„Sie sind jemand, der russischen Nationalismus in Deutschland das Wort redet.“ Als Hubertus Heil gestern bei Maischberger den AfD-Chef Tino Chrupalla frontal attackierte, kochte die Runde hoch. Thema Nummer eins: Wie soll sich Europa in Zeiten von Donald Trump 2.0 positionieren? „Der Friedensstifter – Wie Tino Chrupalla die AfD auf Kurs hält“ ist Titelthema der Dezember-Ausgabe von COMPACT. Hier mehr erfahren.

    Zu Gast waren gestern in der Maischberger-Sendung der frühere SPD-Minister Hubertus Heil und Tino Chruppalla, die sich über die transatlantischen Beziehungen austauschten oder sollte man lieber sagen, sich gewaltig stritten.

    Das Gespräch zwischen den beiden Politikern begann mit Maischbergers Frage: „Gibt es diese deutsch-amerikanische Freundschaft noch? „Zwischen den Nationen, den Gesellschaften, den Organisationen und den Einrichtungen schon. Aber wir können uns auf diese Freundschaft auf Regierungsebene nicht mehr verlassen“, war Heils Statement dazu. Er sprach von einer „doppelten Zeitenwende“ und warnte davor, sich zurückzulehnen, trotz Trumps aktueller Grönland-Deeskalation.

    Schnell verlagerte sich die Diskussion auf die Ukraine. Heil forderte einen „gerechten Frieden“ ohne Unterwerfung unter einen Diktator. Chrupalla konterte, das Sterben müsse aufhören, und nannte „gerechter Frieden“ eine Metapher. Heil explodierte: „Sie können das Wort Metapher ja nicht mal definieren!“ Und erklärte außerdem: „Die Souveränität der Ukraine ist Ihnen scheißegal!“

    Hat Heil plötzlich den Patriotismus für sich entdeckt?

    Chrupalla blieb vergleichsweise ruhig und defensiv. Er wies die Vorwürfe zurück, betonte eine multipolare Weltordnung und distanzierte sich beiläufig von AfD-Politiker Maximilian Krah („Der hat keine Funktion in der Partei“), als Maischberger ihn mit dessen Grönland-Aussagen konfrontierte.

    Die Frontenlage war rasch klar. Heil setzte auf harte, emotionale und persönliche Angriffe, unterstützt durch Applaus und teils durch Nachfragen von Moderatorin Sandra Maischberger. Chrupalla wollte sich argumentativ nicht in die Ecke drängen lassen und versuchte, sachlich zu bleiben und sich nicht in die Rolle des Angeklagten drängen zu lassen. Eine echte Debatte entstand daraus kaum, aber kübelweise Beleidigungen Richtung Chrupalla.

    Für den Zuschauer wirkte das weniger wie ein offenes Gespräch, sondern eher wie ein gemeinsames Abklopfen eines bereits feststehenden Urteils. Chrupalla wirkte insgesamt nicht so angriffslustig wie Heil, der sich weniger auf Fakten als auf Emotionen bezog und der zudem auch noch Sandra Maischberger als Schützenhilfe im Rücken hatte. Auf kritische Fragen ihrerseits an Heil wartete man vergeblich.

    Die Frage bleibt: Hat Heil plötzlich den Patriotismus für sich entdeckt, oder benutzte er einfach nur Trumps Politik, um Chrupalla politisch in die Ecke zu stellen? Heil selbst hat in der deutschen Politik im Prinzip kaum noch etwas Relevantes zu sagen. Nun hatte er Gelegenheit, sich wieder selbst ins Rampenlicht zu rücken, indem er verbal auf die AfD einprügelte.

    Übrigens wurde nicht nur Chrupalla beleidigt. Trump wurde von den Anwesenden als „Großmaul“, „Lügner“ und als „korrupt“ diffamiert.

    „Der Friedensstifter – Wie Tino Chrupalla die AfD auf Kurs hält“ ist Titelthema der Dezember-Ausgabe von COMPACT – hier bestellen.

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