#Genua: Bombenanschlag auf die Todesbrücke?

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Das verstörende Video vom Zusammensturz der #Morandi-Brücke: Hier anschauen.

Derzeit gibt es im Mainstream zwei Theorien über den gestrigen Einsturz der Morandi-Brücke in Genua (35 Tote!): Entweder war es die italienische Schlamperei, oder es war ein Blitzeinschlag.

Über die italienische Schlamperei wurde gestern Abend lang und breit in der Tagesschau hergezogen: Die Infrastruktur im ganzen Land sei baufällig, und das liege nicht an der Strangulierung der Staatsfinanzen durch die EU-Sparpolitik, sondern daran, dass die italienische Bürokratie Milliarden aus EU-Hilfsfonds gar nicht abrufe. Fehlendes Kapital für die Instandsetzung von Straßen und Brücken sei also das Problem Roms, nicht Brüssels. Ergänzt wird das heute früh in der FAZ mit dem Hinweis, der neue Straßenbauminister Danilo Toninelli von der 5-Sterne-Bewegung habe die dringend notwendige Sanierung der Brücke blockiert, weil die Populistenpartei derzeit aus ökologischen Motiven alle großen Bauprojekte blockiere. So wird gleich noch der aktuellen Querfront-Regierung eins reingewürgt.

Wer Italien ein bisschen kennt, wird dieser Schlamperei-Theorie durchaus etwas abgewinnen können (wobei Deutschland inzwischen so runtergewirtschaftet ist, dass man den Hochmut über die Italiener endlich mal ablegen sollte, aber das nur am Rande). Die Privatisierung der Autobahnen (die Brücke ist Teil der A10) verschärft das Problem: Aus Profitgründen sparen die Geldhaie an notwendigen Reparaturen. Das Problem ist nur: Die Plötzlichkeit, mit der die Brücke wegsackte – innerhalb von Sekunden! -, passt nicht ganz dazu. Ginge es nur um spröden Beton, würde es irgendwo zu bröckeln anfangen, aber das wäre kein Vorgang in Sekundenschnelle.

Hier kommt die zweite Mainstream-Theorie ins Spiel: der Blitzschlag. Tatsächlich lag Genua gestern unter Starkregen und Gewitter. Augenzeugen berichtetnn der italienischen Nachrichtenagentur Ansa: “Gegen halb zwölf haben wir einen Blitz in die Brücke einschlagen sehen – und dann stürzte die Brücke in sich zusammen.” Tatsache ist: In die Brücke hat tatsächlich ein Blitz eingeschlagen. Ein Experte der Münchener Blitzmessfirma Nowcast gab an, um genau 11.26 Uhr und 38 Sekunden habe ein sogenannter Bodenblitz die Brücke getroffen. Aber, aber, aber: Erst eine halbe Stunde später stürzte die Konstruktion ein. Vize-Verkehrsminister Edoardo Rixi widersprach: “Eine Brücke wie diese bricht weder durch einen Blitz noch durch ein Gewitter zusammen.”

Elektrisierend ist vor allem dieses Video, denn es zeigt, dass es außer dem Blitz um 11:26 Uhr noch einen weiteren „Blitz“ (?) unmittelbar vor dem Zusammenbruch der Brücke gegeben haben muss. Ganz am Anfang sieht man im Hintergrund zweimaliges Aufblitzen, dann sackt hinten die ganze Konstruktion weg und ein Mann ruft „Oh dio, oh dio“.

Was zum Teufel war das? Ein weiterer Augenzeuge sagte aus, dass der Blitz – es ist unklar, ob er den um 11:26 Uhr meint oder den eine halbe Stunde später – „in einen Pfeiler einschlug“ (Huffingtonpost). “Der Zement hat angefangen zu bröckeln, danach ist alles eingestürzt.“ Der oben zitierte Vizeminister Rixi hielt das für unmöglich.

Es bleibt eine dritte Theorie: Sprengung. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, weil an den Pfeilerbrücken Reparaturarbeiten stattfanden. Da hätte man problemlos ein Bömbchen anbringen können. Mehrere Bömbchen beschleunigen den Prozess und sorgen für das im Video zu sehende unmittelbare Absacken.

Zur Stunde sind alles Theorien. Aber man sollte bedenken, dass es eben drei davon gibt: Schlamperei, Blitz – und Bombenanschlag. Innenminister Salvini, übernehmen Sie!

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