Erzgebirge Aue: Die „Macht aus dem Schacht“ hat es wieder geschafft!

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Wieder einmal hat eine der ganz großen Traditionsmannschaften des DDR-Fußballs dem großen Geld ein Schnippchen geschlagen. Schon am drittletzten Spieltag vor dem Saisonende machten die Veilchen aus Aue den Klassenerhalt durch einen 1:3-Auswärtssieg bei Jahn Regensburg perfekt.

Der David hat einmal mehr allen Goliathen getrotzt. Aue und Profifußball – das scheint zunächst überhaupt nicht zusammenzupassen. Schließlich hat die Stadt auch nach dem Zusammenschluss mit der vormaligen Nachbargemeinde Bad Schlema zu Beginn dieses Jahres nur gut 20.000 Einwohner, und zahlungskräftige Sponsoren sind im Westerzgebirge auch rarer gesät als anderswo. Dennoch steht der Verein aus der sächsischen Bergbaustadt in einer einzigartigen Tradition, die auch der Grund dafür ist, warum so viele Erzgebirgler ihren „Veilchen“ schon seit Jahrzehnten die Treue halten.

Die Wismut und der Fußball: eine Einheit

Anders als viele andere Traditionsvereine war Aue auf der Fußball-Landkarte vor 1945 ein weißer Fleck. Im Sommer 1945 gründeten Kriegsheimkehrer eine SG Aue, deren Entwicklung von da an aber von ganz anderen Faktoren als den rein sportlichen Gesichtspunkten vorangetrieben wurde. Unmittelbar nach Kriegsende kamen nämlich sowjetische Bergbauexperten nach Sachsen, um den dortigen Uranabbau zu erkunden. Ausgerechnet im westlichen Erzgebirge befanden sich die praktisch einzig ergiebigen Uranvorkommen im gesamten sowjetischen Machtbereich, die man dringend für den Bau einer Atombombe benötigte.

Schon im Mai 1947 erteilte die Sowjetische Militäradministration den Befehl, mehrere sächsische Bergbauanlagen in sowjetisches Eigentum zu überführen, die von einer in Moskau angesiedelten Wismut AG aus verwaltet wurden. Natürlich bekam das erzgebirgische Riesenkombinat auch seinen eigenen Betriebssportverein, in dem die besten Sportler aller Wismut-Gemeinschaften zusammengefasst wurden.

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Diese Entwicklung ging auch an den Auer Fußballern nicht spurlos vorüber. So wurde die SG Aue 1949 erst in BSG Pneumatik Aue (BSG steht für Betriebssportgemeinschaft), und ein Jahr später dann in BSG Zentra Wismut Aue umbenannt. Bis 1951 stieg die Mannschaft viermal auf, und einer bis heute im Erzgebirge legendären Mannschaft gelang der Durchmarsch von der Kreisklasse bis in die Oberliga.

1954 sollte die Betriebssportgemeinschaft Wismut in die Bezirkshauptstadt Karl-Marx-Stadt, das alte Chemnitz, verlegt werden, natürlich inklusive der erfolgreichen Fußballer als sportlichem Aushängeschild. Diese wollten aber in Aue bleiben und drohten mit Streik, wie bald auch tausende von Bergbauarbeitern. Dieses Schreckensszenario, das die Uranlieferungen der DDR an die Sowjetunion hätte unterbrechen können, zog Kreise bis in die DDR-Staatsspitze und wurde von Generalsekretär Walter Ulbricht zur Chefsache gemacht (so berichtet es zumindest die Auer Vereinschronik Die Macht aus dem Schacht).

