«Kinder werden biopolitisch manipuliert.» Experteninterview zu Gender-Mainstreaming

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Am 18.12.2017 findet an der FU Berlin der „Wissenschaftstag“ #4genderstudies statt. Ziel laut Veranstalter: „die Vielfalt der Geschlechterforschung und ihre wissenschaftliche Bedeutung deutlich zu machen 🤓!“  – Dann wollen wir mal: COMPACT interviewte den Physiologen und Professor für Evolutionsbiologie an den Universitäten Kassel und Stanford, Kalifornien, Prof. Dr. Ulrich Kutschera. Im Februar 2016 erschien sein Buch «Das Gender-Paradoxon – Mann und Frau als evolvierte Menschentypen».

Dieses Interview erschien in COMPACT-Magazin 06/2016. Unterstützen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge. Am besten hier.

COMPACT: Herr Prof. Dr. Kutschera, bitte erklären Sie doch mal unseren Lesern: Was ist Gender-Mainstreaming eigentlich?

Kutschera: Gender-Mainstreaming (GM) ist ein Kunstwort, das man wie folgt übersetzen kann: Eine radikal-feministische Politik-Agenda, die eine «Frau-gleich-Mann»-Ideologie in allen gesellschaftlichen Bereichen durchzusetzen versucht – also nichts anderes als eine neue deutsche Bio-Politik. Man hat wahrscheinlich vorsätzlich dieses unsinnige Doppelwort eingeführt, um zu verschleiern, was wirklich geplant ist. Wenn sie hart arbeitende Menschen danach fragen, dann hat von diesen kaum jemand davon gehört. Wenn man dann erklärt, dass die Bundesregierung hier letztendlich Mann und Frau abschaffen und einen «Unisex-Menschen » kreieren möchte, den man beliebig formen kann, da greift sich ein normal denkender Mensch an den Kopf und sagt sich – das kann doch wohl nicht wahr sein, und dafür zahle ich Steuern!

COMPACT: Wann hat diese Gender-Agenda erstmals Einzug in die Politik gehalten?

Ulrich Kutschera

Prof. Dr. Ulrich Kutschera
Quelle: privat

Kutschera: Im Jahr 1995 wurde auf der Weltfrauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking ein feministisches Politikprogramm gegen massive Widerstände vernunftbegabter Frauen mit mafiösen Methoden durchgeboxt. In diesem Programm geht es im Grunde darum, Familien abzuschaffen, und das sage ich als jemand, der in keiner Weise konservativ ist. Als Evolutionsbiologe kann ich Ihnen hoch und heilig versichern, dass Menschen über Jahrtausende hinweg immer nur in Familienverbänden überlebt haben. Wenn man dieses evolutionäre Erbe jetzt mit irgendwelchen Parolen zerschlagen will, dann ist das nicht nur eine Attacke gegen all das, was die Biowissenschaften an soliden Erkenntnissen erarbeitet haben, sondern auch gesellschaftspolitisch verwerflich.

Die Konstrukt-Saga

COMPACT: Was sagen Sie zu der These der Gender-Forschung, dass das Geschlecht lediglich eine soziokulturelle Konstruktion sei?

Kutschera: Als evolutionärer Entwicklungsbiologe mit Fachpublikationen zu verschiedenen Organismengruppen kann ich Ihnen versichern, dass sich Tiere – wie auch Menschen, unabhängig von den gesellschaftlichen Zuständen – in 99 Prozent aller Fälle eindeutig in männliche beziehungsweise weibliche Richtung entwickeln. Das Geschlecht ist beim Menschen ab dem zweiten Schwangerschaftsmonat festgelegt, das heißt, die «Gender Identity» kann in der Regel nicht nachträglich verändert werden. Es gibt seltene Ausnahmen, die als Entwicklungsstörungen zu kennzeichnen sind.

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Den heutigen Tag haben sich Gender-Irre rot im Kalender angestrichen…

German Gender

COMPACT: Haben Sie eine Erklärung dafür, dass der Gender-Wahn besonders in Europa, vor allem aber in Deutschland so stark um sich greift? Sie sprechen ja von einer «Scheinwissenschaft made in Germany».

