Laschet ist gewählt – ohne AfD Stimmen!

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Kaum drei Stunden ist es her, dass Armin Laschet mit genau den 100 Stimmen gewählt wurde, die man ihm rechnerisch zuordnen konnte, da gibt es schon zwei Interpretationen des heutigen Tages in der AfD.

_von unserem Düsseldorfer Korrespondenten

Aber der Reihe nach: nach den Turbulenzen des gestrigen Tages konnte man sehr gespannt auf die heutige Pressekonferenz der AfD sein. Würde die nordrhein-westfälische Fraktion unter Marcus Pretzell ausgerechnet Armin Laschet helfen, ins Ministerpräsidentenamt gehievt zu werden?

„Aber nicht doch…“ – so sinngemäß die Aussage des Fraktionschefs bei der heutigen Pressekonferenz. Man hätte lediglich strategische Gespräche geführt, Wahloptionen eruiert. Die vom Stern kolportierte Probeabstimmung vor sieben Tagen, bei der 14 von 16 Fraktionsmitgliedern für „Türken-Armin“ gestimmt hätten – die hätte es nicht gegeben!

Im Plenarsaal gab es dann wieder eine Überraschung, nämlich 16 ungültige Stimmen bei der Abstimmung, was zufällig genau der Zahl der AfD-Abgeordneten entspricht.

Und das ist die erste Interpretation: Niemand hatte die Absicht, einen CDU-Ministerpräsidenten zu wählen. Das waren nur die bösen Medien, die so etwas erfunden haben, um der AfD zu schaden. Es gab nur eine Planspieldebatte. Diese Sicht der Dinge wird in den Facebook-Foren und WhatsApp-Gruppen eigenartigerweise vor allem von Kommentatoren vertreten, die landesweit als Pretzell-Freunde bekannt sind.

Dazu kommt noch, dass es von den Pretzell-Leuten zumindest divergierende Aussagen gibt, ob es überhaupt eine Probeabstimmung gegeben hat. So sagte Nic Vogel am Montag der BILD: „Es mag sein, dass der neue Ministerpräsident mit AfD-Stimmen gewählt wird. Mit dem Koalitionsvertrag bin ich sehr zufrieden.“ Bei Pretzell hieß es einen Tag später, das Werk enthalte tatsächlich „viele vernünftige Forderungen der AfD“, sei dann aber wohl doch nur „Wahlprogramm für die kommenden drei Monate“.

Die zweite Version scheint auch deshalb weitaus glaubhafter: Der Druck der Basis, der in manchen AfD-internen Facebook-Foren schon fast ein shitstorm war, habe die Fraktionsmitglieder zur Umkehr gezwungen. Da liest man von Telefonketten, Massenmails, offenen Briefen an den LaVo und die Fraktion, mahnenden Worten von anderen NRW-AfD-Spitzenpolitikern, gar von der Intervention von Mitgliedern des BuVo und Abgeordneten anderer Landtage gestern in Mainz, es wurden sogar Parteiausschlussverfahren gegen die „Verräter“ gefordert usw. Manche geben sogar stolz zu, dass sie die Medien informiert haben, um das Schlimmste zu verhindern.

Die Abgeordneten Thomas Röckemann und Dr. Christian Blex, die sich am Wochenende deutlich gegen die Wahl von Laschet ausgesprochen hatten, sagten COMPACT auf Nachfrage lediglich, dass dies „ein guter Tag für Deutschland“ sei.

Ob es sich also nur um Gerüchte oder doch um einen abgebrochenen Versuch handelte, lässt sich heute nicht klären, aber geschadet hat diese Debatte, in der ein entschiedenes Dementi von Pretzell gestern alles hätte aufklären können, der Glaubwürdigkeit der Partei im Wahljahr, denn es bleibt ein Gschmäckle…

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