China zieht die Daumenschrauben an. Die Entführung des venezolanischen Präsidenten löste in der Volksrepublik eine Kettenreaktion aus, wie sie das internationale Handelssystem noch nicht erlebt hat. Binnen Stunden wurde aus einer regionalen Krise ein Brandbeschleuniger der Deglobalisierung. Kriege, Blockaden, Sanktionen, neue Machtachsen: Die geopolitischen Spannungen unserer Zeit verändern nicht nur Grenzen, sondern auch Märkte. COMPACT: 2026 – Jahr des Goldes. Das Ende des Dollars und was danach kommt, widmet sich dem großen Wendepunkt der Weltfinanzen. Erfahren Sie mehr.
Aus chinesischer Sicht markiert der Angriff auf Caracas eine Zäsur. Die Aggression gegen Venezuela wird als direkter Angriff auf das Prinzip der multipolaren Ordnung verstanden, und damit als Herausforderung an die BRICS-Staaten insgesamt.
Entsprechend fiel die Antwort des asiatischen Drachen aus: China setzte gezielt bei Finanzströmen, Energierouten und den wirtschaftlichen Grundlagen amerikanischer Macht an.
120-Minuten Strategieberatung
Noch am Tag der Entführung (03. Januar) ließ Staatspräsident Xi Jinping den Ständigen Ausschuss des Politbüros zusammenrufen. Die Sitzung ungewöhnlich kurz. Exakt zwei Stunden tagte das engste Machtzentrum der Volksrepublik, ohne anschließende Erklärung, ohne diplomatische Begleitmusik a la Trump.
Was in dieser Sitzung freigegeben wurde, bezeichnen chinesische Strategen als eine ,,asymmetrische Gesamtantwort“: Die Umsetzung begann nahezu geräuschlos. Während international noch über Motive und Hintergründe der Entführung spekuliert wurde, liefen in China bereits am folgenden Morgen die ersten Maßnahmen an. Die Nächsten folgten Schlag um Schlag.

Um 9:15 Uhr Ortszeit, griffen erste Weisungen der chinesischen Zentralbank. Mehrere staatliche Institute setzten US-Dollar-Transaktionen mit amerikanischen Konzernen aus, die dem Verteidigungs- und Sicherheitssektor zugeordnet werden. Branchenkreise nennen unter anderem Boeing, Lockheed Martin, Raytheon und General Dynamics.
Betroffen waren keine Massenüberweisungen, sondern gezielt Wartungsverträge, Lizenzzahlungen und Finanzierungen. Für die Konzerne bedeutete das: laufende Projekte gerieten ins Stocken und Zahlungszusagen verloren ihre Gültigkeit. „Das ist kein klassisches Sanktionsinstrument“, sagt der Geoökonom Zoltan Pozsar, früher Chef-Analyst bei der Credit Suisse, ,,es ist ein Eingriff in die Funktionsfähigkeit.“ Offiziell war in China von „technischen Prüfungen“ die Rede.
Um 11:43 Uhr folgte der nächste Schlag. Die staatliche State Grid Corporation of China (zuständig für Großteil des Netzbetriebes in China) kündigte eine „technische Überprüfung“ sämtlicher Verträge mit US-Zulieferern an.
Nach Angaben aus Branchenkreisen könnten davon unter anderem US-Konzerne wie General Electric, Eaton, Honeywell oder Emerson Electric betroffen sein, allesamt Anbieter zentraler Komponenten für Stromnetze und industrielle Steuerungssysteme. Öl und Gas, bislang für westliche Abnehmer vorgesehen, flossen verstärkt in Richtung Indien, Brasilien und Südafrika.
US-Experten schlagen Alarm
Am frühen Nachmittag, gegen 14:17 Uhr, griff Peking in den globalen Warenverkehr ein. Die staatliche Reederei China Ocean Shipping Company, zuständig für rund 40 Prozent der weltweiten Containerkapazitäten, leitete eine operative Routenanpassung ein. Chinesische Frachter mieden plötzlich US-Häfen wie Long Beach, Los Angeles, New York und Miami.
Die Folgen waren unmittelbar. Rund 35 Prozent des Containeraufkommens fielen in diesen Häfen weg. Besonders betroffen: Handelsriesen wie Walmart, Amazon und Target, deren Geschäftsmodelle auf reibungsloser China-Logistik beruhen. „China setzt hier nicht auf Blockade, sondern auf Steuerung“, sagt Lars Jensen, einer der weltweit führenden Experten für Containerlogistik.
Er fährt fort: „Schon kleine Verschiebungen bei Routen und Abfertigung reichen aus, um Lieferketten massiv unter Druck zu setzen.“ Auch in den USA wächst die Nervosität. Der frühere US-Schifffahrtsmanager und Logistikberater John McCown warnt, dass Änderungen bei den Prioritäten chinesischer Reedereien „für den Handel hochproblematisch“ seien. Solche Eingriffe träfen erfahrungsgemäß zuerst große US-Einzelhändler, die stark von China-Logistik abhängen.
Nun setzte Peking einen weiteren entscheidenden Hebel in Bewegung. Die China National Petroleum Corporation, größter staatlicher Ölkonzern der Welt, kündigte die strategische Neuordnung ihrer globalen Lieferwege an. Damit wurde die Energiefrage bewusst zur Machtfrage erklärt. Konkret bedeutete dies die Aufhebung von Öl-Lieferverträgen mit US-Raffinerien im Umfang von rund 47 Milliarden Dollar pro Jahr.

