Horror in den Schweizer Alpen: Drei Kleinflugzeug-Abstürze mit 28 Toten

8

Wie Sternschnuppen fielen in den letzten 15 Tagen die Kleinflugzeuge in den Schweizer Alpen vom Himmel. Ob das mit dem extrem heißen Wetter etwas zu tun haben könnte?

_ von A. Benjamine Moser

Den Reigen der Unglücks-Serie eröffnete eine Robin, die Ende Juli am Nachmittag von Sitten für eine Alpen-Rundfahrt in die Lüfte stach. Auf dem Duran-Gletscher rund 3.300 müM, setzte sie – keine 20 Minuten später – ein automatisches Notsignal an die REGA (Schweizerische Rettungsflugwacht) ab. Sofort brach die Air Zermatt zur Rettung auf, doch sie konnte nur noch den Tod der vier Insassen feststellen. Der Pilot ein Schweizer-Chemiker (54) mit seinem 21-jährigen Sohn sowie ihren Gästen aus Dänemark. Eine 59-jährige Mutter mit ihrem Buben von 20. Mit der Rundfahrt wollte man sich für das Austauschjahr im flachen Land bedanken. Die grauweiß gefirnten Felsen wurden ihnen zum Grab.

Nicht minder tragisch endete letzten Samstag eine Familie ein wenig westlich am Lopper in Nidwalden. Ein Vater (47), von Beruf Chefpilot bei den Pilatuswerken, wollte mit Frau und Kindern (15 und 13) nach Frankreich in die Ferien starten und zerschellte mit seiner Tobago auf einer Höhe von 1.500 müM. Alle fanden den Tod und vom Flugzeug ist bloß noch Asche übrig. Zuerst musste die Flug-Feuerwehr Wasser aus dem Vierwaldstättersee holen, um den ausgelösten Waldbrand zu löschen, bevor man mit der Bergung im äußerst steinigen und bewaldeten Gebiet anfangen konnte.

HB-HOT/A-702, zu sehen in „Agenten sterben einsam“ und „Operation Walküre“, am 4. August 2018 bei Absturz zerstört ǀ Foto: Kogo, GFDL / Wikimedia Commons

Am früheren Nachmittag flog „Tante Ju“ von Locarno-Magadino nach Dübendorf, wo die 17-plätzige Maschine sowie drei Crew Mitglieder zu einem zweitägigen Ausflug ins Tessin erwartet wurde. Die Maschine eine Junker 52 HP-HOT, getauft auf den Namen „Dessau“, steuerte aufs Martinsloch zu (hier scheint am 21. Dezember die Sonne durch eine kreisrunde Gesteinsformation und diente als Zeitindikator), machte eine Linkskurve und stürzte wie ein Stein vom Himmel auf die Westflanke des Piz Segnes (2.540 müM) in der Nähe von Flims, Kanton Graubünden. Der Hüttenwart beobachtete das Unglück und sagte: „Die Maschine ist nach vorne gekippt und hart aufs Terrain aufgeschlagen, das Ganze hat keine 15 Sekunden gedauert.“ Das Flugzeug riss dabei nicht auseinander. Alle 20 Passagiere fanden den Tod, darunter ein Ehepaar aus Österreich mit Sohn. Das Alter der Toten bewegt sich zwischen 42 und 84 Jahren. Darunter sind elf Männer und neun Frauen. Der Pilot und der Co-Pilot hatten lange bei der Swissair sowie Swiss gedient, beide über 30 Jahre, und waren geübte Militärpiloten. Es ist die schwerste Luftfahrt-Katastrophe in der Schweiz seit dem Crossair-Unfall von 2001.

1981 musterte die Schweizer Armee diese legendären Ju 52 aus, die auf allen Kontinenten präsent waren und vielen Armeen auf der ganzen Welt über Jahrzehnte gute Dienste geleistet hatten. Das Flugzeug diente in der Arktis, in den Anden sowie trockenen Wüsten. Diesen Allrounder hat das deutsche Ingenieurs-Genie, Hugo Junker, aus Dessau erfunden. Derselbe Mann, der auch der Menschheit das Warmwasser ins Haus gebracht hat.

COMPACT-Magazin August 2018 – Jetzt am guten Kiosk oder hier zu bestellen!

Mit den Nazis und deren Militär-Ambitionen hatte Junker allerdings das Heu nicht auf derselben Bühne, weshalb sie ihn und seine Werke entschädigungslos enteigneten. Den Klau von 400 Patenten inklusive. Im zweiten Weltkrieg, als die Sowjets dabei waren, Ostdeutschland zu überrennen, haben die Amis wohlweislich dafür gesorgt, dass diese einmalige Hinterlassenschaft in ihre Hände kam. Der Flugpionier selbst musste das alles nicht mehr selber erleben, denn bereits 1935 ist er 76-jährig in der Nähe von München verstorben. Von ihm gilt das Zitat: „Jeder hat einen Spleen und meiner ist zu forschen“.

Hugo Junkers, 1920, galt den NS-Machthabern als politisch unzuverlässig, wurde 1933 enteignet, erhielt Stadtverbot für Dessau. Foto: public domain via Wikimedia

Aufgrund des Unglücks weht deshalb zur Zeit vor dem Rathaus in Dessau die Fahne auf Halbmast. Mit dem Abgang der „Dessau“, die übrigens für die Filme Agenten sterben einsam (1968) sowie Die Walküre mit Tom Cruise (2007) prominente Filmauftritte absolviert hat, verbleiben nur noch zwei Originale der „Tante Ju“ von den einst 5.000 produzierten Flugzeugen dieses Typs übrig. Beide befinden sich im Besitz der Air Ju, aber aufgrund der Tragödie vom letzten Samstag bleiben sie vorerst am Boden. Zumindest solange, bis die staatlichen Einrichtungen den Unfall in all seinen Aspekten aufgearbeitet haben, sagte der CEO.

