Grüne schicken Göring-Eckardt/Özdemir ins Kanzlerrennen – COMPACT spendiert Özi-Biographie

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Sehen so Sieger aus? Die Basis hat jedenfalls gesprochen: Co-Parteichef Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckhardt sind 2017 Kanzlerkandidaten*INNEN (oder wie die das nennen) …

Fraktionschefin Göring-Eckhardt hatte als einzige weibliche Kandidatin ihren Platz bereits sicher. Özi konnte sich in der Urwahl gegen Fraktionschef Anton Hofreiter und den schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck durchsetzen. Knapp 60 Prozent der 61.000 Mitglieder hatten abgestimmt.

COMPACT gratuliert dem 51-Jährigen und spendiert zur Feier des Tages einen Textauszug aus unserem Spezialmagazin „Nie wieder Grüne! Portrait einer gefährlichen Partei“. Hier bestellen! Die Heftvorstellung finden Sie hier.

Ein schwäbischer Anatolier

_von Lion Edler

Cem Özdemir hat es bis an die Spitze der Grünen geschafft. Dabei jammert er die ganze Zeit über die angebliche völkische Ausgrenzung in Deutschland. Oder macht man genau damit Karriere?

Nicht allzu häufig bekommt der als Medienliebling geltende Grünen-Parteichef derartig kritische Fragen gestellt. Warum er denn Deutschland für ein «ungerechtes Land» für Migranten und Nicht-Akademiker halte, wollte der UniSpiegel von Cem Özdemir wissen. Schließlich sei er doch, wie das Magazin betonte, «in einer Arbeiterfamilie aufgewachsen» und habe es trotz türkischer Abstammung zu etwas gebracht: Abitur, abgeschlossenes Hochschulstudium, und dann auch noch der erste türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Deutschlands.

Die Leiden des jungen Cem

«In Deutschland reproduziert sich der Status der Eltern», meinte daraufhin Özdemir. Die Selektion beginne «schon im Kreißsaal». Zum Beleg führt der 1965 im schwäbischen Urach geborene Politiker eine alte Geschichte an, die er schon öfters erzählt hat: Als er als Schüler in der vierten Klasse angegeben habe, dass er aufs Gymnasium wolle, da habe «die ganze Klasse schallend gelacht, einschließlich des Lehrers». Diesen Moment, so Özdemir, «werde ich nie vergessen». Ein Fall von Türkenfeindlichkeit?

Allerdings hatte diese Szene eine kleine Vorgeschichte, die er in einem Welt-Interview erklärte: «In Deutsch hatte ich bis zur vierten Klasse immer eine Fünf. Die schlechtesten Diktate haben immer ich und José, der Portugiesenjunge, geschrieben.» Er habe bis zu diesem Zeitpunkt zu Hause kein Deutsch gesprochen, sagt Özdemir der Welt. José auch nicht. Im Interview mit dem UniSpiegel erfährt man von diesem Hintergrund leider nichts.

Viel von Kränkungen liest man auch in seiner Autobiographie Ich bin Inländer – ein anatolischer Schwabe im Bundestag, die Özdemir drei Jahre nach seinem Einzug in das Hohe Haus 1994 verfasste. Kindheit und Schulzeit scheinen für Özdemir der reine Horror gewesen zu sein, wenn man seinen Schilderungen Glauben schenkt. Schon die Zeit im Kindergarten stand offenbar unter keinem guten Stern: Özdemir wurde verdächtigt, einem anderen Kind die Wasserpistole gestohlen zu haben. Alle Kinder hätten damals mittags nach Hause gedurft, nur er nicht, klagt der Neu-Schwabe. Er habe dableiben müssen, «bis ich die Pistole zurückgegeben oder gefunden hätte». Da weinte der kleine Cem und traute sich nicht, seinen Eltern zu erzählen, was passiert war. Özdemir lässt in der Biographie keinen Zweifel daran, dass für ihn auch in diesem Fall das Private höchst politisch ist: «Noch heute weisen die Tatverdächtigen und Verurteilten-Statistiken bei «ausländischen» Tätern eine besondere Diskrepanz auf.» Ohnehin habe die Erzieherin «ihre pädagogischen Vorstellungen wahrscheinlich zwischen 1933 und 1945 entwickelt».

