Seit bald zwei Jahren sitzen acht junge Männer in Untersuchungshaft, weil sie angeblich eine terroristische Vereinigung gegründet haben. Doch der ganze Prozess hat sich längst als Farce entlarvt, der Druck gegen die staatlichen Stellen wächst. Auch in Sachsen, wo die Landes-AfD das Verfahren bisher kaum thematisiert hat, bewegt sich jetzt etwas. Passend dazu: Das Buch «Fangschuss – Notizen aus der U-Haft» von Kurt Hättasch, einem Angeklagter im Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden. Hier mehr erfahren.
Die Verhaftung der jungen Männer sorgte im November 2024 für Schlagzeilen. Schnell wurde der Verdacht laut, dass gezielt eine Kriminalisierung der AfD erfolgen solle, immerhin war unter den Festgenommenen der Fraktionsvorsitzende der Großen Kreisstadt Grimma, Kurt Hättasch, sowie weitere Mitglieder der damaligen Jugendorganisation JA. Schnell wurde Kritik am Vorgehen der Generalbundesanwaltschaft laut und der Vorwurf, dass acht junge Männer tatsächlich auf den Zusammenbruch der Bundesrepublik gewartet haben sollen, um anschließend große Gebiete Sachsens zu erobern (das wirft die Ermittlungsbehörde den „Sächsischen Separatisten“) vor, als absurd empfunden. Auch von weiten Teilen des patriotischen Vorfeldes, der Verleger Götz Kubitschek veröffentlichte beispielsweise Notizen aus dem Hafttagebuch von Hättasch, der bei seiner Festnahme durch Bundespolizisten in den Kopf geschossen wurde – eine Tat, die der Staat sogar noch zu verheimlichen versuchte und deren ganzes Ausmaß erst im Prozess deutlich wurde.
Separatisten-Prozess: Sachsen-AfD sucht nach ihre Position
Während beispielsweise der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke die offenkundige Inszenierung im „Kampf gegen Rechts“ früh thematisierte, sogar die Familie des Inhaftierten Kurt Hättasch besuchte und das Verfahren (wie auch andere AfD-Politiker, etwa der Dortmunder Matthias Helferich) regelmäßig öffentlich thematisiert, reagierte der sächsische AfD-Landesvorstand mit einem Parteiausschlussverfahren gegen die drei betroffenen AfD- bzw. JA-Mitglieder. Nur einen Tag, nachdem diese verhaftet bzw. – im Falle Hättaschs – niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt wurden. In der Folge wurde das Thema, trotz zahlreicher Widersprüche und Ungereimtheiten, insbesondere der Rolle dubioser V-Männer des amerikanischen Geheimdienstes FBI – in Sachsen kaum thematisiert. Als 2025 der Landtagsabgeordnete Jörg Dornau und der Bundestagsabgeordnete Edgar Naujoks eine Kundgebung vor der JVA Leipzig planten, in der zwei der Angeklagten inhaftiert sind, um deren Freilassung zu fordern, wurde die Veranstaltung sogar kurzfristig durch den Landesvorstand untersagt. Zu groß war die Angst, sich auf gefährliches Terrain zu begeben. Dabei wird der Kampf doch schon längst geführt, mehrmals die Woche im Dresdner Gerichtssaal und längst auch in der alternativen Öffentlichkeit.
Jetzt hat jedoch ein Umdenken eingesetzt, wieder einmal begonnen von den unteren politischen Ebenen: Für Donnerstag (30. Oktober 2026) laden die Landtagsabgeordneten Jörg Dornau und Ferdinand Wiedeburg, in Kooperation mit der Generation Deutschland, zu einer Veranstaltung in den Rathaussaal von Grimma, bei der – gemeinsam mit Markus Berthold, einem der Anwälte Hättaschs – die Hintergründe des Prozesses zur Sprache kommen sollen. Und auch die unverhältnismäßig lange Untersuchungshaft, die weit über dem liegt, was der gewöhnliche Schwerverbrecher ertragen muss. Wohlgemerkt: Den „Sächsischen Separatisten“, die sich selber niemals so nannten, wird keine einzige konkrete Straftat vorgeworfen, es ist kein Tropfen Blut geflossen und nicht einmal eine Fensterscheibe zerstört worden.
