Interview mit Sonja Schaak (AfD): „NRW braucht jetzt einen Neuanfang!“

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Die AfD-Landesdelegierte Sonja Schaak warnte schon vor eineinhalb Jahren vor Marcus Pretzell und dessen „Hofstaat“. Nun legt sie auf den Tisch, was passieren müsste, um den NRW-Landesverband endlich auf Vordermann zu bringen.

_von unserem Korrespondenten aus Düsseldorf

Sonja Schaak war Mitglied und Pressesprecherin des AfD-Bezirksvorstands Detmold. Im November 2016 sah sie sich gezwungen, nach Anfeindungen von Pretzell-Gefolgsleuten zurückzutreten. Zuvor hatte Schaak Kungeleien zwischen Bezirkssprechern und Pretzell offen kritisiert. Bis heute ist sie Landesdelegierte geblieben. Schaak wurde in diesem Jahr einstimmig zur Direktkandidatin für den Landtag für den Wahlkreis Lippe 2 gewählt.

COMPACT: Reicht Pretzells Rücktritt aus, um den Sumpf in NRW trockenzulegen?

Schaak: Nein, das reicht keinesfalls! Der Landesvorstand in NRW setzt sich nahezu ausnahmslos aus Pretzell-Anhängern zusammen und muss daher umgehend neu gewählt werden. Pretzells Hofstaat hat in dem neuen Landesvorstand nichts zu suchen!

Eine Befriedung des Landesverbandes kann nur erfolgen, wenn:

1. Umgehend ein neuer Landesvorstand gewählt wird, bei dem alle politischen Strömungen der AfD und der regionale Proporz in unserem Land berücksichtigt werden.
2. Eine erleichterte Wiederaufnahme für solche Mitglieder ermöglicht wird, die wegen Pretzell und dessen Anhängern frustriert ausgetreten sind.
3. Alle politisch motivierten Parteiausschlussverfahren sofort eingestellt werden.
4. Schnellstens Hunderte von Aufnahmeanträgen positiv beschieden werden, die bisher aus Angst vor Machtverlust auf Eis gelegt wurden. Auch in NRW müssen allein die Kreisvorstände über Neuaufnahmen entscheiden.

COMPACT: Wer soll den Landesvorstand in Zukunft führen?

Schaak: Das kann nur jemand sein, der bereit ist, alle innerparteilichen Lager zu einen; daher scheiden Gefolgsleute von Pretzell aus! Bislang hat lediglich Herr Renner den Hut in den Ring geworfen. Er ist aber unglaubwürdig, weil er seinerzeit einen Deal mit Pretzell geschlossen hat, um sich sein Bundestagsmandat zu sichern. Sollte er tatsächlich für das Amt des Landessprechers kandidieren, werde ich die Patrioten mobilisieren und gegen ihn antreten!

COMPACT: Halten Sie den bereits geforderten Untersuchungsausschuss gegen Pretzell und Gefolgsleute wie Michael Schwarzer, Wolfgang Demolsky und Roger Beckamp für eine gute Idee?

Schaak: Absolut, der Bundesvorstand ist geradezu in der Pflicht, mittels Untersuchungsausschuss die parteiinternen Vorgänge in NRW zu prüfen, um weiteren Querelen vorzubeugen. Allerdings wird sich dieser Untersuchungsausschuss auch mit den Bezirkssprechern, hier seien insbesondere Hemmelgarn und Schumacher genannt, beschäftigen müssen. Ohnehin ist es dringend erforderlich, die undemokratischen und überflüssigen Bezirksstrukturen in NRW abzuschaffen, die nur dem Machterhalt der Pretzellianer dienten. Durch die unmittelbare Verbindung der Kreise mit dem Landesvorstand und die Direktwahl von Delegierten für Bundesparteitage schaffen wir mehr Basisdemokratie!

Weiterlesen: Pretzell geht: Interview mit Martin Renner +++ NRW-Patrioten fordern Task-Force

Im Folgenden dokumentiert COMPACT die Vorstellungsrede von Sonja Schaak bei der Kandidatur für einen Listenplatz beim Landeswahlparteitag in Soest im September 2016. Damals nutzte sie die Redezeit, um auf bestehende Missstände im NRW-Sumpf hinzuweisen.

Liebe Parteifreunde,
(…) Angaben zur Person

Meine Damen und Herren, viele reden ohne Mut zur Wahrheit, jetzt kommen die unbequemen Wahrheiten!

Ist Ihnen bewusst, dass in den letzten 10 Jahren unsere Demokratie immer weiter ausgehöhlt wurde? Möglicherweise sind die NRW-Landtagswahlen und die Bundestagswahlen in Deutschland 2017 die letzten demokratischen Wahlen, die wir erleben werden. Ob Bespitzelung im Internet, Aushebelung von Grund- und Bürgerrechten, Bruch des Grundgesetzes oder anderer Gesetze bei der Flutung des Landes mit Migranten…..Jeden Tag verschwindet ein Stück Rechtsstaatlichkeit und Freiheit!

