Max Otte ist Fondsmanager und Bestseller-Autor. Im Interview mit Paul Klemm für COMPACT-TV sprach er unlängst über seinen Werdegang, sein Verhältnis zu Merz und über das Horror-Szenario, das uns jetzt bevorsteht. Wir fassen im Anschluss Kernaussagen zusammen. Ottes Buch „Rettet unser Bargeld“ ist ausdrücklich empfehlenswert. Hier mehr erfahren.

    Herr Otte, Sie sind bekannt als Crash-Prophet, haben vieles richtig vorausgesagt, beispielsweise die Finanzkrise 2008. Und Sie sagen: Das Schlimmste steht uns noch bevor. Bitte skizzieren Sie Ihr Horrorszenario für ein Deutschland in zehn Jahren.

    Also, wir haben weiterhin die fatalen Eliten, die wir jetzt haben, die quasi vom Ausland beeinflusst sind, wie ein Kiesewetter oder eine Baerbock oder ein Habeck. Da sind weiterhin Leute an den Hebeln der Macht, die fremdbestimmt sind, die nichts für die deutsche Bevölkerung, nichts für die Deutschen tun, nichts für Deutschland tun.

    Vor massiv sinkenden Lebensstandards

    Die Migration wird weitergehen. Das Land wird mehr oder weniger im Chaos sein. Es ist unorganisiert. Es bleibt weiter ein Land, das die Welt beschenkt und das von Lobbygruppen beeinflusst wird Die billige Energie ist weg, die Energie ist teuer. Die größten Teile der Industrien sind abgewandert. Das heißt, wir haben einen massiv sinkende Lebensstandard, die letzten Industrien brechen weg. Die Chinesen haben massiv die Nase vorne bei Elektromobilität.

    Hans-Werner Sinn sagte mal vor zehn Jahren, als wir zusammen auf einer Veranstaltung in Portugal waren, Deutschland ist gut durch die Finanzkrise gekommen, weil wir funktionierende Industriekerne haben. Die gehen aber jetzt gerade in den letzten Jahren seit der Sprengung von Nord Stream Stück für Stück weg, und in ein paar Jahren haben wir nichts mehr. Und es gibt natürlich noch ein zweites Szenario, nämlich dass hier ein Krieg tobt und das Land vom Krieg verwüstet ist.

    Wovor Sie ja warnen, ist eine Digitalisierung des Geldes. Hierzu erscheint am 26. Mai Ihr neu aufgelegtes Buch Rettet unser Bargeld. Warum ist denn das Bargeld so rettenswert aus Ihrer Sicht? Sie warnen ja vor allem Verlust der Freiheit und einer Zunahme an Kontrolle, aber die gibt es ja im Prinzip schon jetzt mit Bargeld. Also Sie und Martin Sellner können ja ein Lied von reihenweise gesperrten Konten singen. Was würde denn anders werden, wenn das Bargeld nicht mehr da wäre?

    Wir sehen ja diesen Repressionsstaat schon lange. COMPACT hat es selber erlebt. Es war eine Zitterpartie. Die Kontrolle, die Repression, die haben wir im Prinzip seit über zehn Jahren. Wir sehen jetzt, dass Donald Trump im Prinzip sämtliche Medien in der Hand hat oder seine Milliardärsfreunde, und auch Debanking läuft schon lange, auch in USA. Man versucht einfach, den Einzelnen komplett einzuhegen. Und der digitale Euro ist dann irgendwo der letzte Nagel am Sarg. Danach ist dann die Kontrolle ziemlich total. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir uns wehren, dass wir Methoden der Resilienz entwickeln.

    Also für Sie wäre das Teil von einer größeren Entwicklung, dass es dann auch in Richtung Transhumanismus geht, dass man dann mit Chip in der Hand bezahlt oder so?

    Das ist schon das nächste Thema, in der Tat. Auch das Smartphone ist ein Schritt in Richtung Transhumanismus. Wir verschmelzen mit dem Smartphone jetzt nicht physisch im Moment, aber unsere ganzen Gewohnheiten stellen sich auf dieses Gerät ab. Ich habe das immer als äußerst störend, als eine Unverschämtheit empfunden, dass ich, um bestimmte Aktionen durchzuführen, ein Gerät haben muss. Das ist alles, wie Sie sagen, ein Teil des noch größeren, also technologischer Totalitarismus. Es geht um unsere totale Kontrolle. Das nächste ist dann Transhumanismus.

    Nochmals zum Geld. Es gab ja jetzt so einen riesigen Ansturm auf Gold und Silber. Ist das für Sie eine ernstzunehmende Gegenbewegung oder ist das mehr so eine Art Panikphänomen?

    Das ist ein Baustein. Ich empfehle Gold und Silber immer noch als Versicherung. Also, man hat das, um einfach ein bisschen mobiler zu sein. Wer es noch nicht hat, sollte auch jetzt ein bisschen was kaufen. Wir leben in totalitären Zeiten. Der Druck ist brutal auf Andersdenkende. COMPACT hat es selber erlebt, stand an der Front. Menschen suchen in solchen Phasen gerne nach der einen Lösung. Deswegen wird auch Krypto so gehypt und Bitcoin, das ist jetzt ja für manche fast eine Religion, dieses Bitcoin.

