen operativ höher gewichtet werden als technische Aufklärung oder Satellitendaten.

    Entscheidung nach Aktenlage

    Auch die politische Neuordnung nach Maduros Sturz wird folgerichtig nicht dem Zufall überlassen. Die Entscheidung Washingtons, Übergangspräsidentin Delcy Rodriguez vorerst zu stützen und nicht die international besser vernetzte Oppositionsfigur Maria Corina Machado, soll auf einer internen CIA-Analyse beruhen.

    Darin wurden die unmittelbaren Folgen eines Machtwechsels, mögliche Instabilitäten sowie die Frage bewertet, mit wem sich kurzfristig Kontrolle ausüben lässt. Ein umfassender Regimewechsel, inklusive ideologischer Neuausrichtung, galt demnach als zu riskant und kaum durchsetzbar. Demokratieförderung spielte dabei offenbar eine nachgeordnete Rolle.

    Diese Abwägung führte Washington bewusst nicht zur Oppositionsführerin, sondern zur inneren Machtfigur des alten Regimes selbst: Unter Chavez Karriere gemacht und durch Maduro zur Vizepräsidentin geworden.

    Maduros Vorgänger Hugo Chavez. Delcy Rodriguez machte unter ihm Karriere. Foto: Dilma Rousseff, CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons

    Trump lobte Rodriguez nach der Festsetzung Maduros ausdrücklich als jemanden, der „im Grunde bereit ist, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder großzumachen“, und versicherte, sie habe ihm gegenüber erklärt, sie werde „alles tun, was die Vereinigten Staaten von ihr verlangen“ ,auch wenn sie „eigentlich keine Wahl“ gehabt habe.

    Rodriguez selbst bemühte sich in ersten öffentlichen Erklärungen um eine Balance aus Kooperation und behaupteter Souveränität. In einer Botschaft an die Welt und die USA erklärte sie, Venezuela „strebe danach, ohne externe Bedrohungen zu leben“ und wolle „ausgewogene und respektvolle“ Beziehungen zu Washington, die auf „gegenseitigem Respekt der Souveränität und Nicht-Einmischung“ beruhen, und lud die US-Regierung ein, „an einer Agenda der Zusammenarbeit“ zu arbeiten. Diesen Monat hatten beide ein Telefonat, dass laut Trump ,,sehr gut“ verlaufen sei.

    Delcy Rodríguez leitet eine Sitzung des venezolanischen Ministerrats in Caracas, 04.01.2026.Foto: Pressestelle des Präsidentenamtes von Venezuela / Public Domain, Wikimedia Commons, CC0 1.0

    Gleichzeitig äußerte Rodriguez mehrfach, sie habe „genug von Washingtons Befehlen“ und stellt klar, dass man ,,nicht der Sklave der USA“ sei. Ihre Forderungen, dass venezolanische Politik intern gelöst werde, ohne äußeren Druck, ein Ton, der in Caracas als betonte Souveränität, in Washington aber als Warnsignal gelesen wird.

    Ihre systemtreue Biografie macht sie für Washington zwar zunächst kontrollierbar, zugleich aber zur unsicheren Bank: Viele venezolanische Beobachter sehen in ihr weniger eine Brückenbauerin als eine Verfechterin des alten Machtapparats.

    Bei einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats erklärte Außenminister Marco Rubio, die Vereinigten Staaten seien bereit, erneut militärische Gewalt gegen Venezuela anzuwenden, sollte sich die Führung in Caracas einer Zusammenarbeit mit Washington verweigern. Man hoffe, so Rubio, dass es nicht dazu komme. Doch man werde „der Pflicht gegenüber dem amerikanischen Volk und der Mission in dieser Hemisphäre nachkommen, wenn andere Mittel versagen“.

    Zugleich machte Rubio deutlich, welche Form diese „Zusammenarbeit“ annehmen soll. Die amtierende Präsidentin Venezuelas habe zugesichert, den Energiesektor für amerikanische Unternehmen zu öffnen, ihnen bevorzugten Zugang zur Ölförderung zu gewähren und die Einnahmen aus dem Ölverkauf verstärkt für den Erwerb US-amerikanischer Waren zu verwenden.

    Zwei Republikaner mit unterschiedlichen Akzenten: Donald Trump und Marco Rubio bei einer Wahlkampfveranstaltung 2024. Foto: Screenshot ZDF

    Die Frage der Wiederaufnahme der Botschaftsarbeit läuft parallel, und auffällig langsam. Zwar wurden erste diplomatische und technische Teams nach Caracas entsandt, um den Zustand der seit 2019 geschlossenen US-Vertretung zu prüfen. Doch selbst in Washington rechnet kaum jemand mit einer raschen Rückkehr regulärer Arbeit.

    Diplomatie als Kulisse

    Präsident Donald Trump hat diese Linie früh markiert. Seine Aussage, die USA würden Venezuela nun „führen“, klang nach improvisierter Rhetorik, wurde in den Behörden jedoch als strategische Rückendeckung verstanden. Die konkrete Zieldefinition fehlt bis heute, ein Umstand, den selbst involvierte US-Beamte intern kritisieren. Dennoch gilt: Die Strukturen werden aufgebaut, der Zweck kann später präzisiert werden.

    In diese Logik fügt sich auch der frühe Besuch von CIA-Direktor John Ratcliffe in Caracas ein. Noch vor hochrangigen Diplomaten traf er Vertreter der Übergangsregierung und militärische Entscheidungsträger.

    Bei seinem Treffen mit der Rodriguez machte Ratcliffe deutlich, welche Erwartungen Washington an Caracas knüpft: Er stellt klar, dass die Vereinigten Staaten eine „verbesserte Arbeitsbeziehung“ anstreben und dass Venezuela ,,nicht länger ein sicheres Refugium für Amerikas Gegner, insbesondere für Drogenhändler, sein darf“. Entsprechende Lagebilder, so heißt es, werde nicht das Außenministerium liefern, sondern der Nachrichtendienst selbst.

    Berüchtigt: Der US-Geheimdienst CIA. Foto: BreizhAtao / Shutterstock

    Damit entsteht in Venezuela eine Doppelstruktur: eine sichtbare, diplomatische, und eine unsichtbare, operative. Während nach außen Normalität simuliert wird, formiert sich im Hintergrund ein Netzwerk aus Abhängigkeiten und stillen Absprachen. Für Washington ist das effizient. Für Venezuela bedeutet es, dass politische Entscheidungen weniger in Regierungsgebäuden fallen, sondern in Räumen ohne Namensschilder.

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