Die Facebook-Löschwut nahm in jüngster Zeit absurde Ausmaße an. Im letzten Monat aber toppte das soziale Netzwerk die eigene Willkür, in dem es die Tageszeitung Taz indirekt zur „Rasse“ erklärte! Weshalb man sie vor rassistischen Angriffen schützen müsse… Das kann nicht sein? Das ist zu blöd? Dann lesen Sie diesen Artikel:

    Ein Facebook-User schrieb im April über die von Hatespeech überlaufende Tageszeitung Taz: „Die pseudo-linke TAZ ist ein Kriegstreiber erste Klasse! War es nicht dieses Hetzblättchen, was kürzlich rum flennte, dass sie kurz vor der Pleite stünden? KEIN VERLUST! ist meine Meinung!”

    Sofort eilte Facebook den attackierten Tazis zu Hilfe, löschte den Post und verhängte eine 30-tägige Sperre. Begründung: Der Beitrag habe Personen aufgrund ihrer “Rasse, Ethnizität, nationaler Herkunft, Religionszugehörigkeit, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität oder Behinderung” angegriffen. Das heißt: Die Taz ist eine Rasse und als Zeitung auch noch beleidigungsfähig?

    Screenshot: facebook-sperre.de

    Der Rechtsanwalt Chrsitian Stahl, der auf seiner Seite facebook-sperre.de gegen Zensur und Einschränkung der Meinungsfreihit kämpft, nahm sich des Falles an und die „Begründung“ auseinander: „Und jetzt fragen wir uns – sind taz-Redakteure behindert? Oder ist “TAZ” ein weiteres, in der globalen Vielfalt noch nicht berücksichtigtes Geschlecht?“ Zumal, so muss man hinzufügen, der Facebook-User den Tazis lediglich „Kriegstreiberei“ vorgeworfen hat. Eine Beschuldigung, die ohnehin nicht auf Rasse, Geschlecht oder ähnliches abzielte.

    Jedenfalls begriff selbst Facebook, was für einen Unsinn man sich da zusammenzensiert hatte und hob die Sperre wieder auf. Außerdem erwirkte Anwalt Stahl beim Landgericht Frankfurt am Main eine einstweilige Verfügung gegen das soziale Netzwerk, die ihm bei Androhung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft untersagt, den User-Account aufgrund dieses Kommentars zu sperren.

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