Diplomatie und Kriegsvorbereitung laufen im Nahen Osten wieder synchron. Gestern galten Proteste als Hebel gegen Teheran, heute sind es wieder die Atomanlagen. Während die USA Verhandlungen als Lösung vorschieben, rücken Trägerverbände, Raketen und Drohnenschwärme in Stellung. COMPACT: 2026 – Jahr des Goldes. Das Ende des Dollars und was danach kommt: wie geopolitische Konflikte, strategische Blockaden und wirtschaftliche Machtverschiebungen den Wert von Vermögen neu definieren. Hier mehr erfahren. 

    Washington präsentiert Gespräche als Ausweg, koppelt sie jedoch an Ultimaten, die auf eine dauerhafte Einschränkung des iranischen Atom- und Raketenprogramms zielen. Teheran wiederum interpretiert dieses Vorgehen nicht als Angebot, sondern als Versuch, dem Land unter militärischem Druck ein politisches Diktat aufzuzwingen. Was als Verhandlungsinitiative gilt, wirkt daher zunehmend wie die Vorstufe zu einem einkalkulierten Krieg.

    Atomprogramm als Hebel

    Bezugspunkt sind nicht mehr die Proteste im Land, sondern das Iran-Atomabkommen JCPOA (deutsch: Gemeinsamer umfassender Aktionsplan) von 2015. Iran verpflichtete sich darin, die Urananreicherung stark zu begrenzen, Zentrifugen abzubauen und teilweise internationale Kontrollen zuzulassen. Im Gegenzug hoben die USA Wirtschaftssanktionen auf.

    2018 stiegen die USA unter Donald Trump aus. Er kritisierte, der Deal sei zu schwach und befristet, lasse zahlreiche Schlupflöcher und verhindere Irans nukleare Bewaffnung nicht dauerhaft. Zudem beschränke er weder das Raketenprogramm noch Irans Einfluss im Nahen Osten.

    Das heute geforderte „neue Abkommen“ geht daher weit über den JCPOA hinaus: Es soll Irans Atomprogramm dauerhaft einschränken, sein Langstreckenraketenarsenal erfassen und seine regionale Rolle begrenzen. Teheran sieht darin kein Rüstungskontrollabkommen, sondern ein sicherheitspolitisches Ultimatum.

    Der Iran im Winter: Blick auf Teheran mit dem Alborz-Gebirge im Hintergrund. Foto: Mazur Travel | Shutterstock.com

    Zwar gilt weiterhin als gesichert, dass Iran über keine einsatzfähige Atomwaffe verfügt. Gleichzeitig bleibt ungeklärt, was aus mehreren hundert Kilogramm hoch angereicherten Urans geworden ist, die Teheran bis zu den Angriffen im vergangenen Jahr produziert haben soll.

    Verhandlungen unter Bombendruck

    Auslöser der jüngsten Eskalationsrunde sind öffentliche Drohungen aus Washington. In mehreren Posts auf seiner Plattform Truth Social erklärte Donald Trump, dass der Iran „eine letzte Chance“ habe, einem neuen Abkommen zuzustimmen.

    Sollte Teheran dies nicht tun, werde die Reaktion der USA „viel härter“, „entscheidender“ und „nicht vergleichbar mit früheren Maßnahmen“ ausfallen. Zugleich machte Trump deutlich, dass die Angriffe vom Sommer 2025 bewusst begrenzt gewesen seien, und dass diese Zurückhaltung künftig nicht mehr gelten müsse.

    Hinzu kommt der regionale Kontext. Nach Berichten der Times of Israel hat Iran zuletzt unmissverständlich vor einer weiteren Eskalation gewarnt. Ein hochrangiger Berater von Ali Chamenei drohte im Fall eines US-Angriffs mit einer „beispiellosen“ Antwort, die sich nicht nur gegen amerikanische Ziele, sondern auch gegen „alle Unterstützer des Aggressors“ richten werde.

    Konkret wurde dabei auch das „Herz von Tel Aviv“ als mögliches Ziel genannt. Irans Außenminister erklärte zugleich, man halte „den Finger am Abzug“ – ein Signal, dass Teheran einen regionalen Gegenschlag ausdrücklich einkalkuliert.

    Parallel dazu berichteten US-Medien unter Berufung auf Regierungsquellen, Präsident Donald Trump strebe mit erhöhtem militärischem Druck die Schaffung von Bedingungen für einen politischen Umbruch in Iran an. Nach Angaben von CNN seien frühere Gesprächsansätze insbesondere daran gescheitert, dass Teheran eine Begrenzung seines Raketenprogramms kategorisch ablehnte.

    Trump habe daraufhin deutlich gemacht, ein bloß diplomatischer Ansatz reiche nicht aus, um Iran zu Zugeständnissen zu zwingen. Gleichzeitig warnten US- und israelische Sicherheitskreise laut den Berichten davor, allein mit Luftschlägen einen Regimewechsel herbeiführen zu können.

