Israel setzt Irans Energieanlagen im Persischen Golf unter Feuer. Erstmals steht das Herz der Förderung selbst im Visier, die globalen Märkte reagieren sofort. Donald Trump droht, man werde die Anlage „vollständig zerstören“. Unsere brandneue Spezial-Ausgabe „Kriegsverbrechen – US-Außenpolitik von Truman bis Trump“ zum Thema blickt hinter die Kulissen dieser Eskalation. Hier mehr erfahren.
Am Mittwoch schlagen mehrere Geschosse im South Pars Gasfeld ein. Verarbeitungsanlagen und Pipelineknoten auf iranischer Seite werden getroffen. Das iranische Ölministerium bestätigt Schäden an „mehreren Einheiten der Gasaufbereitung“, spricht von Bränden und einem zeitweisen Produktionsrückgang. Interne Schätzungen aus Teheran gehen davon aus, dass zwischen 10 bis 15 Prozent der täglichen Förderkapazität kurzfristig ausfallen.
Feuer über South Pars
Die Dimension des Ziels ist enorm. South Pars enthält rund 14 Billionen Kubikmeter Gas, etwa ein Fünftel der weltweit bekannten Reserven. Das Gasfeld liegt unter dem Meeresboden im Persischen Golf und erstreckt sich über die Seegrenze zwischen Iran und Katar. Es handelt sich also um ein gemeinsames Vorkommen, das beide Staaten getrennt nutzen. Das Gas wird über Offshore-Inseln (Bohrinseln) vor der Küste gewonnen und anschließend an Land geleitet. Zusammen mit dem katarischen Teil, dem North Field, speist das Gebiet einen erheblichen Anteil des globalen Flüssiggasmarktes. Katar deckt von hier aus rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels ab.
Neben Angriffen auf einige Bohrinseln, wurden rund um das Industriezentrum Asaluyeh im Südiran Pipelines, Aufbereitungsanlagen und Teile des petrochemischen Komplexes getroffen, also genau jene Stellen, an denen das Gas in das Versorgungsnetz übergeht. Auf iranischer Seite dient das Gas vor allem der Versorgung im Inland. Katar dagegen setzt auf weltweiten Export. Ein zentraler Umschlagplatz ist das Industriegebiet Ras Laffan.

Der israelische Generalstabschef Herzi Halevi erklärt laut Militärbriefing, man habe „Infrastruktur getroffen, die direkt zur Finanzierung iranischer militärischer Aktivitäten beiträgt“. Armeesprecher Daniel Hagari spricht von „präzisen Schlägen gegen strategische Energieziele“ und betont, eine vollständige Zerstörung sei nicht beabsichtigt gewesen. Ziel sei es, „Druck auf die operative Fähigkeit des Regimes“ auszuüben. Nach übereinstimmenden OSINT-Kanälen (Auswertung öffentlicher Quellen) setzte Israel Kampfflugzeuge wie F-35 und F-15 ein, unterstützt durch Langstreckenraketen.
Parallel verschärft Washington den Ton. Donald Trump erklärt bei einem Auftritt, man werde die Anlage „vollständig zerstören“, sollte Iran weitere Angriffe auf Energieanlagen zulassen oder unterstützen. Gemeint sind kleinere Drohnenangriffe der Mullahs auf Ras Laffan seit Ausbruch des Krieges.
Nur wenige Kilometer entfernt liegt mit der Kharg Insel auch der wichtigste Exportknoten Irans. Über die Insel laufen rund 90 Prozent der Ölausfuhren des Landes. In den vergangenen Tagen kam es dort bereits zu militärischen Schlägen auf Einrichtungen, die nach US-Angaben sicherheitsrelevante Ziele betrafen. Die Verladeanlagen für Öl blieben unbeschädigt.
Ölpreis geht durch die Decke
Die Reaktion der Märkte folgt sofort. Die Nordseesorte Brent steigt über 109 Dollar je Barrel, ein Plus von mehr als sechs Prozent innerhalb eines Tages. Die US-Sorte WTI zieht auf über 98 Dollar an. Händler reagieren auf die wachsende Gefahr, dass sich die Angriffe auf weitere Anlagen oder Transportwege ausweiten.
Im Zentrum der Nervosität steht die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge laufen täglich rund 20 Millionen Barrel Öl, etwa ein Fünftel des globalen Handels. Schon die Aussicht auf Störungen treibt die Preise. Auch in Deutschland wird die Entwicklung spürbar. Es zeichnen sich bereits spürbare Preisaufschläge ab. Sprit verteuert sich um mehrere Cent pro Liter, Heizöl zieht ebenfalls an.
Dass ein Gasfeld den Ölpreis treibt, folgt einem einfachen Mechanismus. Fällt Gas aus, weichen Kraftwerke und Industrie auf Öl aus. Gleichzeitig wächst die Angst, dass nach Gas auch Ölterminals oder Tanker ins Visier geraten könnten. Der Markt preist diese Risiken sofort ein.
Auch die Börsen geben nach. Der Dax verliert rund ein Prozent, in den USA geraten Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq unter Druck. Steigende Energiepreise verteuern Produktion und Transport und drücken auf Margen. Für Verbraucher landet die Eskalation damit direkt an der Zapfsäule und bei den Heizkosten.
Parallel sucht Donald Trump nach internationaler Rückendeckung. Nach Angaben aus Washington hat er Nato-Staaten und auch China aufgefordert, die Straße von Hormus gemeinsam zu sichern. Die Unsicherheit rund um die Meerenge entwickelt sich damit zur strategischen Schwachstelle der USA. Gerät der Ölfluss ins Stocken, trifft das nicht nur Gegner, sondern den Kern der westlichen Wirtschaft selbst.
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