Gender-Sprech made in USA: „Vorderes Loch“ statt „Vagina“

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Vor 20 Jahren war die Vagina noch ein feministisches Symbol für die Befreiung weiblicher Sexualität. Jetzt verzichten medizinische Info-Dienste in den USA zunehmend auf den Begriff, um Trans-Männer nicht zu diskriminieren.

In den 1990er Jahren war das Bekenntnis zum eigenen Geschlecht fester Bestandteil feministischer Symbolpolitik: Schluss mit der Phallokratie. Ein typisches Produkt dieses Zeitgeistes war Eve Enslers Erzählung „The Vagina Monologues“ (Die Vagina-Monologe), das in seiner Theater-Adaption zum internationalen Bühnenhit avancierte.

Selbst Hollywood-Stars wie Winona Ryder, Whoopie Goldberg, Brooke Shields oder Melanie Griffith sprachen diese – auf Interviews beruhenden – Monologe über die erste Sex-Erfahrung bis hin zum Erleiden brutaler Vergewaltigungen. Noch in dem Gruppennamen „Pussy Riot“ findet sich eine Spur vom einstigen feministischen Stolz auf das eigene Genital und dessen Befreiung.

Jetzt wollen US-Gender-Irre ausgerechnet diese Wort ersetzen. Darunter auch Healthline.com, eine der größten Online-Plattformen für Fragen rund um die Gesundheit. Und was ist so schlimm an dem Wort? – Ganz einfach: Es könnte all jene Menschen verletzen, die biologisch als Mann geboren wurden, sich aber als Frau fühlen und traurig darüber sind, dass sie selber keine Vagina haben.

Aber wie kann eine Gesundheitsseite über vaginale Erkrankungen schreiben, wenn das Genital namentlich keine Erwähnung mehr finden soll? Indem man zum alten Gender-Trick greift und einfach ein neues, „neutrales“ Wort dafür findet. Beispielsweise: „Front hole” (Vorderes Loch). Klingt nicht toll? Naja, aber Männern, die gern Frauen wären, dürfte geholfen sein: Wer möchte schon ein „Vorderes Loch“ haben?

Healthline.com schien jedenfalls happy über ihre Anleihe aus der Kindersprache: „Wir bezeichnen die Vagina als ,Vorderes Loch‘, anstatt ausschließlich den medizinischen Begriff ,Vagina‘ zu verwenden. Dies ist eine geschlechterübergreifende Sprache, die auf die Tatsache Rücksicht nimmt, dass sich manche Trans-Menschen nicht mit den Etiketten identifizieren, die die medizinische Gemeinschaft an ihre Genitalien hängt.“

Leider sorgte dieser avantgardistische Vorstoß bei manchem Usern doch für Verwirrung. Jedenfalls publizierte Healthline.com am 21. August eine Klarstellung: Nein, man wolle die gute alte Vagina nicht umbenennen… Wirklich nicht… Nur in Publikationen, die sich speziell ans Gender-Publikum richten: „Im LGBTQIA-Safe Sex Guide verwenden wir sowohl den Begriff Vorderes Loch als auch Vagina. ,Vorderes Loch‘ ist einer der zahlreichen akzeptierten Begriffe für Genitalien, die wir speziell für bestimmte Mitglieder der Trans-Gemeinschaft verwenden“.

Um zu zeigem wie sehr das „Vordere Loch“ bereits akzeptiert ist, erwähnt man: „,Vorderes Loch‘ wird, als Begriffe für Vagina, auch vom National Institutes of Health, der Human Rights Campaign, dem BMC Schwangerschaft und Geburt Journal und Fenway Health in Zusammenarbeit mit der Harvard Medical School, dem National LGBT Health Education Center und der Massachusetts League of Community Health Centers verwendet.“ Na, das ist doch schon eine fette Lobby.

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