Kutschera: Ja, die habe ich. Ja, die habe ich. Das kommt daher, dass es in Deutschland noch immer eine starke Staatshörigkeit gibt. Man passt sich einfach jedem noch so absurden Trend an, schwimmt mit dem Strom. Da wird man leider an dunkle Zeiten der deutschen Vergangenheit erinnert, als die manipulierten Massen einem Führer hinterhergelaufen sind. Gerade wieder aus Stanford/Kalifornien (USA) zurückgekehrt, kann ich Ihnen versichern, dass die GM-Ideologie, das heißt das Umsetzen einer wissenschaftlich widerlegten «Frau-gleich-Mann»- Glaubenslehre, ihr Zentrum in Deutschland und Österreich hat. Wie ich in meinem Buch dargelegt habe, geht diese pseudowissenschaftliche Geschlechter-Ideologie auf die Irrlehren des pädophilen Kindesmisshandlers John Money zurück, der an der Johns Hopkins University [USA] geforscht und gelehrt hat. In Amerika ist der Moneyismus lange überwunden, in Deutschland lebt er als politisches Leitprinzip fort.

Dieses Interview erschien in COMPACT-Magazin 06/2016. Unterstützen Sie ehrlichen Journalismus in Zeiten der Lüge. Am besten hier.

COMPACT: Was hat Sie eigentlich motiviert, ein Buch mit dem Titel «Das Gender-Paradoxon» zu veröffentlichen?

Kutschera: Nachdem ich 2015 in einigen Leitmedien – unter anderem rbb, Spiegel Online, Focus – zur Gender-Ideologie interviewt worden bin und diese Irrlehre als universitäre Scheinwissenschaft bezeichnet habe, war es notwendig geworden, meine Argumente, und zwar mit Quellenangaben, in Buchform zusammenzufassen. Man warf mir 2015 vor, ich würde «persönliche Ansichten» verbreiten, was jedoch nicht der Fall ist – alle meine Thesen werden durch solide Quellen, das heißt zitierte Fachbeiträge, belegt. Bei der Verbreitung der Gender-Lehre geht es darum, antiquierte Vorstellungen über Männer und Frauen in die Öffentlichkeit zu tragen, einschließlich der Bewerbung eines Homo- Lifestyles, wogegen ich mit biologischen Argumenten angehe – das Thema Homosexualität bei Menschen und Tieren nimmt im Buch einen breiten Raum ein.

Ikone des Gendergaga: «Männin» Wurst beim Life-Ball in Wien 2014. Quelle: Manfred Werner/Tsui – CC by-sa 3.0, Wikimedia Commons

COMPACT: Sie beklagen, dass die sogenannte Gender-Theorie heute auch schon in die Lehrpläne von Grundund Hochschulen einfließt. Wie weit geht das?

Kutschera: In einigen aktuellen Schulbüchern wird gelehrt, Mädchen seien so aggressiv wie gleichaltrige Jungs und junge Männer hätten einen angeborenen Mutterinstinkt, so als wären sie Frauen. In meinem Buch habe ich dargelegt, dass diese Behauptungen falsch sind. Es ist verantwortungslos, im Schulunterricht Kindern beizubringen, dass bei typisch männlichen Verhaltensweisen, die im Wesentlichen testosterongesteuert sind, die Biologie überhaupt keine Rolle spielt. Hier werden Kinder vorsätzlich biopolitisch manipuliert. Man kann diese Propaganda im Grunde mit kreationistischer Indoktrination vergleichen – die ganze Gender-Agenda ist nichts weiter als eine säkulare Religion, pseudowissenschaftlicher Nonsens, der über politische Programme verbreitet wird und eigentlich nur destruktiv wirkt. Ich bin noch nicht darauf gekommen, was daran positiv sein soll, wenn man Männer verweiblicht und Frauen vermännlicht – das Fundament jeder Gesellschaft wird dadurch zerstört.

