Kanye West sagt seine Russland-Auftritte überraschend ab. Eigentlich waren zwei Konzerte in Putins Heimatstadt geplant. Der Musiker hat wohl einmal zu viel «abgehitlert». In COMPACT-Spezial «Satan, Pop und Hollywood» dringen wir tief in die Abgründe der Musik- und Filmindustrie ein und zerren die geheimen Netzwerke ans Licht. Hier mehr erfahren.

    Bereits rund 100.000 Tickets für die beiden Auftritte am 10. und 11. Oktober in St. Petersburg waren schon verkauft – mit Preisen von 9.000 bis 16.000 Rubel (etwa 95 bis 170 Euro). Doch nun vermeldete der Moskauer Konzertveranstalter Say-Agency auf Telegram: «Liebe Freunde, wir müssen euch leider mitteilen, dass die Ye-Konzerte in St. Petersburg zu den geplanten Terminen nicht stattfinden können.» Der Kartenpreis werde den Käufern erstattet.

    Ye, besser bekannt als Kanye West, sorgt mit seinen Rap-Eskapaden schon seit einiger Zeit für Furore. Die Konzerte in Russland waren daher reichlich umstritten. Bereits im April dieses Jahres musste der 49-Jährige seine Teilnahme am Wireless Festival in London absagen, weil ihm die britischen Behörden die Einreise verweigerten, da seine Anwesenheit als nicht «förderlich für das öffentliche Wohl» eingestuft wurde. Im Juli platzte auch ein Konzert in Italien.

    Streit um Gazprom-Arena

    Nun wollte der US-amerikanische Hip-Hop-Star Putins Heimatstadt St. Petersburg aufmischen. Die Shows waren Mitte August angekündigt worden und hätten Kanye West aka Ye zum ersten großen westlichen Künstler gemacht, der seit 2022 in Russland auftritt. Medienberichten zufolge gingen schon am ersten Verkaufstag über 80.000 Karten weg.

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    Offenbar hatte es schon im Vorfeld Streit um die Auftritte gegeben. Die als Konzertort vorgesehene Gazprom Arena erklärte am 24. August, mit den Veranstaltern sei kein Mietvertrag unterschrieben worden, das Konzert könne auf ihrem Gelände deshalb nicht stattfinden. Die Say-Agency widersprach und teilte mit, sie habe davon erst aus den Medien erfahren.

    Die Bild-Zeitung schreibt dazu: «Besonders brisant: Laut der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant sollen Behörden Ermittlungen gegen die Veranstalter wegen möglichen Betrugs eingeleitet haben. Offizielle Details dazu wurden bislang nicht bekannt. Russische Medien spekulieren außerdem über politischen Druck hinter den Kulissen. Ye war in den vergangenen Jahren mehrfach mit antisemitischen und rassistischen Aussagen aufgefallen. Unter anderem hatte er öffentlich Bewunderung für Adolf Hitler geäußert.»

    Die Skandale um Kanye

    Kanye West galt einst als gefeierter Star der US-Musikindustrie. Doch seit ein paar Jahren häufen sich die Skandale rund um seine Person. Erst am 8. Mai 2025 veröffentlichte er auf X einen Song mit dem verstörenden Titel «Heil Hitler»! Das Video zeigt eine Reihe schwarzer Männer in Tierfellen, die Parolen skandieren und den Refrain «All meine N****s Nazis, N***a. Heil Hitler» intonieren. Das umstrittene Stück schließt mit einem Ausschnitt aus einer Rede Hitlers.

    Der Text des Songs griff auch persönliche Konflikte auf. West rappte: «Diese Leute haben mir meine Kinder weggenommen, dann haben sie mein Bankkonto eingefroren. Ich habe so viel Wut in mir, habe keine Möglichkeit, sie herauszulassen.» Kritiker sahen darin keinen künstlerischen Ausdruck, sondern eine bewusste Grenzüberschreitung. Ted Deutch vom American Jewish Committee erklärte: «Das ist kein Ausdruck von Kunst, sondern blanke Hassrede.»

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    Im Oktober 2022 schrieb Ye auf Twitter, er gehe in «death con 3 [militärische Alarmstufe] on Jewish people». Am 1. Dezember desselben Jahres sagte er in einer Sendung: «Ich liebe Hitler.» Für zusätzliche Entrüstung sorgte ein Treffen im November 2022. West war bei Donald Trump in Mar-a-Lago zu Gast und erschien dort gemeinsam mit dem rechten Influencer Nick Fuentes, dem vorgeworfen wird antisemitische Verschwörungstheorien zu verbreiten. Das Abendessen wurde international breit aufgegriffen.

    Im selben Jahr hatte er sich außerdem mit der konservativen Aktivisten und Moderatorin Candace Owens mit «White Lives Matter»-Pullovern ablichten. Später entschuldigte sich der Rapper für einige seiner Äußerungen und führte diese auf eine bipolare Störung zurück, deretwegen er sich schon seit einiger Zeit in Therapie befinde.

    Klarstellung vom Außenamt

    Bei den russischen Offiziellen waren die Konzerte in St. Petersburg von Anfang an nicht auf Gegenliebe gestoßen. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa hatte sich schon vor einigen Wochen gegen die Auftritt gewandt und bekräftigte am heutigen Donnerstag, dass West wegen Verherrlichung des Nationalsozialismus weder in St. Petersburg noch in einer anderen russischen Stadt auftreten könne.

    Sacharowa verwies dabei auf die Blockade Leningrads (heute St. Petersburg) durch die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und fragte, wie jemand, der Hitler verherrliche, durch dieselben Straßen fahren solle, auf denen Menschen während der Belagerung um Brot und Wasser gekämpft hätten.

    Dabei hatte sich Ye im November 2021 im Podcast Drink Champs noch mit Russlands Präsidenten verglichen. «Ich bin Putin. Ich bin der junge Putin», so der Rapper. Diese Äußerung hat ihm bei den russischen Behörden offenbar nicht weitergeholfen.

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