Die Bild-Zeitung verkündet gute Neuigkeiten für “Kleinkriminelle”: Drei Monate lang kann Hamburg “Bagatelldelikte” wie fahrlässige Tötung, Nötigung  oder Diebstahl aus personellen Gründen nicht aufarbeiten.

    _von Linn Kuppitz

    Es vergeht doch kaum noch ein Morgen, wo man am Frühstückstisch sitzen, die Zeitung aufschlagen und beim Durchlesen der Nachrichten Kaffee schlürfen kann, ohne das Getrunkene postwendend wieder auszuspucken – aus Wut und Fassungslosigkeit.

    So erging es zumindest mir, als ich vor wenigen Tagen in der Bild – ja, ich lese auch mal die Bild – entnahm, dass in Hamburg ein “Guter Sommer – zumindest für alle Kleinkriminelle” zu erwarten sei. Bitte was? Ja, genauso: Hamburg kapituliert offenbar vor Bagatelldelikten und zwar für sage und schreibe ganze drei Monate.

    Nur: Unter Bagatelldelikte fallen laut dem Bild-Artikel ganz bescheidene Straftaten wie: Verkehrsdelikte (auch fahrlässige Tötung), Beziehungsgewalt, Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung, Diebstahl, Unterschlagung (bis 2000 Euro), Hehlerei und last but not least, Verstösse gegen das Asylverfahrensgesetz.

    Denn genau für derartige Delikte ist die Hauptabteilung 2 beziehungsweise sind die Abteilungen 21, 23, 24, zuständig. Die bekommen ihren Job aber nicht mehr gestemmt, weil die Mitarbeiter auf den Geschäftsstellen schlicht überlastet sind.

    Ein Staatsanwalt wird in dem Artikel zitiert mit den Worten “… die sind hier reihenweise umgefallen.” Nach Informationen der Bild soll der Krankenstand der Mitarbeiter in einigen Abteilungen bei bis zu 75 Prozent liegen, und dies hat zur Folge, dass in diesen Abteilungen Rückstände von bis zu zwei Monaten angefallen sind. Ergo streicht die Staatsanwaltschaft Hamburg die Segel, was bedeutet, dass Geldstrafen und Bußgelder nicht mehr bearbeitet werden und neue Urteile nicht mehr ins Bundeszentralregister eingepflegt werden – und das für drei Monate.

    Und damit dies auch wirklich jeder noch so verkappte Kleinkriminelle auch mitbekommt, informiert die Bild in ihrem Artikel natürlich mal brav darüber. Halleluja.


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    Wie man nach der dreimonatigen Kapitulation die bereits durch Mitarbeiterausfall entstandenen zwei Monate noch aufarbeiten will, diese Frage stelle ich mir bei diesem ganzen Irrsinn schon gar nicht mehr. Na, wenigstens sind jetzt alle informiert darüber, was in den kommenden drei Monaten eben nicht mehr geahndet wird.

    Es lebe der Wahnsinn.

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