Von Aviatik-Experten wird kontrovers diskutiert, ob die momentan herrschende Affenhitze eine Rolle bei diesen Abstürzen aufgrund eines Luftabrisses gespielt haben könnte. Heiße Luft ist wesentlich viel dünner als kalte. Viele Experten verneinen dieses Theorie, Piloten mit so vielen Flugstunden managen solche Lappalien… Einige behaupten jedoch, dass man gerade diese extremen Naturphänomene in der Privatfliegerei völlig unterschätze. Heute sind in verschiedenen Printmedien Berichte aufgetaucht, die diese These stützen. So soll ein erfahrener Militärpilot bei einer Verlegung mit einer Ju 52 nur mit Müh und Not übers Grimsel-Massiv gekrochen und mit viel Glück heil in Sitten gelandet sein.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus mit einem Abo (einfach hier klicken!) und genießen Sie viele Vorteile!

Die beiden Unglückspiloten der „Tante Ju“ sagten unlängst selbst in einem österreichischen Aviatik Magazin: „Die Ju 52-Maschinen sind fliegerisch nicht ganz harmlos, Heckrad zehn Tonnen, drei Motoren. Hinzu kommt, dass wir viel im Gebirge fliegen.“ Man fliegt auf Sicht und die Ju ist definitiv kein Jet, der bei schwierigen Verhältnissen seinen Motoren ein Extra abverlangen kann. Fazit: Unterschätzt man trotz 900 Stunden Flugerfahrung auf einer Ju 52 die Natur und ihre Tücken? Das gilt für den erfahrenen Pilatus-Piloten mit seiner Tobago und erst recht für die übrigen Hobby-Piloten. Welche Maßnahmen sich aufdrängen oder nicht, werden die staatlichen Untersuchungen zeigen…

 


Über den Autor

8 Kommentare

  1. Habe hier einen Beitrag zum Absturzgrund dieser JU Flieger. I moechte vorschlagen daß sich die Untersuchung auf das benutzte Benzin AVGAS konzentriert. Als Versorger /Liverung on vielen tousand Tonnen nach Afrika habe ich mich über Jahre mit Avgas Spezifikationen beschäftigt. Da ich vom Artikel nicht weis was die Art vone AVGAS in den Fliegern war, kann es wohl sein das durchdie Hitzwelle das AVGAS mit für kaltes Wetter gestelltes AVGAS mit RVP (Reid Vapor Pressure) 13 so verhalten hat das es ein "Vaperlock" verursacht hat, d.h. daß ther Motor keinen Spritmehr bekam das ein vaperlock durch ein entstehendas vakkum die Zufuhr sperrt/blockt. Das wäre meine Analyse und Vorschlag darauf him zu untersuchen. Bitte leiten sie diesen Gedanken an die untersuchende Stelle weiter, da ich mit solchen Agenturen nich mehr vertraut bin. Besten Dank!

  2. Nach den schwierigen Verhandlungen über das CIT-Projekt gestern im aufgeheizten Belin bin ich mit dem Firmenhelikopter noch kurz nach Ritzebüttel rausgeflogen, um mich im Wernerwald abzukühlen und den Sonnenuntergang über der pazifisch anmutenden Nordsee zu genießen. Aber mit einem Oldtimer-Flugzeug in der Schweiz zwischen all den hohen Bergen herumzufliegen und die Fönwinde zu testen, das würde ich mich dann doch nicht trauen!

  3. Pachydermos am

    Seh`Ich richtig? Antikapitalistischer Beitrag wegzensiert ????? Na Ja,Antikapitalistisch = Antisemitisch heißt es ja neuerdings,nicht? Allerdings war der Beitrag auch Nazi-kritisch.Aber das dürfte "Compact" doch schwerlich gestört haben.

  4. Heiko Stadler am

    Die Tante Ju hat im Vergleich zu modernen Flugzeugen ein sehr schlechtes Leistungsgewicht und damit eine geringe Steighöhe beim Start und wenig Leistungsreserven bei Fallwind. Moderne Technik ist einfach besser, auch wenn uns die Medien das Gegenteil weis machen wollen.

  5. Ob das mit dem extrem heißen Wetter etwas zu tun haben könnte?

    JA!

    Wenn die Haube zugeht steigt die Temperatur innerhalb von Sekunden im Flieger und es dauert etwas bis man in der Luft ist.

    Bis dahin ist mancher Pilot schon gar gekocht in der Birne und macht Fehler!

  6. Pachydermos am

    Tja,Luft hat keine Balken, ohne guten Grund sollte man sich da nicht hinbegeben,wo der Mensch nicht hingehört. Trotzdem,ohne die "Tante Ju",die die ersten Truppen von Spanisch-Marroko nach Spanien brachten, wäre der Kreuzzug buchstäblich ins Wasser gefallen und die Linken hätten weiter gewütet.

Bitte beachten Sie unsere Kommentarregeln.

COMPACT-Abonnement mit Buchprämie "Nie zweimal in denselben Fluss"Button Jetzt abonnieren

Empfehlen Sie diesen Artikel