Dauerbrenner des DDR-Fußballs

Es kam zu einem typischen politischen Kuhhandel: Am 13. November 1954 wurde zwar der „SC Wismut Karl-Marx-Stadt“ ins Leben gerufen, die „Sektion Fußball“ blieb jedoch in Aue. Nun begann die Glanzzeit des Vereins, der 1956, 1957 und 1959 die DDR-Meisterschaft gewann und im Zuge der daraus resultierenden Qualifikationen für den „Europacup der Landesmeister“ so klangvolle Namen wie Ajax Amsterdam, IFK Göteborg oder Young Boys Bern im Lößnitztal empfangen konnte, wobei man 1959 immerhin bis ins Viertelfinale vorstoßen konnte. Ab 1963 durfte der Verein dann auch wieder unter dem Namen „BSG Wismut Aue“ antreten, und ab 1966 präsentierte man sich in den charakteristischen violetten Trikots, die den Auern den Spitznamen „Veilchen“ eintrugen.

So wurde man zum Dauerbrenner des mitteldeutschen Fußballs und spielte 39 Jahre lang, von 1951 bis 1990, ununterbrochen in der DDR-Oberliga, länger als jede andere Mannschaft. Die ganz großen Erfolge wollten sich zwar nicht mehr einstellen, aber in den achtziger Jahren gelang eine kleine Renaissance, und Aue qualifizierte sich 1985 und 1987 sogar noch zweimal für den „UEFA Cup“ (also die heutige Europa League).

Mit dem Ende der DDR-Oberliga, die in den Jahren 1990/91 ihre letzte Saison spielte, schien für Aue eine besonders schwere Zukunft anzubrechen, da der Verein komplett auf den Wismut-Konzern ausgerichtet war, der ab 1991 ja praktisch nur noch damit beschäftigt war, die von ihm hinterlassenen Schäden wieder zu beseitigen. Aber ausgerechnet Aue gelang die Umstellung auf die neuen Verhältnisse so gut wie kaum einem anderen DDR-Traditionsverein.

Seit 1992 tritt man unter dem Namen „FC Erzgebirge Aue“ an, von 2003 bis 2008 und von 2010 bis 2015 spielte man in der Zweiten Bundesliga, und am 7. Mai 2016 gelang mit einem 2:0-Auswärtssieg bei Fortuna Köln der direkte Wiederaufstieg in die Zweite Liga.

COMPACT Spezial 17 Fußball

Der DDR-Fußball erlebte in den siebziger Jahren seine Sternstunden bei der WM 1974 wie auch den Olympischen Spielen 1976 in Montreal. Lesen Sie dazu den Beitrag von Martin Müller-Mertens im COMPACT-Spezial 17 „Nationalsport Fußball – Herzschlag einer deutschen Leidenschaft“.

Seitdem hält sich Erzgebirge in der Zweitklassigkeit, was jede Saison aufs Neue wieder eine große Herausforderung darstellt. Während beispielsweise der Marktwert des Ligakonkurrenten Hamburger SV bei 56,95 Millionen Euro liegt, kommt die Mannschaft aus Aue gerade einmal auf 12,45 Millionen Euro.

Aue trotzt der Übermacht des Geldes aus dem Westen, weil es immer wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl der Trainer und der Spieler hat. Aue-Trainer Daniel Meyer war beispielsweise in der laufenden Saison der Ruhepol, der der Mannschaft Sicherheit und Selbstvertrauen gab. In der Mannschaft stach der Stürmer Pascal Testroet hervor, der zu Saisonbeginn für 300.000 Euro von Dynamo Dresden kam und mit seinen 15 Treffern in 31 Ligaspielen maßgeblich zum Klassenerhalt beitrug.

Garantiert politisch unkorrekt. Für ein COMPACT-Abo klicken Sie bitte auf das Bild oben oder hier.

Erzgebirge Aue bleibt das „gallische Dorf“ des deutschen Profifußballs, das sich auch in diesem Jahr erfolgreich gegen alle Angreifer verteidigen konnte.

 

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15 Kommentare

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    Also GERHARD, ich glaube nicht, dass du der komplette Block A bist. Für mich und den Großteil sprichst du hier jedenfalls nicht!

