Flüchtlings-Flut: Resultat eines US-Strategie-Spiels

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_von Georg Wege

Willy Wimmer fragt in seinem aktuellen Artikel „Die Merkel-Regierung gehört auf den Blocksberg„, wie die Merkel-Regierung trotz Geheimdienste nichts von dem kommenden Flüchtlingsstrom gewusst haben sollte. Die Frage verschärft sich, da Deutschland – wie vor einem Jahr aufflog – die Türkei ausspioniert hatte. Unwahrscheinlich, dass den Geheimdiensten jene türkischen Riesen-Flüchtlingslager entgingen, die mit 6 Milliarden Dollar US-Finanzhilfe ganze 2 Millionen (!) syrische Flüchtlinge aufnahmen. Die ahnten gewiss nicht, dass die USA ihnen keineswegs eine neue Unterkunft zur Verfügung stellen, sondern sie langfristig als geostrategische Waffe benutzen wollten.

Zunächst sollten die Flüchtlinge zur Errichtung einer Pufferzone im Norden Syriens dienen. Als Vorwand, um dort ein paar „Häfen“ zu errichten, damit USA und Nato von dort aus tiefer in das Land eindringen, in Richtung Damaskus vorstoßen und Assad stürzen konnten. Wie sehr die Konflikte innerhalb Syriens bloßer Vorwand waren, zeigt die Tatsache, dass diese Pläne schon im Jahre 2012, also noch vor Beginn der eigentlichen Krise geschmiedet wurden. Die Websie „kunjunktion.info“ zitiert einen Bericht des „Saban Center am Brookings Insitut Middle East“, der dessen Titel im höchsten Maße programmatisch ist: „Dekonstruktion Syriens: Auf dem Weg zu einer regionalisierten Strategie für ein konföderales Land“. Darin heißt es: „Die Idee wäre es moderaten Elementen dabei zu helfen glaubwürdige sichere Zonen in Syrien zu errichten, sobald sie in der Lage dazu wären. Amerikanische, sowie saudische und türkische und britische und jordanische und andere arabische Kräfte würden zur Unterstützung beitragen, nicht nur aus der Luft, sondern eventuell auch auf dem Boden mit der Präsenz von Spezialeinheiten. Der Ansatz würde von Syriens offenem Wüstengebiet profitieren, das die Schaffung und Überwachung von Pufferzonen ermöglichen könnte, die auf mögliche Anzeichen eines feindlichen Angriffs durch eine Kombination von Technologie, Patrouillen und anderen Methoden, die mit Hilfe von ausländischen Spezialkräften durch syrische lokale Kämpfer aufgebaut werden könnten.“

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Um den Westen, der – aller medialer Gräuelpropaganda zum Trotz – einen unmittelbaren Militär-Eingriff in Syrien bislang nicht mittragen wollte, doch noch umzustimmen, ließ man die in US-finanzierten Lagern gesammelten Flüchtlinge jetzt mit einem Schlag auf Europa los. Die griechische Zeitung „Kathimerini“ ( der „International New York Times“ zugehörig), schrieb: „Eine starke Zunahme des Zustroms von Migranten und Flüchtlingen, vor allem aus Syrien, nach Griechenland ist zum Teil auf eine Verschiebung bei den türkischen geopolitischen Taktiken zurück zu führen, so diplomatische Quellen.“

Zusammengefasst heißt das: Zuerst hat man in Europa Terroranschläge inszeniert, um Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit hochzukochen, und jetzt flutet man Europa mit Flüchtlingen: Beides mit dem Ziel, ein Klima der Akzeptanz für westlich-militärische Eingriffe in Ländern wie Syrien zu erzwingen. Tatsächlich scheint der Plan – zumindest teilweise – aufzugehen. In der „Huffington Post“ hieß es kürzlich: „David Cameron sieht sich einem zunehmenden Druck für eine Ausweitung der RAF-Luftangriffe in Syrien ausgesetzt, da befürchtet wird, dass der sich verschlimmernde Konflikt dazu führt, dass immer mehr verzweifelte Flüchtlinge Zuflucht in Europa suchen.“ Und „Spiegel online“ gab vor zwei Tagen bekannt, dass Frankreichs Präsident Hollande ebenfalls Luftangriffe gegen Syrien starten will: „Als Motive für seinen diplomatischen Kurswechsel nannte Hollande die jüngsten dramatischen Ereignisse“, darunter „die Zuspitzung der Flüchtlingsdramen“.

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Die US-Rechnung scheint mal wieder aufzugehen. Der Vorgang zeigt aber auch: Die Flüchtlinge tragen keinerlei Schuld am aktuellen Flutungs-Problem. Sie wurden für ein geo-strategisches Spiel missbraucht. Schuld ist auch nicht Amerikas Bevölkerung, sondern seine Regierung, seine Machthaber. Ihnen allein gilt deshalb das Motto „Ami go home“.

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