     

    Auf einem US-Flugzeugträger im Persischen Golf. Foto: US-Navy

    Im vergangenen Jahr kam es erstmals seit Jahren zu direkten militärischen Angriffen der USA auf Ziele in Iran. Nach Angaben aus Washington richteten sich die Schläge gegen militärische und nuklearrelevante Infrastruktur, insbesondere rund um Natanz und Isfahan.

    Nach Einschätzung westlicher Militäranalysten kamen bei den Angriffen im Juni 2025 sehr wahrscheinlich B-2-Stealthbomber zum Einsatz, die einzigen US-Jets, die für präzise Schläge gegen tief verbunkerte, nuklearrelevante Ziele ausgelegt ist. Washington bestätigte dies jedoch nicht offiziell.

    Die Angriffe folgten auf eine kurze Verhandlungsfrist und wurden von den USA als begrenzte Strafaktion deklariert. Teheran wertete die Operation hingegen als Beleg dafür, dass Gespräche lediglich taktisch genutzt würden, um militärische Schritte politisch abzusichern.

    Zentrifugen zur Urananreicherung in Natanz. Foto: CC0, Wikimedia Commons

    Hinzu kommt der regionale Kontext. In Teheran gilt als ausgemacht, dass die Eskalation nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern im engen Zusammenhang mit den sicherheitspolitischen Interessen Israel steht.

    Die iranische Führung geht davon aus, dass Washington mit den Schlägen auch israelischen Forderungen nach einer nachhaltigen Schwächung des iranischen Atomprogramms entgegenkam – und damit eine Eskalationslogik bediente, die weniger auf Stabilisierung als auf strategische Vorentscheidung zielte.

    Maritime Abschreckung

    Parallel zur Rhetorik verdichten sich die militärischen Vorbereitungen. Ein US-Flottenverband um den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln wurde in die Region entsandt, offiziell zur Abschreckung und zum Schutz amerikanischer Truppen. Iran reagierte seinerseits mit der sichtbaren Positionierung von Anti-Schiffs-Raketen, U-Booten und Drohneneinheiten.

    Besonders brisant ist dabei die mögliche Blockade der Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Bereits eine zeitlich begrenzte Störung dieses Nadelöhrs hätte erhebliche globale wirtschaftliche Folgen.

    Flugkörperschnellboote der Marine der Iranischen Revolutionsgarde in der Straße von Hormus 2015. Foto: sayyed shahab-o- din vajedi, CC BY 4.0, creativecommons.org

    Iranische Militärdoktrinen setzen dabei weniger auf offene Konfrontation als auf asymmetrische Mittel: koordinierte Raketenangriffe, Minen, Drohnenschwärme. Westliche Militärexperten weisen seit Jahren darauf hin, dass selbst modernste Kriegsschiffe bei massierten Angriffen verwundbar bleiben.

    Auch die Probleme der russischen Schwarzmeerflotte gegen ukrainische Seedrohnen sind eine Warnung. Ein begrenzter Zwischenfall könnte daher rasch außer Kontrolle geraten.

    Auch auf amerikanischer Seite deutet vieles auf die Vorbereitung größerer Operationen hin. Auf der Luftwaffenbasis Al-Udeid Air Base wurden zusätzliche Tankflugzeuge, Aufklärer sowie Such- und Rettungseinheiten stationiert, ein klassisches Indiz für mögliche Luftschläge.

    Ist die Straße von Hormuz für die US-Navy passierbar? (Foto: wikipedia)

    Diplomatische Kreise sprechen von mehreren Szenarien: von symbolischen Angriffen auf Einrichtungen der Revolutionsgarden bis hin zu umfassenderen Schlägen gegen militärische Infrastruktur.

    Besonders heikel wäre ein Venezuela-ähnlicher Angriff auf die iranische Führung. Der oberste Führer Ali Chamenei ist nicht nur Staatsoberhaupt, sondern religiöse Autorität mit Einfluss weit über Iran hinaus. Seine gezielte Tötung würde die USA in der Region nachhaltig delegitimieren.

    Zumindest offiziell hält Washington dennoch an der Möglichkeit eines Abkommens fest. Trumps Nahost-Gesandter Steve Witkoff machte jedoch deutlich, dass ein Deal nur unter weitreichenden Bedingungen zustande kommen könne.

    Er wiederholte: Einschränkung des iranischen Atomprogramms, Aufgabe des Langstreckenraketenarsenals und ein Rückzug aus regionalen Bündnisstrukturen.

    navy pentagon
    Uncle Sams Seestreitkraft. Quelle: archive.defense.gov

    In Teheran werden diese Forderungen nicht als Kompromiss, sondern als Kapitulationsangebot verstanden, zumal frühere Fristen mit militärischen Angriffen beantwortet wurden.

    Damit stehen sich beide Seiten in einer klassischen Eskalationslogik gegenüber. Gespräche werden geführt, ohne an Deeskalation zu glauben. Was als kontrollierter Schlagabtausch geplant sein mag, birgt das Risiko, sich zu einem regionalen Flächenbrand auszuweiten, mit Auswirkungen, die weit über den Nahen Osten hinausreichen.

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