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Krieg für die bosnischen Brüder

Neben der Integrationspolitik beschäftigte sich der Deutsch-Türke immer wieder mit außenpolitischen Fragen. Und mit Krieg. Seine Position bei seiner Kandidatur um einen Listenplatz für den Bundestag, dem Bürgerkrieg in Bosnien (1992 bis 1995) «auch mit militärischen Mitteln ein Ende zu bereiten », ging der Mehrheit der Grünen zu weit, erinnert sich Özdemir. Europa wirft er vor, dass dessen «jahrelanges Zögern», seine Glaubensbrüder in Bosnien zu schützen, zu «Verbitterung bei vielen Muslimen in Europa» geführt habe. Deswegen kritisierte er auch die linken Strömungen innerhalb der Grünen heftig. Diese hätten «die Gefangenenlager in Bosnien als Propagandalüge» dargestellt. Und: «Die Auschwitzlüge wird unter Umständen mit Gefängnis bestraft, aber als ”Linker” durfte man so etwas zum Völkermord in Bosnien sagen und galt sogar noch als Tabubrecher im positiven Sinn.» Wieder dasselbe wie bei der Einwanderungsdebatte: Ideologiekritik statt Faktencheck. Die «Srebrenica-Leugner» werden den «Auschwitz-Leugnern» gleichgestellt, ohne zu untersuchen, ob die Gefangenenlager in Bosnien, die es zweifellos gab, mit KZs vergleichbar waren.

Schützenhilfe aus den USA

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1997 hatte das Finanzamt auf einen Schlag 70.000 D-Mark Nachzahlung von dem Deutsch-Türken gefordert. «Ich hatte meine Finanzen nicht im Griff», sagte Özdemir im Rückblick. Der PR-Berater Moritz Hunzinger verschafft Özdemir daraufhin 1999 einen Kredit über 80.000 D-Mark. Die Sache flog im Jahre 2002 auf – und dann wurde ihm auch noch vorgeworfen, dienstlich erworbene Bonusmeilen für Flüge privat verflogen zu haben. Keine schweren Vorwürfe im Vergleich zu anderen Politiker-Affären, doch die Grünen wollten sich damals noch besonders moralisch geben. Özdemir legte daher sein Mandat und sein Amt als innenpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion nieder, und 2003 verschwand er mit einem Stipendium nach Amerika.

«Ich hätte mir auch vorstellen können, dort zu bleiben, ich war fertig mit der Politik», sagt Özdemir. Ohnehin sind die USA neben der Türkei ein Land, zu dem er besondere Beziehungen pflegt: Er durchlief das sogenannte «Young Leaders-Programm» der Atlantik-Brücke, welches Nachwuchskräfte in pro-amerikanische Netzwerke einbinden soll und auch Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gefördert hat. Während seiner Zeit in Amerika hält Özdemir Reden an Elite-Universitäten wie Berkeley und knüpft Kontakte zum Project for the New American Century (PNAC), der bedeutendsten Denkfabrik der Neokonservativen um George W. Bush. Im Jahr 2004 gehört er zu den Unterzeichnern des PNAC-Aufrufes gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland im selben Jahr zieht Özdemir ins Europaparlament ein und wird dort Mitglied im Außenpolitischen Ausschuss. Aufgrund dieser Vorgeschichte hat es für Kritiker einen faden Beigeschmack, dass nicht wenige seiner politischen Positionen mit den Interessen der US-Regierung deckungsgleich sind. So plädiert Özdemir immer wieder eindringlich für eine europäische Banken- und Schuldenunion, befürwortet den EU-Beitritt der Türkei und gehört dem European Council of Foreign Relations an, einem der wichtigen transatlantischen Thinktanks. Umgekehrt trat er 2011 aus dem Verein Werkstatt Deutschland aus, aus Protest gegen dessen geplante Verleihung des Quadriga-Einheitspreises an Putin.

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