Mit seinem Musikvideo «For A Better Day» trug der schwedische Musiker Avicii erstmals die Verstrickung der Reichen und Mächtigen in den Kinderhandel über die Popkultur in die breite Öffentlichkeit. War das sein Todesurteil? Mehr zu pädophilen und okkulten Netzwerken in der Film- und Musikindustrie lesen Sie in COMPACT-Spezial «Satan, Pop und Hollywood». Ein echtes Standardwerk. Hier mehr erfahren.

    _ Marty McCarthy

    Ein schwarzer Mercedes fährt zu einem abgelegenen Acker. Dort wartet eine Gruppe von Männern. Einer von ihnen öffnet die Hecktür eines Armeelasters, bietet den anderen etwas zum Kauf an. Der Fahrer der Limousine steigt aus, zündet sich eine Zigarette an, beobachtet das Feilschen. Schnitt! Ein Junge und ein Mädchen rennen durch ein Kornfeld. Sie blicken hinter sich, werden verfolgt. An einem Kliff angekommen, nehmen sie all ihren Mut zusammen und springen ins Wasser…

    Ein maskiertes Paar greift sich einen der Männer, die zuvor auf dem Acker zu sehen waren, brandmarken ihn und zwingen ihn, sich mit einem Revolver selbst zu richten. Sie streichen sein Foto mit rotem Filzstift aus ihrer Liste. Danach fahren die beiden zu einem hochrangigen Politiker. Auch er stand an dem Lkw. Sie verpassen ihm ein Brandzeichen, legen ihm eine Schlinge um den Hals und stoßen ihn vom Dach eines Hochhauses. Zuvor machen sie ihm klar, dass sie die Kinder waren, die einst durch das Kornfeld gejagt wurden.

    Nun sieht man, was auf dem Acker geschah. In dem Lastwagen befanden sich kleine Jungen und Mädchen, kaum bekleidet, die von den Männern gekauft und verschleppt wurden. Die beiden Maskierten konnten bald entkommen und üben nun Selbstjustiz an den Tätern, die nie zur Rechenschaft gezogen worden waren. Das Mal, das sie ihnen in die Haut brennen, trägt den Schriftzug «Pedophilia» – Pädophilie.

    Epsteins langer Arm

    Was wie ein Drehbuch zur Epstein-Affäre erscheint, ist die Handlung des Musikvideos zu dem Song «For A Better Day», das der schwedische Produzent und DJ Avicii im August 2015 veröffentlichte. Zum ersten Mal wurde damit ein Thema über die Popkultur in die breite Öffentlichkeit getragen, das lange ein Schattendasein fristet: die Verstrickung der Reichen und Mächtigen in den Kinderhandel.

    Drei Jahre danach ist Avicii tot. Der Künstler, der eigentlich Tim Bergling hieß und im Laufe seiner Karriere mit Größen wie Robbie Williams und Madonna zusammengearbeitet hat, wird am 20. April 2018 auf einem Anwesen der Königsfamilie von Oman in Maskat leblos aufgefunden. Der 28-Jährige hatte dort seinen Urlaub verbracht. Die genauen Umstände seines Todes sind bis heute unklar.

    Es soll anderthalb Jahre dauern, bis – im Oktober 2019 – offiziell verkündet wird, was vorher als Gerücht durch die Welt geisterte: Bergling, der an psychischen Problemen gelitten habe, sei durch Suizid aus dem Leben geschieden. Dabei hatte sein Vater dies noch im Juli 2019 gegenüber CNN bestritten. Allerdings äußerte er sich seltsam unklar. «Unsere Theorie ist, dass er seinen Selbstmord nicht geplant hat, dass es eher so etwas wie ein Verkehrsunfall war.»

    Eine Veröffentlichung des Anonymous-Kollektivs vom Juni dieses Jahres nährt die Zweifel an der Suizid-Version. Die Internet-Leaker behaupten, dass Avicii Kenntnisse über das Netzwerk Jeffrey Epsteins hatte und mit «For A Better Day» den Scheinwerfer darauf richten wollte. Der Schwede sei jedoch nicht der einzige Künstler gewesen, der das Engagement gegen solche Machenschaften mit dem Leben bezahlt habe. Anonymous nannte auch Chris Cornell und Chester Bennington (hier mehr dazu).

    Wie verzweifelt war Avicii

    Im April 2023 griff die Bild-Zeitung den Fall Avicii noch einmal auf, nachdem Berglings Mutter Anki Lidén dem schwedischen Magazin Vi ein Interview gegeben hatte. Selbst das Springer-Blatt nutzte, was den Tod des Musikers anbelangt, auffallend vorsichtige Formulierungen:

    «Heute vor fünf Jahren verstarb der schwedische Star-DJ und Musikproduzent Avicii im Alter von 28 Jahren von Oman. Die Polizei schloss Fremdverschulden aus.»

    Die Worte «Selbstmord» oder «Suizid» kommen im ganzen Artikel nicht vor – übrigens nimmt auch Anki Lidén diese Worte nicht in den Mund. Dennoch kommt Bild am Ende zu dem Schluss, dass Bergling seine gesundheitlichen und sonstigen Probleme nicht mehr im Griff hatte, sodass er keinen anderen Weg mehr für sich gesehen habe, als sich das Leben zu nehmen.

    Bereits ein Jahr vor dem Interview mit Berglings Mutter war das Buch «Tim – The Official Biography of Avicii» des schwedischen Journalisten Måns Mosesson erschienen, das, ähnlich wie die Netflix-Doku «Avicii: True Stories» von 2018, das Bild eines international erfolgreichen DJs und Musikproduzenten zeichnete, der am Ende an seinen mentalen und gesundheitlichen Problemen zugrunde ging.

    In einer Rezension der Illustrierten «Stern» heißt es: «2015 machte Avicii auf Drängen seiner Familie eine Entziehungskur in einer Einrichtung auf Ibiza. Statt sich mit Alkohol und Drogen zu berauschen, konzentrierte sich der Musiker auf Meditation, betrieb aber auch diese exzessiv. Empfohlen waren 20 Minuten, Avicii hingegen soll mehrere Stunden am Tag meditiert haben. Er versuchte so, seine Ängste und Schmerzen in den Griff zu bekommen.»

    Und weiter: «Einen Tag vor seinem Tod kontaktierte ein Bekannter, den Avicii auf seiner Reise in den Oman kennengelernt hatte, dessen Vater Klas Bergling und äußerte Bedenken über den Zustand des Musikers. Er würde weder essen noch sprechen, sondern verharre stundenlang in seiner Meditation. Der letzte Tagebucheintrag von Avicii lautet: „Das Abstreifen der Seele ist die letzte Verbindung, bevor alles neu beginnt!“» Ist das wirklich eine Art Abschiedsbotschaft? Oder hatte Avicii vor, sein Leben grundlegend neu zu gestalten? Darüber lässt sich trefflich streiten.

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