Der ehemalige Präsident des Verfassungsschutzes in Thüringen, Helmut Roewer, zitiert Behördenmitarbeiter mit folgenden Worten: „Wir verlassen im Moment den Rechtsstaat und zwar mit beiden Füßen, weil wir genötigt werden oder angewiesen werden, Dinge zu tun, die bis vorgestern noch Straftaten waren.“ Indem die AfD täglich auf diese Missstände aufmerksam macht, ist sie zur letzten Verteidigerin des demokratischen Rechtsstaats geworden. Viele Fehlentwicklungen scheinen schon unumkehrbar, manche von uns haben auch schon resigniert. Tatsächlich kann man der Meinung sein, dass der Untergang Deutschlands, wie wir es kennen und lieben, nur noch eine Frage der Zeit ist. Aber …auch der Widerstand formiert sich, immer mehr stemmen sich dagegen, wohl wissend: Die Alternative für Deutschland ist unsere letzte Chance! Wenn unsere Partei scheitert, wird es lange Zeit dauern, den Widerstand neu zu organisieren. Es kann dann aber schon zu spät sein.

Wenn ich mir unsere Partei anschaue, frage ich mich, wählen wir die für diese Krisensituation richtigen Leute? Achten wir wirklich darauf, die Kandidaten zu wählen, die sich mit ganzer Kraft für unsere gemeinsamen Ziele einsetzen oder erliegen wir der Verführung, Karrieristen und Postenjäger, Leute, die ein Netzwerk betreiben oder um sich einen Hofstaat gebildet haben und sich über ein System von Abhängigkeiten und Versprechungen Stimmen erkauft haben, zu befördern? Das Ergebnis solcher Hinterzimmerabsprachen ist bekannt: Kompromisskandidaten ohne Ecken und Kanten. Sie passen sich stromlinienförmig jeder Situation an, wankelmütig und orientierungslos schließen sie faule Kompromisse und verlieren am Ende Charakter und Persönlichkeit. Mir sind schon Einige aufgefallen, die inzwischen ihre ursprünglichen Ziele komplett aus den Augen verloren haben, sie werden die ersten sein, die einen Pakt mit den Altparteien und Lobbyisten schließen. Herzlich willkommen im System!

Eine große Gefahr für unsere junge Partei lauert nicht da draußen, sondern sitzt bereits hier im Inneren! Das sollten wir immer vor Augen haben.

Liebe Parteifreunde, NRW braucht Landtagsabgeordnete, die sich nicht ins System hineinsaugen lassen, die nicht anfällig sind für prinzipienlose Fraktionsgemeinschaften mit den Altparteien, sondern ihre Rolle als Opposition erstnehmen, Skandale aufdecken und schwachsinnige Gesetzesvorlagen kritisieren. Nur so können wir die Erwartungen unserer Wähler, für die wir vielleicht die letzte Hoffnung sind, befriedigen. Korrupte Politiker gibt es bereits genug!

Auf unseren Parteitagen spielt viel zu oft eine Rolle, ob der Kandidat dem liberalen, konservativen, libertären oder patriotischen Lager angehört. Für mich aber ist die Frage viel wichtiger, ob er sich mit seiner ganzen Person konsequent für die Zukunft Deutschlands und NRWs einsetzt. Wer diese Position hat, muss mit jedem anderen Parteimitglied, egal aus welchem Lager, zusammenarbeiten können, sofern sein Gegenüber ebenfalls das Beste für Deutschland und NRW will. Ich fordere alle Delegierten auf, nicht taktischen Überlegungen bei ihrer Wahlentscheidung zu folgen, sondern ausschließlich die charakterliche Unabhängigkeit und fachliche Eignung bei ihrer Wahlentscheidung zu präferieren. Ich stehe für eine kompromisslos ehrliche Politik und möchte mich insbesondere in den Themenfeldern

– Asylpolitik und Migration
– Innere Sicherheit
– Frauen- und Familienpolitik
engagieren.

Darüber hinaus sehe ich meine Aufgabe in einer zukünftigen Landtagsfraktion darin, Opportunismus und Korruption zu bekämpfen, die Interessen der Parteibasis zur Geltung zu bringen, kurz gesagt: Ich stehe für größtmögliche Transparenz in der Politik. Unsere Arbeit muss für jedes Parteimitglied nachvollziehbar sein!

Ich fordere: Schluss mit den Lagerkämpfen und Konzentration auf die Sachthemen! Er geht mir nicht um Posten und Funktionen, liebe Parteifreunde, ich stehe für ein Ziel …. und das ist auch der wichtigste Maßstab in der Politik … es geht um die Rettung Deutschlands!

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