Der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt forderte sechs Todesopfer und erschütterte ein ganzes Land. Nun hat der Forensiker sein Gutachten vorgestellt. In COMPACT-Spezial „Mädchen, Messer, Morde“ dokumentieren wir noch mehr blutige Attentate seit der Grenzöffnung 2015. Hier mehr erfahren.
Am 20. Dezember 2024 raste Taleb al-Abdulmohsen mit einem schweren BMW-SUV gezielt in die Menschenmenge des Magdeburger Weihnachtsmarkts. Nach Angaben der Anklage tötete er dabei sechs Menschen. Fünf Frauen zwischen 45 und 75 Jahren sowie ein neunjähriger Junge fielen dem brutalen Attentäter zum Opfer.
Zusätzlich wird ihm in 338 Fällen versuchter Mord sowie in 309 Fällen gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Unter den Betroffenen blieben 29 Personen körperlich unverletzt, galten jedoch rechtlich als in Lebensgefahr gebracht. Die Opfer und Verletzten stammten aus nahezu allen deutschen Bundesländern. Auch internationale Gäste waren betroffen, darunter Menschen aus Spanien, den USA und Großbritannien.
Am 10. November begann der Prozess um Taleb al-Abdulmohsen vor dem Landgericht Magdeburg und seitdem wurden Hunderte Zeugen geladen. Viele Aussagen erfolgen per Selbstleseverfahren, das heißt Polizeiprotokolle wurden verlesen, um Betroffene zu schonen. Nur ein Teil sagte freiwillig persönlich aus. Außer den Opfern und ihren Angehörigen, traten auch ehemalige Kollegen und Vorgesetzte aus der Klinik, dem Maßregelvollzug Bernburg als Zeugen auf. Auf die Frage des Richters, ob er das Fahrzeug gesteuert habe, antwortete al-Abdulmohsen ruhig: „Ich bin derjenige, der das Auto gefahren hat.“
Weiterhin hochgefährlich
Der 17. Verhandlungstag war der wohl größte Meilenstein im gesamten Prozess als der psychiatrische Sachverständige Dr. Bernd Langer sein Gutachten vorstellte. Er kommt zu dem Schluss, es fänden sich keine schuldmindernden oder schulausschließenden Umstände.
Er diagnostizierte ihm eine narzisstische Persönlichkeit. „Es gibt genügend Indizien aus psychiatrischer Sicht, dass der Angeklagte ganz genau wusste, was er tat“. Auch attestierte er ihm Paranoia, weil Abdulmohsen glaubte, ausspioniert zu werden. Er erklärte: „Der Angeklagte sah sich im Zentrum einer gegen ihn gerichteten Verschwörung.“ Langer betonte zudem, dass der Angeklagte weiterhin hochgefährlich sei.
Während der Forensiker seine Ergebnisse vorstellte, rastete Taleb al-Abdulmohsen in seiner Sicherheitskabine aus. Nicht zum ersten Mal. Als seine ehemaligen Kollegen Ende November 2025 am 5. Prozesstag von gravierenden Problemen seiner Arbeit berichteten, verlor er ebenfalls die Fassung.
Der Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Doch die Kernfrage nach der Verantwortung des Täters scheint nach dem psychiatrischen Befund klar beantwortet: Taleb al-Abdulmohsen handelte voll verantwortlich und muss sich für die grausame Tat verantworten.
Das Gutachten macht eine hohe Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung sehr wahrscheinlich.
In COMPACT-Spezial „Mädchen, Messer, Morde“ haben wir außerdem ausführlich über Taleb al-Abdulmohsens Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt berichtet. Hier bestellen.