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      Manschuli am

      M. Ich wuensche Ihnen und Ihrem Club alles Gute. Haltet zusammen. Dann gehts auch Aufwaerts.

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    Manschuli am

    Ich muss dem User Gerhard recht geben. Man sollte sich seitens Compact nicht an so einem Pipiverein wie Aue abarbeiten. Zumal er aus dem Block A scheinbar sowieso nicht den politsch-sportlichen Hintergrund des Artikels versteht. Als fanatischer Fussballfan muss man das aber auch nicht verstehen. Da genuegt es zu wissen das der Ball rund ist. Der einzige Spitzenclub in Europa der noch nicht gekauft wurde und irgendeinem Privatmann gehoert ist Bayern Muenchen. Das zumindest haben Hoeness und Co. bis jetzt geschafft, obwohl rings um den Fussball das Land Bayern bis zum Hals im rotgruenmuslimischen Sumpf steckt. Mia san Mia!!

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    Otto Nagel am

    Nur eine kleine Erinnerung an diese verrückte Zeit. Mein Vater war Amtsrichter in Annaberg undda lag ein Vorgang "Willi Tröger" auf seinem Tisch. Und Willi kam bei uns Jungens gleich nach dem Papst. Also ein paar Wochen wegen eines kleinen Vergehens ( heute würde man "mee too" fabulieren), wäre er wohl fällig gewesen. Er tauchte bei uns zuhause auf und bat um Milde, nächste Wochenende stand ja ein wichtiges Aufstiegsspiel an. Ich kleiner Auefanbub klammerte mich so lang an den Papa, bis er sich zu einer Bewährungsstrafe bequemte.
    Als alter Mann klicke ich immer noch zuerst , wie "Wismut" ( und es wird immer Wismut bleiben) und "Eisern Union" gespielt haben !
    Aber wer kennt heute noch solche Namen wie Tröger, Erler, Wolf …?

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      heidi heidegger am

      urig.

      königl.-sozialistiges Amtsgericht bei euch auf der Stubn? Sauber soagh Ih! ..woss hoab ih gsoaggd? Lujaa hoab ih gsoaggd! 🙂

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        Otto Nagel am

        Wenn Erwachsene von ernsten Sachen wie Fußball unterhalten, sollten kleine Mädchen die Klappe halten.
        Messi, das ist doch nur der Tröger von heute !

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        Otto Nagel am

        Auch in königl.-bayr. Amtsstuben wird nur verkündet, was in den (Hinter) Stuben ausgehandelt wurde !

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        heidi heidegger am

        LOL

        hab eh nie nimmer nicht was anderes behauptet wohl, Otto (Grotewohl, hihi). Grüßle! von deiner FFF-heidi -> Fussball Frauen Fferdewetten, halllooo! und STUTTGARTER KICKERS *omg* -> die schande vom nägrr/neckar oder fernsehturm..achach

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    Hoffe mal das Ingolstadt es in die Relegation schafft und nicjt dieser ossi Klub Magdeburg.

    Unsere Ingolstädter packen das !!!!

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      Genau SELE, Ingolstadt mit seiner langen Fußballtradition und seinen en­thu­si­as­tischen Auswärtsfans gehören einfach in die 2. Liga! Ich lach mich schief…

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        Jeder hasst die Antifa am

        Ingolstadt ist genau so ein Kunstprodukt wie der Dosenverein in Leipzig keinerlei Tradidion diese Hersteller von Pferdepisse und Abgasschwindler gehören nicht zum Fußball Magdeburg hat sich Mühsam hochgearbeitet und dieser Verein gehört zum Fußball.Ingolstadt ein Verein ohne SE(e)LE

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    Und wisst ihr was wir im Block a gar nicht mögen….schaumschläger wie Elsässer und Co

    Haben von Fussball keine Ahnung (von Panzer n auch nicht….) lassen aber keine Chance aus sich für ein paar Abonnenten mehr einzuschleimen

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      Ralf Förster am

      Ist doch gut recherchiert und gut geschrieben, also ich fand den Artikel klasse. Und das Elsässer im Compakt Magazin mehr politische Themen behandelt, ist doch klar. Aber sowas hier lockert doch das ganze bissl auf…
      Also, Ball flach halten…

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      Also GERHARD, ich glaube nicht, dass du der komplette Block A bist. Für mich und den Großteil sprichst du hier jedenfalls nicht!

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