    Wenn ich das mal so fragen darf: Wie sind Sie eigentlich so reich geworden? Sie haben ja hier Riesenanwesen, eine Privatbibliothek, gelten ja auch als Fondsmillionär. Wie haben Sie das geschafft?

    Harte Arbeit, immer wieder aufstehen, ackern wie bekloppt!

    Die meisten, vom Finanzkapitalismus kommen, die haben dann libertäre Gesellschaftsverständnisse, libertäre Forderungen: Viel weniger Staat, der Staat so wenig wie möglich. Das ist ja bei Ihnen nicht der Fall. Also Sie plädieren ja sogar teilweise für Verstaatlichung, wenn ich das richtig verstanden habe. Was unterscheidet Sie da von den anderen Finanzgurus?

    Das ist ein Kernthema. Ich bin durch Hegel geprägt. Das ist philosophisch und soziologisch fundiert, das ist ein Lebensthema von mir. Staat und Markt sind zwei Seiten einer Medaille. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Den Markt gibt’s auch nicht. Es gibt nur ganz spezielle Märkte. Es gibt den Finanzmarkt, es gibt den Agrarmarkt, es gibt den Jahrmarkt, es gibt den Markt für Sex, wenn ich das so sagen darf. Da muss man sich immer angucken, wie funktioniert dieser Markt und wie ist der optimale Ordnungsrahmen? Wir haben im Moment gar keinen starken Staat. Wir haben einen Staat, der uns ausquetscht, aber im Dienste der großen Finanzvermögen.

    Für Gemeinwohlökonomie

    Gerade diese großen Internetkonzerne, die großen Lobbys, die sagen den meisten Politikern, wo es langgeht und dann wird das umgesetzt. Und deswegen braucht man einen Staat, der wirklich Regelsetzungs- und Ordnungskompetenz hat, und der Staat steht für mich der Wirtschaft. Aber er muss eben klug und selbstbeschränkt sein, was der preußische Staat lange war. Ich bin ein großer Vertreter auch von Gemeinwohlökonomie und wenn wir einen vernünftigen funktionierenden Staat hätten, dann gehörten Google, und all diese Konzerne verstaatlicht, und sie gehört strengen Gesetzen unterworfen.

    Sie waren in Amerika, kennen sich auch mit der amerikanischen Welt sehr gut aus, sind ja dann nach Deutschland zurückgekehrt und waren 30 Jahre lang in der CDU, von 1991 bis 2020. Wie haben Sie es da so lange ausgehalten?

    Ich war nicht aktiv, war Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung im Begabten-Förderungswerk. Beate Baumann, die langjährige Büroleiterin von Angela Merkel, war in meinem Grundseminar. Aber wirkliche Kontakte habe ich dahin nicht mehr. Ich galt eher als linksliberal, weil ich eben für Finanztransaktionssteuer, für ein faires Steuersystem bin. Mit 18 oder 19 bin ich dann auch in die Werteunion eingetreten. Das hat manche sehr geärgert, aber ich habe CDU-Positionen vertreten. Ich habe versucht, auch im Hinblick auf die Bundespräsidentschaftskandidatur irgendwo die Brandmauer zu durchbrechen und Brücken zu bauen. Das war mein großes Ziel.

    Das Hambacher Fest, kann man das als Ihren Einstieg in die patriotische Bewegung bezeichnen?

    Nein, ich war immer Patriot. Ich hatte immer das, was ein Protagonist der AfD Tiefenbewusstsein nennt. Ich habe mich immer mit Geschichte befasst seit meinen Teenagerjahren. Deswegen wollte ich auch in die USA, weil ich dachte, Deutschland ist nicht souverän. Das war mir mit 16, 17, bereits bewusst, und dann hat es mich doch aus verschiedenen Gründen nach Deutschland zurückgezogen um das Jahr 2000 herum. Ab 2016 bin ich dann offensiver geworden.

    Das Hambacher Fest war ja insofern etwas Besonderes, als dass es ja über die AfD hinausgewirkt hat, also auch viele Rechtsintellektuelle versammeln konnte, die jetzt nicht unbedingt mit der Partei zusammengehangen haben. Aber kam dann dort auch der Kontakt zur AfD zustande?

    Das war mein zweiter Kontakt. Beim ersten Kontakt hatte ich mit Gauland im Herbst 2016 gesprochen. Wir haben uns zwei Stunden nett unterhalten, es ist aber dann nichts dann weiter passiert. Im Frühjahr 2017 sagte meine Frau, von der ich getrennt bin, ich müsse jetzt was machen. Ein paar Tage später habe ich auf X gepostet, dass ich AfD wähle. Das haben dann auch viele repostet und so weiter. Das war natürlich für viele ein Schock. Die ersten, die mich komplett gecancelt hatten, war N-TV. Und dann begann natürlich der Abstieg.

    Noch eine hypothetische Frage, wenn Ulrich Siegmund die Wahl gewönne in Sachsen-Anhalt und ihn einen Ministerposten antragen würde, Wirtschaftsminister für Sachsen-Anhalt, stünden Sie dann bereit?

    Ich würde sicherlich freundschaftlich beraten. Das Amt aber würde ich wahrscheinlich aber eher ausschließen als eine weitere Bundespräsidentschaftskandidatur, denn das ist so irgendwie auch der Schlusspunkt einer politischen Karriere.

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