Die betroffenen Liefermengen, bislang vor allem für die Ostküste der Vereinigten Staaten bestimmt, wurden neu disponiert. Stattdessen flossen sie fortan nach Indien, Brasilien, Südafrika sowie an weitere Partner im Globalen Süden. Die Wirkung ließ nicht auf sich warten: Innerhalb weniger Stundenschoss der Ölpreis um 23 Prozent in die Höhe.
Am späten Nachmittag, um 16:22 Uhr, weitete Peking die Offensive aus. Außenminister Wang Yi bot Brasilien, Indien, Südafrika, Iran, Indonesien, der Türkei und weiteren Staaten bevorzugte Handelsbedingungen an, unter einer klaren Bedingung: keine Anerkennung einer durch US-Einfluss installierten Regierung in Caracas.
Innerhalb von 24 Stunden schlossen sich 19 Staaten an. Brasilien machte den Anfang, Indien und Südafrika folgten. Multipolarität wurde damit nicht beschworen, sondern praktiziert.
Geld regiert die Welt
Am folgenden Tag aktivierte China sein grenzüberschreitendes Zahlungssystem als Alternative zu SWIFT. Unternehmen und Staaten erhielten erstmals eine funktionierende Möglichkeit, internationale Transaktionen außerhalb der US-kontrollierten Finanzarchitektur abzuwickeln.

Innerhalb von 48 Stunden wurden Zahlungen im Umfang von 89 Milliarden Dollar abgewickelt. Zentralbanken aus 34 Ländern eröffneten operative Konten. Ein Schritt, der die Entdollarisierung spürbar beschleunigte.
Parallel dazu kündigte China Einschränkungen beim Export Seltener Erden an, ein sensibler Punkt für US-Konzerne wie Apple, Intel, Microsoft und Google.
„Hier liegt Chinas stärkster Hebel“, sagt die Asien-Ökonomin Alicia Garcia-Herrero. „Nicht im Verbot, sondern in der Kontrolle.“
Finanzfront weiter sich in den Westen aus
Parallel dazu begann sich auch das internationale Umfeld sichtbar zu verschieben. Dänemark etwa signalisierte, im Kontext einer möglichen Grönlandinvasion, erhebliche Bestände an US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, ein Schritt, der für sich genommen bereits Druck erzeugt.
China selbst geht seit Jahren deutlich weiter und reduziert seine US-Anleihebestände schrittweise in einer Größenordnung von mehreren Hundert Milliarden Dollar. Die Botschaft ist klar: Die finanzielle Basis amerikanischer Dominanz steht zunehmend zur Disposition.

Noch gravierender sind jedoch die Verschiebungen im realen Handel. Kanada, zuletzt politisch unter Druck geraten und offen mit Strafmaßnahmen konfrontiert, lockerte überraschend seine bislang restriktive Haltung gegenüber China. Ottawa öffnete den Markt für chinesische Fahrzeuge zu deutlich reduzierten Zöllen, ein Bruch mit der bisherigen Blockadelinie westlicher Industrienationen.
Im Gegenzug sicherte sich Peking langfristige Lieferverträge für kanadisches Getreide in erheblichem Umfang. Für China ist das ein strategischer Gewinn in der Ernährungssicherheit. Für die USA hingegen ein schmerzhafter Verlust: Der nordamerikanische Agrarmarkt galt in Washington lange als faktische Einflusssphäre, als zuverlässige Quelle, auf die man quasi selbstverständlich zugreifen könne.
Auf dem heutigen Weltwirtschaftsforum in Davos sprach Kanadas Premierminister Mark Carney ungewöhnlich offen über das Ende der bisherigen Weltordnung. Die viel beschworene „regelbasierte internationale Ordnung“ sei, so Carney, schon lange eine nützliche Fiktion gewesen. Man habe gewusst, dass Regeln selektiv angewandt würden und wirtschaftliche Integration zunehmend als Druckmittel diene. Dieses stillschweigende Arrangement habe unter amerikanischer Hegemonie funktioniert – „doch dieses Schnäppchen funktioniert nicht mehr“.
COMPACT: 2026 – Jahr des Goldes. Das Ende des Dollars und was danach kommt: wie geopolitische Konflikte, strategische Blockaden und wirtschaftliche Machtverschiebungen den Wert von Vermögen neu definieren. Hier mehr erfahren.




