Letzte Hoffnung der Herrschenden: Sollte die AfD regieren, würde sie sich schnell entzaubern. Ein Blick nach Österreich widerlegt dies nachdrücklichen. In der Steiermark, wo die FPÖ in der Regierung mitmischt, wird sie stärker und stärker. Die etablierten Kräfte haben fertig! Deutschland braucht das „Sommermärchen 2026“. Fakten dazu in unserer Juli-Ausgabe. Lesenswert! Hier mehr erfahren.
So malen sie sich das aus: Populistische oder rechte Parteien könnten nur in der Opposition besonders erfolgreich sein, weil sie dort einfache Antworten versprechen und sich nicht an der praktischen Umsetzung messen lassen müssen. Sobald sie Regierungsverantwortung übernehmen, so die Erwartung, würden die Widersprüche sichtbar und die Zustimmung zwangsläufig sinken. Aber: Denkste! Ein Blick nach Österreich dürfte den hiesigen Polit-Versager traurig stimmen.
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COMPACT unterstützenDas Gegenbeispiel
Die Entwicklung der FPÖ in der Steiermark liefert nämlich ernüchternde Fakten für bundesdeutsche Polit-Analysten. Denn: Seit die Freiheitlichen im Dezember 2024 die Landesregierung übernommen haben, ist ihre Zustimmung nicht zurückgegangen, sondern deutlich gestiegen.
Bei der Landtagswahl im November 2024 erreichte die FPÖ 34,76 Prozent. Nach einer aktuellen Erhebung im Auftrag der Kronen Zeitung käme sie inzwischen auf 43 Prozent. Die ÖVP, die gemeinsam mit der FPÖ regiert, fällt dagegen von 26,81 auf 19 Prozent. Auch die SPÖ liegt bei lediglich 19 Prozent. Bereits ein halbes Jahr nach dem Regierungswechsel lag die FPÖ bei 38 Prozent. Ende 2025 wurden für die Partei Werte um 40 Prozent gemessen. Von einem Einbruch infolge der Regierungsübernahme kann also keine Rede sein.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim freiheitlichen Landeshauptmann (Ministerpräsident) Mario Kunasek persönlich. Bei einer fiktiven Direktwahl würden sich 47 Prozent der Befragten für ihn entscheiden. SPÖ-Chef Max Lercher erreicht in dieser Umfragen 20 Prozent, ÖVP-Chefin Manuela Khom 16 Prozent. Kunasek scheint damit von seiner Regierungsverantwortung nicht nur nicht geschwächt zu werden. Im Gegenteil: Er profitiert offenbar sogar davon tatsächlich politische Entscheidungen zu treffen.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die Verschiebung innerhalb des schwarz blauen Bündnisses. Bei der Landtagswahl 2024 kamen FPÖ und ÖVP gemeinsam auf 61,57 Prozent. In der aktuellen Erhebung erreichen sie zusammen 62 Prozent. Der Zuwachs der FPÖ entspricht damit nahezu vollständig dem Verlust der ÖVP.
Freiheitliche als bestimmende Kraft
Das ist politisch durchaus aufschlussreich. Denn wäre Regierungsverantwortung für die Freiheitlichen an sich ein Problem, müsste sich der Verschleiß der Regierungspartei auch bei der FPÖ bemerkbar machen. Stattdessen scheint vor allem die ÖVP den Preis für die Zusammenarbeit zu bezahlen. Die Freiheitlichen können sich als bestimmende Kraft der Landesregierung präsentieren, während die ÖVP zunehmend unter den schwachen Werten ihrer Bundespartei und der geringen persönlichen Zustimmung zu ihrer Landesparteichefin leidet.
Hinzu kommt die bundesweite politische Stimmung. Die FPÖ liegt österreichweit derzeit bei rund 38 Prozent, während ÖVP und SPÖ unter die 20 Prozent Marke gefallen sind. Die steirischen Zahlen geben den Trend vor und sind Teil einer allgemeinen Stärke der Freiheitlichen.
Dass Regierungsverantwortung für eine rechte Partei nicht automatisch zum politischen Verschleiß führt, zeigte bereits Jörg Haider in Kärnten. Unter seiner Führung erreichte die FPÖ bei der Landtagswahl 1999 starke 42,1 Prozent. Fünf Jahre später wurde der amtierende Landeshauptmann erneut bestätigt. Die FPÖ kam 2004 sogar auf 42,4 Prozent.

Auch Mario Kunasek scheint derzeit auf ein ähnliches Prinzip zu setzen. Die Landesregierung setzt Maßnahmen um, die für das freiheitliche Profil erkennbar sind. Dazu gehören die Aufhebung des Umwelt-Tempolimits um Graz, das Handyverbot an Schulen sowie Verschärfungen beim Zugang von Migranten zu Sozial und Wohnleistungen. Viele dieser Entscheidungen sind politisch umstritten, und ihre langfristigen Auswirkungen können sich sehen lassen und wird von den Wählern honoriert.
Gleichzeitig blieb der große offene Konflikt innerhalb der Landesregierung bislang aus. Die Zusammenarbeit mit der ÖVP wird nicht von einem permanenten öffentlichen Streit geprägt. Damit fehlt auch ein wichtiger Mechanismus, der eine Regierungspartei schnell beschädigen kann. Die FPÖ kann regieren und zugleich ihre politische Richtung durchzusetzen.
Damit widerlegt die Steiermark zumindest vorerst eine der bequemsten Annahmen über den Erfolg rechter Parteien. Regierungsverantwortung allein entzaubert keine Partei. Sie nimmt ihr lediglich die Möglichkeit, dauerhaft ausschließlich zu versprechen. Ob daraus ein Verlust an Zustimmung entsteht, hängt davon ab, was anschließend geschieht.
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