Die Welt hatte den Atem angehalten: Wollte Trump den Iran auslöschen? Ergebnis war dann ein Waffenstillstand, dessen Bedingungen weiterhin unterschiedlich interpretiert werden. Wir liefern als wichtige und weiterführende Hintergrundinformation das COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen“. Hier mehr erfahren.

    Am 8. April verkündete US-Präsident Donald Trump die Aussetzung der Angriffe auf die iranische Infrastruktur und einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Die internationale Presse bewertet diesen Schritt sehr unterschiedlich. Erleichterung steht im Vordergrund, aber auch Kritik. Eine Übersicht.

    In der Sackgasse…

    Die amerikanische Washington Post sieht, dass Trump im Grunde gezwungen war, den Konflikt zu beenden. Trotz fehlender Garantien für ein Abkommen und möglicher Unzufriedenheit in den eigenen Reihen hätten die beinahe Verdopplung der Benzinpreise und sinkende Zustimmungswerte vor den Kongresswahlen den Präsidenten zum Handeln gedrängt. Ähnlich äußert sich das Portal Forward. Trump habe sich selbst in eine Sackgasse manövriert und suche nun einen Ausweg, der ihm erlaube, Verantwortung abzuwälzen und gleichzeitig Stärke zu demonstrieren.

    Die US-Nachrichtenagentur Bloomberg spricht von einer „deutlichen Abkehr“ von Trumps zuvor kriegerischen Social-Media-Drohungen, die teilweise als Ankündigung von Kriegsverbrechen gewertet werden konnten. Der Waffenstillstand löse ein Problem, das Trump selbst geschaffen habe.

    Der Indian Express sieht den Rückzug als Versuch, eine strategische Sackgasse in einen symbolischen Sieg umzuwandeln. Die US-Regierung wolle eine Spaltung der republikanischen Wählerbasis verhindern und die Wirtschaft stabilisieren. Trump tarne die Notwendigkeit zum Rückzug als „Frieden durch Zwang“.

    Was sagen iranische Blätter?

    Iranische Medien zeigen sich gespalten. Die Zeitung Farhikhtegan mahnt das iranische Volk zu vollem Vertrauen in die eigene Führung und äußerstem Misstrauen gegenüber den USA, die Abkommen wiederholt gebrochen hätten. Der Krieg ende erst, wenn der Widerstand des Volkes in einen politischen Sieg münde.

    Der Sender Press TV feiert den Rückzug der USA als „unvorstellbar“ und spricht von einem „historischen Sieg“ sowie der Bestätigung Irans als neue globale Supermacht. Die Lokalzeitung Kayhan zeigt sich hingegen unzufrieden: Ein bloßer zweiwöchiger Waffenstillstand reiche nicht – man hätte „diesen tollwütigen Hund für immer loswerden sollen“.

    Die dänische Tageszeitung Politiken befasst sich bereits mit einem möglichen Rücktrittsdruck auf Trump:

    „Heute fürchten sich selbst ehemalige Verbündete Trumps so sehr vor seinen möglichen Aktionen, dass sie öffentlich seine Absetzung fordern. … Für eine erfolgreiche Absetzung Trumps ist die Unterstützung der Mehrheit seines Kabinetts und seines Vizepräsidenten erforderlich. Davon ist nichts zu sehen. Doch die Tatsache, dass die Diskussion öffentlich geführt wird, zeigt, dass Trump die Ankündigung nicht als geschickte Verhandlungstaktik abtun kann. … Nun herrscht Waffenstillstand und Hoffnung auf eine Verhandlungslösung. Doch Trumps Worte sind unwiderruflich und werden Konsequenzen haben – für ihn selbst und für den Rest der Welt.“

    Die britische Daily Telegraph konstatiert, dass Iran der Entwicklung von Atomwaffen trotz des Krieges genauso nahe sei wie zu Beginn. Die diplomatische Position Teherans habe sich sogar gestärkt, obwohl die Armee geschwächt worden sei. Die Kontrolle über die Straße von Hormus werde künftig ein wichtiger Trumpf in Verhandlungen sein. Der britische Sender Sky News geht noch weiter und spricht von „Trumps vollständiger Kapitulation“.

    Schwerwiegende Folgen

    In Europa überwiegen besorgte und kritische Töne. Der österreichische Standard nennt es eine Schande, dass Trump Drohungen, „eine Nation von fast 92 Millionen Menschen zu vernichten“, ausgestoßen habe. Der Spiegel berichtet von wachsender Besorgnis in Washington über einen Präsidenten, der sich wie ein „wahnsinniger König“ verhalte – unberechenbar, von Vernichtungsfantasien getrieben und unkontrollierbar. Sein Handeln habe eine globale Krise ausgelöst, deren Folgen selbst bei sofortiger Beendigung schwerwiegend blieben.

    Die britische The Times kritisiert, Trump habe der Welt mit seinem rücksichtslosen Handeln eine schockierende Denkweise vorgeführt, die Verbündete wie Gegner gleichermaßen beunruhige. Die chinesische South China Morning Post erinnert an die historischen Schwierigkeiten des US-Militärs in langwierigen asymmetrischen Konflikten wie Vietnam und Afghanistan. Der Iran-Krieg habe zudem strukturelle Schwächen der US-Rüstungsindustrie offengelegt – zu wenige Fabriken, geschwächte Lieferketten und begrenzte Produktionskapazitäten.

    Nicht zu vereinbarende Forderungen

    Die BBC sieht in dem Waffenstillstand keine endgültige Lösung, sondern lediglich eine Verschiebung. Trotz militärischer Rückschläge für den Iran sei dessen Fähigkeit, die Straße von Hormus zu kontrollieren, nun deutlicher denn je.

    Die französische Tageszeitung Le Figaro stellt fest, dass die Positionen beider Seiten mit 15 US-Vorschlägen und zehn iranischen Forderungen weitgehend unvereinbar bleiben. Dennoch sei keine Seite an einer Verlängerung des kostspieligen Krieges interessiert. Der Waffenstillstand habe eine weitere Eskalation verhindert und könne zur Entspannung beitragen – auch wenn beide Seiten ihren jeweiligen „Sieg“ verkünden werden.

    Wir liefern als wichtige und weiterführende Hintergrundinformation das COMPACT-Spezial „Kriegsverbrechen“. Hier bestellen.

    Kommentare sind deaktiviert.