Knapp vier Wochen  Stille über dem Golf. Am Montag setzten iranische Drohnen Ölanlagen im Hafen von Fudschaira in Brand, einem Hafen am Golf von Oman, über den Schiffe einen Bogen um Teherans Mautstation von Hormus machen. Unsere aktuelle Ausgabe kommt zur rechten Zeit: „Zions Höllenritt. Wie Netanjahu die USA in den Untergang reißt.“ Hier mehr erfahren.

    Die Drehscheibe Fudschaira am Golf von Oman war die stille Ausweichroute der Emirate (VAE). Von hier floss das Öl der Scheichs in die Welt, vorbei an iranischer Kontrolle und Revolutionsgarde, ohne einen Cent Bitcoin-Maut an Teheran.

    Projekt Freiheit, Antwort: Feuer

    Trump hatte am Sonntag den Start von «Projekt Freiheit» verkündet, einer neuen US-Marineoperation, die die Straße von Hormus für die internationale Handelsschifffahrt freimachen soll. Nach Angaben von CENTCOM (US-Zentralkommando im Nahen Osten) unterstützen 15.000 Soldaten, lenkwaffenbestückte Zerstörer, mehr als 100 Flugzeuge sowie unbemannte Systeme den Einsatz.

    Die Revolutionsgarden bezeichneten ihren Angriff auf Fudschaira als Reaktion auf das «Abenteurertum der US-Armee» und eine «illegale Passage von Schiffen durch verbotene Routen der Straße von Hormus». Ein namentlich nicht genannter Vertreter des iranischen Militärs sagte dem staatlichen Rundfunk, der Angriff auf die Ölanlagen sei «zunächst nicht geplant gewesen».

    Einsam auf weiter Flur: Donald Trump am 16. April 2026 im Südgarten des Weißen Hauses. Foto: The White House

    Die VAE meldeten, die Flugabwehr habe insgesamt zwölf ballistische Raketen, drei Marschflugkörper und vier Drohnen bekämpft. Drei Raketen wurden abgefangen, eine weitere ging im Meer nieder. In mehreren Regionen des Landes war die Flugabwehr zu hören, die Bevölkerung war aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen.

    Das emiratische Außenministerium erklärte, man werde die eigene Sicherheit und Souveränität schützen und behalte sich das «volle und legitime Recht» vor, auf die Angriffe im Einklang mit dem Völkerrecht zu reagieren. Zudem meldete das Außenministerium, zwei iranische Drohnen hätten einen Tanker des staatlichen Energiekonzerns ADNOC getroffen. Das Vorgehen stelle eine «Piraterie» durch die iranischen Revolutionsgarden dar und gefährde die regionale Stabilität sowie die globale Energiesicherheit. Arabische Staaten wie Jordanien, Bahrain und Ägypten verurteilten die Angriffe. Kuwait und Katar zeigten sich solidarisch mit den VAE. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman nannte die Angriffe «ungerechtfertigt». Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett stufte sie als Kriegserklärung ein.

    Gefechte zwischen den USA und Iran

    Iranische Medien berichteten darüber hinaus von einem Raketenangriff auf einen US-Zerstörer nahe der südiranischen Hafenstadt Jask. Laut der Nachrichtenagentur Fars sollen zwei Raketen das Schiff getroffen haben, nachdem es eine iranische Warnung ignoriert und versucht habe, in Richtung der Meerenge zu fahren. CENTCOM widersprach auf X ausdrücklich:

    «Keine Schiffe der US-Navy wurden getroffen.»

    Gleichzeitig vermeldete CENTCOM-Kommandeur Admiral Brad Cooper, amerikanische Kräfte hätten sechs iranische Schnellboote versenkt, die zivile Schiffe ins Visier genommen hatten. Trump schrieb auf Truth Social von sieben Booten und begründete das Vorgehen damit, der Iran habe unbeteiligte Nationen angegriffen, darunter ein südkoreanisches Frachtschiff. Cooper warnte den Iran eindringlich davor, sich amerikanischen Militärkräften zu nähern. Zwei US-Handelsschiffe passierten die Meerenge unterdessen sicher. Der Ölpreis quittierte die Eskalation umgehend: Brent kletterte auf über 114 Dollar pro Barrel.

    Die Ausweichroute im Visier

    Der Hafen von Fudschaira liegt direkt am Golf von Oman, außerhalb der Straße von Hormus, und ist einer der größten Bunkerhäfen der Welt. Der Begriff «Bunker» stammt in diesem Kontext aus der Seefahrt, wo Treibstoff traditionell in Bunkern, also Tanks unter Deck, gelagert wird. Die 380 Kilometer lange Habshan-Fudschaira-Pipeline, auch bekannt als Abu Dhabi Crude Oil Pipeline, verbindet die Ölfelder im Landesinneren Abu Dhabis direkt mit dem Hafen.

    kyline von Abu Dhabi mit Emirates Palace und Etihad Towers am Persischen Golf. Foto:
    ykeiko. FAL (Free Art License). Wikimedia Commons.

    Seit Kriegsbeginn läuft sie auf Hochtouren: Im März 2026 wurden täglich fast zwei Millionen Barrel über Fudschaira verladen. Seit dem Austritt der VAE aus der OPEC zum 1. Mai hat die Drehscheibe noch weiter an Bedeutung gewonnen. Der OSINT-Analyst (wertet öffentliche Quellen aus) Babak Vahdad schrieb auf X:

    «Mit überlegener Produktion, erstklassigen Pipelines, enormen Speicherkapazitäten und Hafenanlagen entwickeln sich die VAE zum Energiezentrum der Region.»

    Teheran hat das registriert. Die mit den Revolutionsgarden verbundene Nachrichtenagentur Tasnim veröffentlichte auf Telegram eine Karte, die das iranische Kontrollgebiet ausweist: von der Insel Qeschm im Persischen Golf bis nach Umm al-Kaiwain an der Nordwestküste der VAE, und weiter östlich im Golf von Oman von der iranischen Küste südlich bis nach Fudschaira.

    Waffenruhe vor offiziellem Aus

    Es ist der erste iranische Angriff auf emiratisches Territorium seit Beginn der Waffenruhe am 8. April, die Trump zuletzt einseitig auf unbestimmte Zeit verlängert hatte. Irans Armeekommandeur Ali Abdollahi hatte Washington bereits zuvor unmissverständlich gewarnt: Sollte die US-Blockade iranischer Häfen andauern, würden die iranischen Streitkräfte keinerlei Schiffsverkehr mehr durch den Persischen Golf, den Golf von Oman und das Rote Meer dulden:

    «Kein Hafen in der Region wird sicher sein.»

    Fudschaira ist die erste Antwort auf diese Ankündigung. Irans Außenminister Araghtschi kommentierte Trumps «Projekt Freiheit» auf X knapp: «Projekt Freiheit ist Projekt Sackgasse.» Die USA sollten darauf achten, «sich nicht von böswilligen Kräften wieder in einen Sumpf hineinziehen zu lassen.» Araghtschi behauptete zugleich, die Verhandlungen für ein Kriegsende machten Fortschritte «dank des großen Einsatzes Pakistans».

    Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Teheran derweil auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Straße von Hormus und das iranische Atomprogramm bleiben die zentralen Streitpunkte. Offiziell haben die USA noch der Iran die Waffenruhe aufgehoben.

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