Am Bayerischen Hof zündeln die Eliten am nächsten Brandherd in Nahost. Draußen fordert der iranische Kronprinz Bomben auf das eigene Land. Während die Eskalation auf zwei Bühnen synchron läuft, verkünden die Schlagzeilen bereits die passende Kulisse: 250.000 Jubelperser sollen es gewesen sein. Militärische Eskalationen und machtpolitische Drohgebärden aus Washington zwingen die Blauen zur Richtungsentscheidung. Dies und die neue Nationale Sicherheitsstrategie sind die Schwerpunkte der Februar-Ausgabe von COMPACT mit dem Titelthema „USA und AfD – Gefährliche Liebschaft“. Jetzt erhältlich. Hier mehr erfahren.

    Reza Pahlavi trat am Samstag auf der Theresienwiese in München vor die Menge. Der Sohn des 1979 gestürzten Schahs lebt seit Jahrzehnten im US-Exil und wirbt international für einen politischen Sturz im Heimatland. In seiner Rede forderte er den Westen auf, „jetzt zu handeln“ und fordert den direkten Eingriff des Westens: Man müssen nun „entschlossen handeln“ und dürfe dem Regime „keine Lebensader“ lassen. Jegliches Zögern würde der Islamischen Republik ,,Zeit kaufen“.

    Wenig später wurde der Prinz auf der Münchner Sicherheitskonferenz hofiert, noch im Vorjahr wurde er nicht eingeladen. Dort verschärfte er seine Aggression: Das Regime in Teheran stehe „dem Zusammenbruch nahe“, der Westen dürfe „nicht untätig bleiben“. Eine US-Militäroperation könne das System „schwächen oder seinen Fall beschleunigen“. Damit rückte er die Debatte offen in den Bereich möglicher Interventionen.

    Westliche Poltergeister

    Nach Pahlavi trat auf der Theresienwiese eine Reihe weiterer Redner ans Mikrofon, die den Ton weiter zuspitzten. Der Publizist Michel Friedman griff die Führung in Teheran frontal an und sprach von einem Regime, das Religion missbrauche und international isoliert werden müsse. Wirtschaftliche Beziehungen mit der Islamischen Republik stellte er offen infrage: „Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt“ schrie er den Exil-Iranern zu und ergänzte: „Der Iran mit diesem Regime darf niemals Atomwaffen haben.“

    Er warf der Regierung vor, ,,den Islam, den Koran zu missbrauchen“. Und weiter: ,,Die Welt schaut seit 47 Jahren zu.“ Friedman forderte die ,,Isolation der Machthaber in Iran“ und ein Ende der Handelsbeziehungen.

    Mit Lindsey Graham, republikanischer Senator aus South Carolina, bekam die Demonstration eine deutlich strategischere Note. Er gehört seit Jahren zu den außenpolitischen Hardlinern in Washington. In München polterte er: „Die Ayatollahs müssen gehen. Das iranische Volk wird seine Freiheit gewinnen.“ Und weiter: „Ich bin hier, um euch zu helfen, dieses Regime loszuwerden. Hilfe ist unterwegs.“ Diese Worte gehen über symbolische Solidarität hinaus. Graham sprach nicht nur von Unterstützung, sondern von einem politischen Ziel: dem Ende der bestehenden Machtstruktur in Teheran. Der Begriff „Hilfe“ bleibt bewusst offen.

    Graham bei einer Rede im Oktober 2015. Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons

    Graham gilt als enger Verbündeter von Donald Trump, insbesondere in Fragen nationaler Sicherheit. Er unterstützte Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und befürwortete eine Politik des „maximalen Drucks“. In der Vergangenheit sprach er sich wiederholt für militärische Optionen gegen iranische Ziele aus und verteidigte gezielte Angriffe als legitimes Mittel amerikanischer Außenpolitik. Erst am 10. Januar ließ er auf X verlauten:

    „Es ist jetzt Zeit, entschlossene militärische Maßnahmen zu ergreifen – keine Bodentruppen –, aber gezielte Angriffe auf diejenigen, die töten.“

    Seine Kriegslust auf den Iran ist dabei nur ein Vorgeschmack auf noch radikalere Forderungen zum Ukrainekrieg. So lobte er die ukrainische Kursk-Offensive (direkte Invasion Russlands) als „kühn, brillant, großartig“ und forderte offen: „Gebt ihnen verdammt noch mal die Tomahawks.“ Gemeint waren amerikanische Marschflugkörper, mit denen Kiew tief im russischen Hinterland zuschlagen könnte. Das Graham als enger Vertrauter Trumps gilt, ist mehr als bedenklich.

    Der Zahlen-Fake von München

    Während auf der Bühne vom Sturz der Ayatollahs gesprochen wurde und ein amerikanischer Senator „Hilfe“ ankündigte, verbreitete sich fast zeitgleich eine Zahl, die der Veranstaltung historische Wucht verleihen sollte: 250.000 Teilnehmer. Zuerst wurde die Zahl von der Münchener Polizei angegeben.

    Eine Viertelmillion Menschen auf der Theresienwiese, das klingt nach Massenbewegung, nach Wendepunkt, nach politischem Momentum. Große deutsche Medien übernahmen diese Angabe rasch. Sie passte ins Bild eines Regimes „am Rand des Zusammenbruchs“ und eines Westens, der nur noch entschlossen zugreifen müsse. Das Onlinemedium NIUS frohlockte auf X:

    ,,Eine solche Demonstration hat es in München schon lange nicht mehr gegeben. 200.000 Menschen verwandelten die Theresienwiese in ein Fahnenmeer und attackieren die Mullah-Führung im fernen Iran. NIUS vor Ort.“

    Doch wer das verfügbare Bildmaterial nüchtern betrachtet, erkennt keine durchgehend verdichtete Menschenmenge dieser Dimension. Die Theresienwiese fasst zwar bei vollständiger Auslastung enorme Menschenmengen, etwa beim Oktoberfest. Eine echte Viertelmillion hinterlässt ein anderes visuelles Muster: geschlossene Fläche, kaum sichtbare Zwischenräume, durchgehende Dichte.

    Die veröffentlichten Aufnahmen zeigen hingegen Abschnitte mit großen erkennbaren Lücken, seitliche Perspektiven ohne Gesamtüberblick und bislang keine klaren Luftbilder, die eine solche Größenordnung zweifelsfrei belegen. Kritiker sprechen von maximal 30.000 Teilnehmern.

    Selenski rückt Iran ins Fadenkreuz

    Die Wortmeldungen auf der Straße fanden im Bayerischen Hof ihr diplomatisches Echo. US-Außenminister Marco Rubio formulierte die amerikanische Linie zu außenpolitischen Konflikten, auch mit Bezug auf den Iran, mit bemerkenswerter Deutlichkeit. Die Verbündeten dürften sich nicht mit einem „defekten Status quo“ abfinden, sagte er.

    Unter Strom: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski bei einer Pressekonferenz. Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

    Selbst Wolodimir Selenski bezog den Iran ausdrücklich in seine Überlegungen ein. Er traf sich mit Prinz Phalavi und betonte die „Bedeutung der Verstärkung von Sanktionen gegen das iranische Regime und andere autoritäre Regime“. Zur Einordnung: Seit 2022 finden in der Ukraine keine Wahlen mehr statt. In den vergangenen zehn Jahren wurden mindestens zwölf (meist pro-russische) Parteien verboten.

     

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