Zehntausende Jugendliche verlassen die Klassenzimmer und strömen auf die Straßen. In Hunderten Städten formiert sich Widerstand gegen die Rückkehr des Kriegsdienstes. Trotz politischer Empörung und strafrechtlicher Ermittlungen treten die Schüler geschlossen auf. Wie Deutschland ruiniert wird, erfahren Sie in COMPACT: Der Totengräber. Wie Merz Deutschland das Grab schaufelt. Der Kanzler verschärft die Krise. Lesen Sie mehr. 

    Am Morgen des 5. März bleiben viele Stühle in den Klassenzimmern leer. Vor dem Potsdamer Platz in Berlin sammeln sich Schülergruppen mit Bannern und Fahnen. „Nie wieder Wehrpflicht!“ schallt es zwischen den Häuserfronten. Auch auf dem Postplatz in Dresden und vor dem Neuen Rathaus in Leipzig ziehen junge Demonstranten durch die Innenstädte, halten handgemalte Plakate in die Höhe und rufen Sprechchöre wie „Bildung statt Aufrüstung“ oder „Kein Mensch, kein Cent der Bundeswehr“. In Nordrhein-Westfalen gehen Schüler unter anderem in Dortmund, Bonn, Essen und Bielefeld auf die Straße.  Hier ist „Sterben steht nicht auf dem Stundenplan“ oder „Friedrich Merz an die Front“ zu lesen.

    Sollen der Landesverteidigung dienen: Angehörige der Bundeswehr bei einer Parade in Rumänien 2019. Foto: Mircea Moira / Shutterstock

    Bundesweit beteiligen sich laut Organisatoren rund 50.000 Schüler in mehr als 130 Städten an dem Aktionstag. Hintergrund der Demonstrationen ist ein neues Wehrdienstgesetz, das seit 1. Januar 2026 gilt. Alle jungen Erwachsenen erhalten künftig einen Fragebogen zur Eignung und Bereitschaft für den Dienst in der Bundeswehr.

    Für Männer ist die Rücksendung verpflichtend, außerdem kann eine Musterung wieder eingeführt werden. Die Rekrutierung bleibt zunächst freiwillig, doch die Regierung hält sich eine Reaktivierung der Wehrpflicht offen, falls sich zu wenige Freiwillige melden.

    Von Ost bis West

    Schon beim ersten Aktionstag am 5. Dezember 2025 zeigte sich die Mobilisierungskraft in der ganzen Republik. Nach Angaben der Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ beteiligten sich bundesweit über 55.000 Jugendliche in mehr als 90 Städten.

    Besonders groß fiel die Demo in Berlin aus. Dort sprachen die Veranstalter von bis zu 10.000 Teilnehmern, während die Polizei rund 3.000 Demonstranten zählte. Auch in Hamburg gingen Tausende auf die Straße. In Leipzig, Dresden und München versammelten sich etwa 2.000 Schüler.

    Auch zahlreiche mittelgroße Städte meldeten volle Plätze. In Dortmund, Kiel und Potsdam beteiligten sich jeweils rund 1.000 Jugendliche. Selbst in kleineren Städten wie Flensburg oder Lübeck kamen mehrere Hundert Teilnehmer zusammen.

    Ein Sprecher der Organisatoren sprach von einem deutlichen Signal aus der jungen Generation:
    „Über fünfzigtausend Schüler haben gezeigt, dass sie sich nicht einfach übergehen lassen. Fragen von Krieg und Frieden betreffen unsere Zukunft.“

    Zweiter Aktionstag erreicht noch mehr Städte

    Beim zweiten bundesweiten Protesttag am 5. März 2026 blieb die Gesamtzahl ähnlich hoch. Laut Organisatoren beteiligten sich über 50.000 Demonstranten, diesmal jedoch verteilt auf rund 140 bis 150 Städte. Ein Organisator erklärte dazu:

    „Dass sich diesmal so viele neue Städte beteiligen, zeigt, wie stark sich der Protest ausbreitet. Schüler wollen mitreden, wenn über Militärdienst und Aufrüstung entschieden wird.“

    Die Veranstaltungen erreichten damit deutlich mehr Orte als noch im Dezember. In Berlin versammelten sich erneut mehrere Tausend Schüler. Kiel und München meldeten jeweils rund 600 Teilnehmer, Stuttgart und Freiburg etwa 500. Auch in Städten wie Rostock, Bochum oder Nürnberg gingen Hunderte Jugendliche auf die Straße.

    Festnahmen bei Demos

    Besonders viel Aufmerksamkeit erregten einzelne Transparente. In Berlin nahm die Polizei einen jugendlichen Demonstranten vorübergehend in Gewahrsam, nachdem er ein Plakat mit der Aufschrift „Merz leck Eier“ gezeigt hatte. Gegen ihn wird nun wegen Beleidigung des Bundeskanzlers ermittelt.

    Auch in München kam es zu einem ähnlichen Vorfall. Dort zeigten Jugendliche ein Transparent mit der Aufschrift „Merz, stirb doch selbst an der Ostfront“. Die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Nicole Gohlke, bestätigte, dass es auch dort zu vorübergehenden Festnahmen kam. Die Polizei prüft ebenfalls Ermittlungen wegen Politikerbeleidigung. Nach Polizeiangaben beteiligten sich an der Münchner Demonstration rund 600 Menschen.

    Distanzierung aus der AfD-Jugend

    Auch politisch rufen die Demonstrationen unterschiedliche Reaktionen hervor. Der Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“, Jean-Pascal Hohm, distanzierte sich von Teilen der Proteste:

    „Die Wehrpflicht ist für uns kein Tabu. Deutschland muss verteidigungsfähig bleiben.“

    Demonstrationen seien zwar legitim, doch eine grundsätzliche Ablehnung militärischer Dienste teile seine Organisation nicht. Der 1997 geborene AfD-Politiker sitzt für seine Partei im Brandenburger Landtag und übernahm im vergangenen Jahr den Vorsitz der Jugendorganisation Generation Deutschland, die aus der umstrittenen Jungen Alternative hervorgegangen ist.

    In unserer COMPACT-Ausgabe „Der Totengräber“ zerlegen wir Merz‘ Unfähigkeit bis ins Letzte: Von gebrochenen Versprechen bis hin zu seiner Totalrückzugshaltung. Lesen Sie nach, warum dieser Kanzler das Land in den Abgrund führt – und wie Alternativen aussehen könnten. Hier gleich bestellen.

     

     

     

     

     

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