Rücktritt gefordert: Wegen widersprüchlicher Aussagen zu Kontakten mit Jeffrey Epstein bringt der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie Handelsminister Howard Lutnick ins Wanken. Die neu veröffentlichten Akten widersprechen dessen Angaben. In seinem Buch „Die Akte Epstein“ durchleuchtet Investigativjournalist Collin McMahon das Netz des schwerreichen Sex-Täters und kommt den Schattenmännern auf die Schliche. Hier mehr erfahren.

    Innerhalb der aktuellen US-Regierung stand der Epstein-Komplex bislang vor allem im Zusammenhang mit Präsident Donald Trump im Fokus. Nun erfasst er auch weitere hochrangige Regierungsvertreter. Lutnick hatte erklärt, der Kontakt zu Jeffrey Epstein sei spätestens 2005 beendet worden. Aus den sogenannten Epstein Files ergibt sich jedoch ein anderes Bild.

    Die Unterlagen legen nahe, dass es auch nach der Verurteilung des Sexualstraftäters im Jahr 2008 weitere Berührungspunkte gab. Für 2011 finden sich Hinweise auf verabredete Telefonate, 2012 tauchen Planungen für einen gemeinsamen Urlaub mit Lutnicks Familie auf Epsteins Privatinsel auf. Hinzu kommt eine Einladung zu einem Essen an Heiligabend 2012, ein Mitarbeiter Epsteins schrieb anschließend, es sei „schön gewesen, dich zu sehen“.

    Wall Street, Macht und Netzwerke

    Howard Lutnick gilt als klassischer Wall-Street-Aufsteiger. Über Jahrzehnte prägte er als Vorstandschef das Finanzhaus Cantor Fitzgerald und bewegte sich in einem Milieu diskreter Privatdeals, vermögender Einzelinvestoren und abgeschirmter Netzwerke. Nationale Bekanntheit erlangte Lutnick nach den Anschlägen vom 11. September 2001, als Cantor Fitzgerald besonders schwer getroffen wurde. Er wurde zum Gesicht des Wiederaufbaus, ein Image, das Vertrauen band und später Türen öffnete, bis hinein in die politischen Machtzirkel Washingtons.

    Dokumente des Grauens: Die Epstein-Akten. Bild: COMPACT/Grok

    In diesen Kreisen dürfte auch der Kontakt zu Epstein entstanden sein. Beide lebten zeitweise in unmittelbarer Nachbarschaft in Manhattan, beide bewegten sich in denselben gesellschaftlichen Kreisen. Der Clou: Nach Recherchen der New York Times investierten Lutnick und Epstein zeitgleich in dasselbe private Unternehmen. Der Name des Unternehmens wird in den Berichten nicht genannt, typisch für Epsteins verschachtelte Beteiligungsstrukturen. Festgehalten ist jedoch das parallele finanzielle Engagement beider Männer.

    „Nie wieder in einem Raum“

    In Interviews betonte Lutnick später seine Distanz zu Epstein mit auffälliger Schärfe. Eine frühe Begegnung in Epsteins New Yorker Wohnung sei für ihn der endgültige Bruch gewesen. „Ich werde nie wieder mit dieser widerlichen Person in einem Raum sein“, erklärte er.

    Bei der Führung durch die Wohnung habe Epstein ihm einen Raum mit einem Massagestuhl gezeigt und erzählt, er bekomme dort täglich die „richtigen Massagen“. Daraus habe er sofort Konsequenzen gezogen:

    „Deshalb war ich nie wieder mit ihm zusammen, weder privat, noch geschäftlich oder auch nur im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung.“

    Doch genau hier öffnet sich der Widerspruch. Denn die Akten erzählen eine andere, leisere Geschichte. Einladungen, Terminabsprachen, Reiseüberlegungen, alles datiert nach Epsteins Verurteilung wegen Sexualdelikten an Minderjährigen. Der behauptete Bruch erscheint im Rückblick weniger als Zäsur denn als Ausfransen.

    Zusätzliche Irritationen löste Lutnick zuletzt durch sein öffentliches Auftreten aus. Bei einer Presserunde im Juli reagierte der Handelsminister mit Lachen, als Präsident Donald Trump den Epstein-Komplex als „sordid, but boring“ (schmutzig, aber langweilig) abtat. Der Moment wurde von Journalisten festgehalten Ein kurzer Augenblick, doch einer, der haften bleibt.

    Erst vor diesem Hintergrund meldete sich Massie zu Wort. Der libertär geprägte Einzelgänger im Kongress und Kritiker politischer Machtkonzentration forderte den Rücktritt des Ministers. Lutnick habe noch viel zu erklären; andernfalls solle er dem Präsidenten „das Leben leichter machen“ und sein Amt niederlegen. Massie war zudem an der Gesetzesinitiative beteiligt, die die Veröffentlichung der Akten ermöglichte. Sein erklärtes Ziel: Transparenz und Gerechtigkeit für die Überlebenden, nicht die Verengung des Skandals auf eine einzelne Figur.

    Das Handelsministerium weist die Vorwürfe zurück und spricht von „sehr wenig Kontakt“ nach 2005. Doch die Dokumente bleiben, und sie zeigen, dass der Epstein-Schatten nun auch das Innere der US-Regierung erreicht hat.

    Alle Zeugen, Beweise, Verbindungen: Was bislang bekannt ist, hat der deutsch-amerikanische Investigativjournalist Collin McMahon in seinem sensationellen Enthüllungswerk „Die Akte Epstein“ zusammengetragen. Schon jetzt ist der Abgrund monströs doch er könnte noch um einiges tiefer werden. Hier bestellen.

     

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