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COMPACT: In der letzten Zeit sind in den Medien Fälle diskutiert worden, in denen Eltern – zumeist alleinerziehende Mütter – ihre Kinder geschlechtsneutral erziehen wollen, so wie es die Gender-Lehre predigt. Da werden Kindern Unisex-Namen gegeben, Jungen sollen mit Puppen spielen…

Kutschera: Evolutionsbiologen wissen, dass neugeborene Säuger-Babys zu 99 Prozent entweder männlich oder weiblich sind und sich dementsprechend männlich oder weiblich verhalten – diese Regel gilt nicht nur
für Affen, sondern ebenso für Menschen. Auch experimentell wurde bestätigt, dass Kleinkinder bereits
in den ersten Monaten eindeutig geschlechtsspezifische Verhaltensweisen zeigen. Jungen greifen eher
zu harten Spielzeugen – Autos zum Beispiel; Mädchen bevorzugen weiche Gegenstände – Puppen und
dergleichen. Wenn man nun dieses evolutionäre Erbe abschneidet und sagt «Ihr seid alle Unisex-Wesen», dann ist das völlig inakzeptabel und müsste sofort per Gesetz unterbunden werden. Aber biowissenschaftlicher Sachverstand ist in der deutschen Politik leider kaum vorhanden.

Der flexible Einheitsmensch

Gender-Professuren GrafikCOMPACT: Sie vergleichen Gender-Mainstreaming auch mit den Bestrebungen marxistisch-kommunistischer Menschenexperimente der Vergangenheit…

Kutschera: Weil diese Analogie auf der Hand liegt. Wie im Buch dargelegt, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass die heutige «Frau-gleich-Mann»-Agenda von totalitären Staatssystemen der Vergangenheit und Gegenwart inspiriert ist. Hier richten sich pseudowissenschaftliche Ideologien gegen die evolvierte menschliche Natur. Das ist moralisch verwerflich und sollte rückgängig gemacht werden.

COMPACT: Sie gehen also davon aus, dass hier eine politische Agenda auf die Zerstörung der Vater-Mutter-Kind-Familie abzielt. Wo will die Politik mit uns hin?

Kutschera: Das ist eine sehr gute Frage. Meine Kernthese ist, dass hinter der Gender-Mainstreaming-Agenda eine Riege naturwissenschaftlich unterbelichteter Ideologen steht, die weder von Biologie noch Chemie irgendeine Ahnung haben. Die Agenda wurde von Personen erdacht, die dem logisch-naturwissenschaftlichen Denken fernstehen, und dann kommt eben so eine menschenverachtende, feministische Absurdität heraus. Die Behauptung, man könne morgens als biologischer Mann aufstehen und sich danach dafür entscheiden, eine Frau zu sein – oder umgekehrt – ist absurd, ebenso wie der angeblich frei wählbare Homo- Lifestyle oder die Behauptung, es gäbe mehr als zwei Geschlechter. Diese Aussagen habe ich im Buch durch solide Fakten widerlegt.

COMPACT: Kann man nicht auch von bösem Willen sprechen, von einem bewussten Plan zur Transformation der Gesellschaft?

Kutschera: Wenn ich spekuliere, dann würde ich sagen ja, man kann hinter dem Ganzen einen Generalplan erkennen. Es kann schon sein, dass Deutschland beziehungsweise Mitteleuropa besser regierbar gemacht werden soll. Das könnte man sich vorstellen, und dass hinter dieser Politik-Agenda praktische Interessen stehen. Wenn man die Familien zerstört, die Kinder ganz früh in Verwahranstalten gibt, wie das zum Beispiel in der DDR üblich war, ihnen dann einredet, dass sie weder Junge noch Mädchen sind, dass sie keine angeborene Geschlechtsidentität haben, dann kann man sich psychische Krüppel heranziehen. Diese sind dann wiederum auf bestimmte radikal-feministische Weltanschauungen prägbar. Es drängt sich der Verdacht auf, dass diese Gender-Biopolitik zu einer leichteren Lenkbarkeit der betreffenden Menschen führen soll.

COMPACT: Herr Kutschera, haben Sie vielen Dank für dieses spannende Gespräch!

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Über den Autor

Marc Dassen

Marc Dassen wurde 1989 in Aachen geboren und hat Anfang 2015 sein Studium der Geschichte und Philosophie mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen. Seither arbeitet er als Journalist für COMPACT-Magazin.

 

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