Mutige Landtagsabgeordnete starten neuen Vorstoß
Während die Anwälte der acht Angeklagten, darunter beispielsweise die Rechtsanwaltskanzlei Mandic aus Freiburg, Martin Kohlmann aus Chemnitz oder Peter Richter aus Saarbrücken, schon vor Verfahrensbeginn die Öffentlichkeit suchten, um der medialen Vorverurteilung etwas entgegen zu setzen, kommen jetzt endlich auch in der sächsischen Landespolitik die Dinge in Bewegung. Was auch damit zu tun haben dürfte, dass die maßgeblich treibende Kraft für das Parteiausschlussverfahren gegen die Verhafteten zwischenzeitlich parteiintern aus dem Vorstand verdrängt wurde, beim Wahlgang setzte sich der Nordsachse Ferdinand Wiedeburg durch, der – wie zuvor erwähnt – Mitveranstalter der nun geplanten Veranstaltung ist. Diese Personalie dürfte auch für eine inhaltliche Richtungsverschiebung stehen, die sich auch in einem anderen Umgang mit dem Prozess zeigt.

Im Einladungsschreiben der „Generation Deutschland“ heißt es:
„Bereits vor Prozessbeginn stand der Fall im Fokus der Öffentlichkeit. Einige der Beschuldigten waren zuvor in der AfD-Jugendorganisation und in der Kommunalpolitik aktiv. Seit den Festnahmen werden die Beschuldigten medial vorverurteilt.
Gleichzeitig stellen sich Fragen zum Vorgehen der Ermittlungsbehörden, zu den Haftbedingungen und zum Umgang mit den Angeklagten im Strafverfahren.“
Und weiter:
„Die Unschuldsvermutung ist ein zentraler Grundsatz des Rechtsstaats: Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt jeder Angeklagte als unschuldig. Wie wird dieser Grundsatz im konkreten Fall gewahrt? Welche Rolle spielen die Medienberichterstattung und die politische Einordnung der Beschuldigten?“
Das ist die richtige Stoßrichtung, denn ein politischer Schauprozess wie die Separatisten-Farce braucht Gegenöffentlichkeit und kritische Politiker, die nicht einfach abnicken, was ihnen Mainstream-Presse und Generalbundesanwaltschaft servieren. Der Vorstoß von Grimma könnte dafür sorgen, dass auch in Sachsen endlich die Aufmerksamkeit geschaffen wird, die das Verfahren verdient. Und nicht vergessen wird: Acht junge Männer, mehrere davon kurz vor – oder sogar während – der Haft Väter geworden, sind seit bald 24 Monaten wegen absurd anmutender Vorwürfe, die ihm bisherigen Prozessverlauf nicht ansatzweise belegt werden konnten, von ihren Familien getrennt. Während unzählige Schwerkriminelle in diesem Land frei herumlaufen und mitunter sogar noch vom Staat alimentiert werden. Ein Irrsinn!
Nächste Podiumsdikussion bei der Buchmesse SeitenWechsel
Übrigens: Wer die Veranstaltung in Grimma verpasst oder eine zu weite Fahrtstrecke auf sich nehmen müsste, die nächste Podiumsdiskussion zum „Skandalprozess gegen ‚Sächsische Seperatisten‘“, wie es in der öffentlichen Bewerbung heißt, ist für den 7. November 2026 bei der Buchmesse in Halle (wo COMPACT selbstverständlich ebenfalls wieder mit einem eigenen Stand und mehreren Veranstaltungen dabei ist) geplant. Unter Führung des Deutschlandkuriers und Moderation von Katrin Nolte diskutieren dann der AfD-Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, David Bendels, Johannes Schüller (beide Deutschlandkurier) und Rechtsanwalt Dubravko Mandic über das Verfahren. Beginn wird um 17.15 Uhr in Raum 4 sein.
Sie wollen mehr erfahren Das Buch «Fangschuss – Notizen aus der U-Haft» von Kurt Hättasch, einem Angeklagter im Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden, dem bei seiner Festnahme sogar in den Kopf geschossen wurde, schildert eindrucksvoll, was in Sachsen vor sich geht. Vorsicht: Bei dieser Lektüre könnte Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat erheblich sinken. Jetzt das Buch bestellen!




