Nach dem historischen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt lieferte die Sondersendung von Markus Lanz am Montagabend eine der spannendsten Talkrunden der Woche: Tino Chrupalla und Sahra Wagenknecht saßen nebeneinander und Lanz nannte sie «ein perfektes Match ». Wir feiern den AfD-Sieg mit der limitierten Ulrich Siegmund Medaille. Nur bei uns erhältlich. Hier mehr erfahren.
Die AfD hatte am Sonntag mit 43,8 Prozent und 39 von 83 Sitzen klar gewonnen, die absolute Mehrheit von 42 Mandaten aber knapp verfehlt. Die CDU stürzte auf 17,2 Prozent ab, SPD, Grüne und Linke landeten im einstelligen Bereich, das BSW schaffte mit 5,3 Prozent und fünf Sitzen den Einzug.
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COMPACT unterstützenDie Wahlbeteiligung lag bei rund 77,8 Prozent. Im Studio in der gestrigen Sendung saßen AfD-Chef Tino Chrupalla, BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht, die Journalistin Melanie Amann und der Politologe Peter Neumann. Der AfD-Chef war besonders stolz auf das Ergebnis:
«Mit diesem Ergebnis haben wir zehn Prozent mehr an die Wahlurne gebracht und das ist demokratiefördernd.»
Chrupalla sagte, wenn die CDU im Osten so weitermache, werde es eine CDU als Volkspartei, wenn sie es überhaupt noch sei, im Osten bald nicht mehr geben.
«Merz-Wahlschlappe»
Der Umstand, dass nicht die CDU die Ergebnisse der AfD halbiert, sondern umgekehrt die AfD die CDU halbiert hat, war ebenso Thema wie die zukünftige Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW.
Melanie Amann nannte das Ergebnis offen eine «Merz-Wahlschlappe» und stellte klar, es sei «definitiv auch seine Wahlniederlage». Sahra Wagenknecht nickte dem zu und sprach von einem «deutlichen Zeichen einer abgrundtiefen Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik.» Tino Chrupalla erklärte, er halte Sanktionen in jeglicher Form für nicht sinnbringend, vor allem hätten sie der deutschen Wirtschaft selbst massiv geschadet. Waffenlieferungen in Krisen- und Kriegsgebiete lehne seine Partei ab, humanitäre Hilfe dagegen nicht. Sahra Wagenknecht wandte sich ebenfalls gegen die Sanktionen, die der Industrie schadeten, und verlangte eine Verhandlungslösung statt weiterer militärischer Unterstützung der Ukraine.
Es kann nur einen Ministerpräsident geben
Aus dieser Nähe machte Lanz den Sprung zur Machtfrage und fragte die BSW- Vorsitzende nach einer Wahl von Siegmund zum Ministerpräsidenten. Wagenknecht hielt an ihrer Linie fest: «Wir haben immer gesagt, wir wünschen uns einen überparteilichen Ministerpräsidenten … – jemanden, der für einen politischen Neubeginn steht.»
Auch auf Nachfrage bestand sie darauf:
«Ich fände es gut, wenn wir eine Persönlichkeit finden mit Statur, die tatsächlich über Parteigrenzen hinaus respektiert wird – aber die natürlich für eine neue Politik steht.»
Stimmen für Ulrich Siegmund schloss sie aus.
Chrupalla wies das Modell zurück: Es könne nur einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben, und davon werde man nicht ablassen. Er fragte, warum sie jetzt einem Personenwechsel in irgendeiner Weise zustimmen oder einer knapp Sechs-Prozent-Partei hinterherlaufen sollten; da fehle ihm auch die Fantasie.
Vor allem Wagenknecht musste einiges an Kritik einstecken. Lanz warf ihr vor zum «Steigbügelhalter für die AfD» zu werden:
«Sie waren sozusagen der fleischgewordene antifaschistische Schutzwall, und jetzt das».
Wagenknecht konterte: «Das finde ich unverschämt.» Chrupalla sprang ein, Lanz unterstelle damit, die AfD seien Faschisten. Als Wagenknecht auf die Anliegen der AfD-Wähler verwies, rief Lanz mehrfach «Nebelkerze» und warf ihr Opportunismus vor.
Die Runde endete spannungsgeladen und ohne Annäherung in der entscheidenden Machtfrage. Chrupalla blieb bei seinem Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten, Wagenknecht bei ihrer Forderung nach einer überparteilichen Persönlichkeit. Lanz’ Vorwurf, das BSW werde zum Steigbügelhalter der AfD, entlarvte vor allem, wie sehr die alte Brandmauer-Rhetorik an Überzeugungskraft verloren hat.
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