Unglaublich! Jetzt haben sie das Russische Haus in Berlin auf dem Kieker. Die kulturelle Begegnungsstätte, seit 1984 aus der Hauptstadt gar nicht wegzudenken, passt verbissenen Kriegsfreunden nicht mehr in ihren Kram. Die COMPACT-Spezialausgabe „Krieg gegen Russland“ zeigt auf, wohin derlei Hetze führt. Hier mehr erfahren.

    Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin ist seit Jahrzehnten ein Ort für Kultur, Bildung und Begegnung. Es bietet Sprachkurse, Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und wissenschaftliche Veranstaltungen. Menschen verschiedener Herkunft und politischer Überzeugungen begegnen sich dort durch Sprache, Musik, Literatur und persönliche Gespräche.

    Jetzt gerät diese wertvolle Einrichtung ins Visier der Kiesewetters dieser Republik. Deren offene antirussische Propaganda trifft nun also schon völkerverständigende Begegnungsstätten. Wie verbissen kann man sein?!

    „Symbol unserer Schwäche“

    Mehrere Politiker von CDU, Grünen und FDP fordern jetzt die Schließung des Russischen Hauses mit der durch nichts erhärteten Behauptung, Moskaus Geheimdienste trieben dort ihr Unwesen. Der unvermeidlichen Roderich Kiesewetter gehe davon aus, dass die Einrichtung als Spionagezentrale genutzt werde, so der CDU-Außenpolitiker gegenüber der Welt. Und er tobt: Heute sei das Haus „voll mit Menschen, die Deutschland nicht wohlgesonnen sind“. Mehr noch: „Dieses Haus ist Symbol unserer Schwäche und russischer Einflussnahme.“

    Grünen-Politikerin Sara Nanni schlägt ähnliche Töne an und verweist darauf, dass sie schon zu Zeiten der Ampel vergeblich versucht hatte, eine Schließung des Kulturhauses zu erzwingen. Dass sich die Bundesregierung aus vertraglichen Gründen derzeit diesbezüglich noch zögerlich gibt, ist in ihren Augen „Duckmäusertum“ gegenüber dem Kreml. Selbstverständlich fehlt Agnes Strack-Zimmermann von der Kubicki-Partei in diesem Zusammenhang nicht. Sie giftet:

    „Mitten in Berlin sitzt der Feind der Freiheit – und wir schauen zu“.

    Sie verlangt von der Bundesregierung, den Ende des Jahres auslaufenden Kulturstaatsvertrag mit Russland zu kündigen. Den Vogel aber schoss in diesem Fall SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach ab, der sich doch tatsächlich mit einem Schild vor dem Russischen Haus platzierte. Darauf stand: „Hier können wir enteignen, liebe Linke“. Warum nicht gleich entglasen?! Die Betreibergemeinschaft des Russischen Hauses steht übrigens bereits unter der Knute von EU-Sanktionen.

    Austausch ist keine Gefolgschaft

    Gerade in dunklen Tagen eines ohnehin schon belasteten Verhältnisses sind kulturelle Brücken von überragender Bedeutung und dürfen nicht leichtfertig abgebrochen werden. Die geforderte Schließung des Russischen Hauses wäre ein verheerendes Signal mit Blick auf die Verständigung. Sie träfe Menschen, die kulturelle und sprachliche Angebote nutzen: Familien, Kinder, ältere Personen, Künstler und Deutsche mit biografischen Bezügen zu Russland oder anderen Staaten des ehemaligen sowjetischen Raums.

    Eine Einrichtung allein wegen ihrer kulturellen oder nationalen Zuordnung politisch auszugrenzen, erinnert an ganz dunkle Tage unserer Geschichte. Es muss gewährleistet sein, dass alle Menschen das Russische Haus sicher und ohne Angst besuchen können. Niemand darf wegen seiner Sprache, Herkunft, kulturellen Interessen oder des Besuchs einer rechtmäßig tätigen Einrichtung bedroht, beschimpft oder eingeschüchtert werden.

    Kultureller Austausch ist keine politische Gefolgschaft. Eine demokratische Gesellschaft muss gerade dann Räume der Begegnung bewahren, wenn die Beziehungen zwischen Staaten belastet sind. Wer Möglichkeiten zur Verständigung beseitigt, vertieft die gesellschaftliche Spaltung.

    Das BSW hat eine Petition zum Erhalt des Russischen Hauses gestartet. Sie kann hier unterzeichnet werden. Gefordert wird der Erhalt als offener Kultur-, Bildungs- und Begegnungsort.

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